BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat Nr.80&81 (1. & 2. Quartal 2007)

Zweite Heimatreise 2006

Ostpreußen — von Gerda Saborowski-Baltruschat, Celle

2006

Zweite Heimatreise 2006

1. Teil

Wiedermal führte uns per Auto der Weg, wie vor zwei Jahren, in unsere Heimat Ostpreußen. Nicht um unsere geschundene Heimat wiederzusehen, deren Anblick mich stets traurig stimmt. Diesmal war unser Vorsatz, etwas Nützliches zu erwirken. Über die Bundesautobahn 2 passierten wir den Übergangskontrollpunkt Küstrin. Auf der Hinfahrt ging es zügig durch. Auf der Rückfahrt (Pfingstsonnabend) gab es einen kleinen Andrang von 15 Minuten Wartezeit, hinzu kam noch die Zollkontrolle auf der BRD-Seite. Unsere Reise dauerte vom 28.5. bis 3.6.2006, jeweils mit Zwischenübernachtung in Netzetal in Weißenhöhe (poln. Białośliwie), das zwischen Schneidemühl und Bromberg liegt, 6 km von der Transitstrecke Nr. 190. Insgesamt 2.800 gefahrene Kilometer. Wir befuhren dieselbe Route wie vor zwei Jahren: Über Küstrin, Landsberg/Warthe, Deutsch Krone, Schneidemühl, Bromberg, Graudenz, Osterode, Allenstein, Nikolaiken, Arys, Lyck, Seedorf. Noch standen unsere alten Baumalleen an einem Teil der Transitwege, deren Baumspitzen schon zusammengewachsen sind. Die Transitstraßen werden mit EU-Geldern, wohin reichlich deutsches Geld fließt, ausgebessert, ohne Vorwarnschilder, die auf eine Baustelle hinweisen. Plötzlich steht man vor einer Ampel, oder einer Schlange von Autos. Die Reisenden: Mein Großneffe, Herr Lothar Trinoga und ich, wie oben.

Im polnischen Staatsarchiv meiner Heimatkreisstadt Lyck/Ostpreußen verwalten die Polen unsere Eigentumsurkunden. Es wurde uns möglich, Fotokopien zwecks Familienforschung vom Grundbuch unseres Eigentums (DIN A 4 = 4,00 Euro) zu erlangen. Vor einigen Jahren danach gefragt, „niema, alles kaputt“, also wir haben nichts. Inzwischen kam man auf die Idee, es wird doch eine gute Geldeinnahme. Also geben wir den Deutschen Fotokopien. Die Originale hält man fest. Jetzt erfahre ich, im Anzeiger der Notverwaltung des Deutschen Ostens, daß ein Freund des Dichters Gerhard Hauptmann, Dr. Walter Roth (Rechtsanwalt) — Herr Hauptmann verstarb am 6. Juni 1946 in Agnetendorf/Schlesien — mit Vollmacht der Ehefrau die Testamente des Verstorbenen vom Stadtgericht in Hirschberg im Original herausbekam. Dabei berief er sich auf eine Bestimmung im Preußischen Gesetz.

Als heimatlos Gewordene sucht man nach den Spuren von einst und stellt dabei fest, daß man unserer Heimat die deutsche Seele genommen hat. Es gilt nicht zu berichten über die Wohnblöcke, die an jedem Stadtrand aus von unseren Dörfern abgetragenen Gehöften entstehen, für die Landflucht. Auf diesen Stellen findet man allenfalls nur die Fundamente oder ein paar kleine Ziegelsteinbrocken. Es ist zum Weinen, wenn man das Bild unserer einstigen Heimat mit dem jetzigen Zustand vergleicht. Unsere einst blühenden, pulsierenden Dörfer sind heute verkommen, wirken wie tot. Man sieht und hört kein Geflügel, keine Kuh muhen, kein Pferd wiehern, keine Kinder auf der Straße spielen. Kommt man von Lyck, rechte Hand, entdeckt man ein kleines Hotel im Wohnhaus von Bauer Skupio, Bartendorf. (Bei denen sind paar Betten schon ein Hotel). Das Land herum liegt brach. Wo einst große Erntefuder auf den Hof fuhren, regt sich nichts. Im Haus lauert man auf Touristen. Etwa nach dem Motto: biete koomen, wir Pollen sind gute Menschen, werden ohaben gutt bei uns. — Weiter nach Gutenborn kommend, fehlen die nebeneinander stehenden drei Bauernhöfe: Klamma, Murawski und Donder. Auch von diesen ist sich das Ackerland selbst überlassen.

Was nicht jeder weiß: Ostpreußen, das mit zur Kornkammer Deutschlands gehörte, hat, außer seinen 2,5 Millionen Einwohnern, weitere fünf Millionen Menschen mit Brotgetreide, 2,7 Millionen mit Kartoffeln, 8,6 Millionen mit Butter und Fett mitversorgen können.

Wo man hinschaut, ob Dorf oder Abbau (außerhalb des Dorfes), fehlen Gehöfte, als wären sie weggeflogen oder in den Erdboden versunken. Von unseren neun Abbaugehöften stehen nur noch zwei. Die sowie auch andere Gebäude sollen Polen hinter die deutsch-polnische Grenze von 1422 geschafft haben. In Reiffenrode geschah ähnliches mit der ev. Kirche, heißt es im Hagen-Lycker Brief von 2005. Selbst unser schon von Vorgängergenerationen angelegte Feldsteinhaufen ist weg. Auch dafür fanden sich Liebhaber. Vielleicht die Geldmenschen, die an Seegegenden stabile Häuser, Villen bauen, diese großflächig mit massivem Zaun einzäumen, auf ertragreichem Ackerland. Das Land drumherum liegt brach. Unsere große, trockene Wiese vor dem Dorfeingang ist inzwischen über die Hälfte mit Erlenbäumchen, Weidengestrüpp und Seegras bewachsen. Das beweist, daß das Verbindungsflüßchen zwischen dem Ramecksfelder und dem Gusker See nicht gereinigt wird. Es ist auch schon recht schmal geworden. Die Zuflußgräben sind verwachsen. Mängel, wo man hinblickt! Unkundige Reisende sprechen da von einer unberührten Natur. Ich sehe hier die Anfänge einer Wildnis.

In unserem Drei-Dörferkomplex mit der Gastwirtschaft an der Kreuzung gab es eine zwei-klassige Schule, die heute fremdgenutzt wird mit einem Gebetsraum und Wohnungen. Auf dem Schulhof wachsen Bäume. Es gab eine Dampfmühle (heute nicht mehr vorhanden) für Brot- und Schrotgetreide, einen Schuster, Schneider, Stellmacher, Schmiede, Tischler, Zimmerer, Maurer, Dachdecker, Erntehelfer und sonstige Helfer. Es war ein reges Leben. Die Bauten, die heute fehlen, haben nach dem Durchrollen der Roten Armee gestanden. Ich habe es ja 1945 erlebt. Die Polen, die einen Hof eingenommen haben, ihn kläglich bewirtschaften, wie bei uns, haben Garten- und Feldgrenze verschoben, so daß nur noch unsere alten Grundbücher und Flurkarten ausweisen können, welches Land zu welchem Grundstück gehört. Letztere tauchen jetzt bei den Polen auch auf. Auch diesmal faßte ich den Mut, unseren verkleinerten Hof zu betreten. Plötzlich überrascht vom Kuckucksruf aus unserem Obstgarten, der auch nicht mehr das ist, was er mal war. Es waren wieder schwere, schmerzliche Schritte für mich. Einen neuen jungen Bewohner trafen wir an, der viele Pläne zu realisieren äußerte. Na, möge es ihm gelingen.

Jetzt fühlen sich die polnischen Nachgeborenen in Ostdeutschland schon sicher. Noch Jahre nach 1945 äußerten ihre Väter oder Großväter die Befürchtung, die Deutschen könnten zurückkommen. Aber die polnischen Kleriker, die noch 1947 in der Kirche Deutschenhaß predigten (ich habe es gehört), nehmen großen Einfluß auf die polnischen Menschen. Schon 1929, als es in Deutschland noch nicht das NS-Regime gab, war Polen fest entschlossen, einen Krieg gegen Deutschland zu führen, nur England hatte ihn damals verhindert, im Gegensatz zu 1939. (Anzeiger der Notverwaltung des Deutschen Ostens)

Nun, Deutschland hat am 1. September 1939 ab 5:45 Uhr zurückgeschossen.

Der Erzkatholik Adenauer plädiert nach 1945 für eine Neuordnung Deutschlands, ließ das durch seinen Leibjournalisten Wenger in der Zeitschrift „Der Spiegel“ erklären, Deutschland aufzuteilen in drei Föderationen:

  1. Die polnisch-preußische bis zur ehemaligen Zonengrenze,
  2. Westföderation, Frankreich mit dem übrigen Deutschland,
  3. Donauföderation, Österreich mit Balkanländern.

Was wunder, wenn haßerfüllte Polen auch solches erfuhren.

Vergessen ist, daß Polen am 5. November 1916 von deutschen und österreichischen Gnaden nach 100-jähriger russischer Besatzung sich als eigener Staat nennen durfte. Daraufhin erreichten Dankesworte der polnischen Regierung die deutsche Regierung. Doch mit ihrer Selbständigkeit wuchs die Gier auf Nachbarländer mit dem Ziel für ein Großpolen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, von der Elbe samt Berlin bis hinein nach Rußland, wobei letzteres ja in einem Angriffskrieg gegen die junge Sowjetunion 1919/20 vorübergehend gelang. Die erste Fluchtbewegung von etwa einer Million Deutscher veranlaßte Polen schon 1919 durch die widerrechtliche, rigorose Nationalisierungspolitik der ihm aufgrund des Versailler Friedensdiktates grundlos zugesprochenen deutschen Gebiete. Auf diese und andere Fakten gilt es noch hinzuweisen.

Der Völkermord an den Deutschen und der Raub ganzer Provinzen in seinem Ausmaß und seinen Folgen stehen im krassen Gegensatz zum Völkerrecht.

Zweite Heimatreise 2006 — Nachtrag zu Ztg. Nr.80

2. Teil

Endstation unserer Heimatreise war Seedorf, Krs. Lyck/Ostpreußen. Von dort aus machten wir täglich Erkundungsfahrten — diesmal, um die inzwischen verwachsenen, verwilderten deutschen Heldenfriedhöfe aus dem 1. Weltkrieg (1914–18) — vom 2. Weltkrieg 1939–45 gibt es leider keine — aufzusuchen. Die Gebeine des 2. Weltkrieges sowie auch der getöteten und durch Strapazen umgekommenen Zivilisten liegen verstreut im Gelände. Die aufgefundenen Heldenfriedhöfe hat mein Großneffe, Herr Lothar Trinoga, registriert und bei einer nächsten Fahrt mit seinen Reservisten-Kameraden instandgesetzt. Es muß eine sehr mühevolle Arbeit gewesen sein, denn in den über 60 Jahren ausgebliebener Pflege, mancher Schädigung durch die Besatzer Polen, sind Bäume gewachsen, Gedenktafeln zerschlagen oder entwendet. Auf Privatfriedhöfen sind Gräber ausgehoben, die Gebeine liegen verstreut herum. Trotz der Verschandelung des ostdeutschen Gebietes in allen seinen Bestandteilen findet man dennoch Zeugnisse des Deutschtums.

Schreckensbilder der Vergangenheit tauchen auf!

Als wir Arys durchfuhren (Arys größter deutscher Truppenübungsplatz), stand mir plötzlich das brutale Überrollen des deutschen Flüchtlingstrecks durch die Rote Armee vor Augen. Es drängt sich mir so sehr auf, daß ich es erwähnen muß: Mein Vater trennte sich mit unseren zwei Wagen von dem im Schrittempo ziehenden Treck, fuhr auf einen leerstehenden Hof, um die Pferde und auch uns selbst zu stärken und danach schneller nachfahren zu können. Doch bald kamen Sowjetarmisten, fuhren mit Panzern über den Treck hinweg, schossen versprengte deutsche Soldaten und Zivilisten nieder, rannten wild auf die Höfe und in die Häuser. Ein Nachschub vergewaltigte Frauen und Mädchenkinder. Plötzlich war die Hölle los. Sie nahmen unsere Pferde mit robustem Umgang. Diese wandten wiehernd ihre Köpfe zu uns als riefen sie: „Helft uns doch!“ Man wünschte sich in den Augenblicken der Entrechtung, Beraubung und Schändung, die Erde würde sich auftun und uns verschlingen. Nur durch Gottes Fügung entkamen einige Deutsche den Bestien, darunter auch meine Eltern und ich. Die feindlichen Truppen rollten durch Arys kampflos gen Westen. Als wir Überlebenden am nächsten Tag (23. Januar 1945) zum Provianthof getrieben wurden, um zusammengetriebene Kühe mit teils schon geschwollenen Eutern zu melken, sahen wir in offenen Fenstern Leichen hängen, halb drinnen, halb draußen. Aufgrund der Aufrufe von Ilja Ehrenburg waren die Rotarmisten verhetzt auf alles Deutsche. Polen, die derzeit (auch freiwillig) in Deutschland gegen Tariflohn, Krankenversicherung, Kleiderkarte, freie Verpflegung und Unterkunft, arbeiteten, kehrten die vollbeladenen, bespannten Wagen um und fuhren damit nach Hause. Bei all dem Geschehen sind der viele Schnee und der Frost um die 20 Grad minus zu bedenken.

Ein Zurück nach Hause gelang uns unter schwierigen Umständen auf einem größeren Rodelschlitten mit unserem 84-jährigen Großvater nur bis zum nächsten Nachbarort Rogallen. Bei uns Zuhause wühlten schon räuberische Polen und drohten: Laßt euch nicht wieder blicken!

Mir war danach noch ein halbes Jahr NKWD-Inhaftierung bei den Sowjets in Kellern mit eingeschlagenen Fenstern, beim Verhör mit verabreichten Schlägen, Ansengen der Fingernägel, Entzug von Kleidung, in dem kalten Winter, beschieden. Eine zur Erpressung von Geständnissen angewandte Methode. Es folgten neun Jahre Zwangsarbeit mit diversen Schikanen bei den Polen. Polen nahmen uns die letzten Habseligkeiten, entrissen uns auch den Hofhund, der sich in panischer Angst sehr an uns klammerte.

Dies nur in groben Zügen, denn der Fahrtbericht hat ja Vorrang. Jahrzehnte habe ich die Entbehrungen, Schikanen und Qualen in dem Freiwildleben unter den brutalen Feinden verdrängt und tief in meiner Seele angesiedelt. Verdrängt, um in Familie und Gesellschaft nicht ausgeschlossen zu werden. Jetzt, bei dem Alleinsein, kommt alles hoch.

Was die Begegnung heute mit der polnischen Bevölkerung betrifft, kommt mir vor wie der Wandel von Nacht und Tag. Eine solche Freundlichkeit von heute hätte man 1945 und noch Jahre danach nicht einmal erträumen können. Zu der Zeit herrschten noch Haß, Raub bis Mord durch Erhängen wegen ein Paar Schuhen, Name: Krafzig! Der polnische Klerus erinnerte stets an die Haßtiraden. Heute ist man auf die Touristen-Devisen bedacht. Recht bald nach dem Durchzug der Sowjetarmee begannen Polen zu plündern, zurückgekehrte Deutsche aus ihren Häusern, Höfen und Wohnungen, zunächst zu verdrängen, dann zu vertreiben. Wer in seinem Eigentum bleiben oder aber ein für polnische Verhältnisse damals ein halbwegs normales Leben führen wollte, mußte die polnische Staatsangehörigkeit annehmen. Um so mehr Schikanen waren die übrigen Deutschen ausgesetzt. Sie ließen erst nach, als die DDR in Mitteldeutschland gegründet wurde; da faselte man von einem Brudervolk. Hierzu muß ich bemerken, daß die drei Sieger, Amerika, England und die Sowjetunion, erst am 12. August 1945 beschlossen, die deutschen Ostgebiete den Polen zur einstweiligen Verwaltung zu übergeben, eine evtl. humane Umsiedlung, jedoch keine Vertreibung, von Deutschen durchzuführen. Ja, und das Gegenteil geschah. Polen schuldet uns nun schon über sechzig Jahre einige Billiarden an Nutzungsausfall, alleine für Privateigentum.

Der Literatureingeweihte weiß, daß auf dem Panslavistenkongreß von 1848 in Prag beschlossen wurde, die slavische Volkstumsgrenze in den nächsten einhundert Jahren auf die Linie Stettin — Triest vorzuschieben und alle Deutschen nach Westen zu vertreiben. Und in diesem Krieg werden keine Gefangenen gemacht! Gelungen ist den Polen, ihre Westgrenze mit Stettin bis zur Oder und Lausitzer Neiße zu bekommen. Also Landraub schon vor 160 Jahren geplant. Wer nun bei den Deutschen und auch Hitler die Schuldigen dieser letzten Kriegskatastrophe sieht, unterliegt einem Irrtum. Hitler wurde erst 1889 geboren.

Die „ach so frommen Polen“ verhielten sich schon nach dem 1. Weltkrieg chauvinistisch, brutal, gegen Deutsche. Der Höhepunkt dessen war der Bromberger Blutsonntag am 3. September 1939. Laut Joachim Nolywaika — Bundesarchiv Koblenz — hatte Polen bei Kriegsausbruch und Kriegsende 1255 KZ-Lager — bereits überhaupt die ersten in Mitteleuropa. Nachzulesen in „Polen nicht nur Opfer“ ISBN 13978-3-935102-13-1 und ISBN 103-935102-13-5. Bemerkung: Die Bezeichnung „Slawen“ ist umstritten.

Themenwechsel. In Gorlen-Abbau, Krs. Lyck/Ostpreußen, hat eine Polenfamilie einen Hof am Sawader See eingenommen mit einem großflächig eingezäunten Gelände. Der Drahtgeflechtzaun ist ca. eineinhalb Meter hoch mit einem Warnschild am Zufahrtsweg versehen, das deutet: „Privatgelände, Zutritt verboten“. Da wir auf Spurensuche waren, fuhren wir zum Hof hin — konnten ja nicht polnisch lesen — trafen auf einen freundlichen Polen, der uns erklärte, daß das der Hof des Deutschen „Moneta“ wäre. Als mein Neffe den Friedhof, auf dem die Vorfahren seines Vaters ruhen, besuchen wollte, ergab es sich, daß uns ein Paar der Geldmenschen in sein mit massivem Stahlgitter eingezäuntes Villenhaus einlud. Neu erbaut auf dem Ackerland am See des Bauern Birnat, Laschmiden. Der Mann ein Schweizer, namens Matthies. Die Frau eine Polin aus Lemberg. Auch die Polin sprach ein Schweizer Deutsch. Beide zeigten sich interessiert über das Geschehen von 1945, da hier doch Deutsche lebten. Sie luden uns ein, bei einem nächsten Heimatbesuch wieder vorzusprechen. Das Dorf Laschmiden ist auch stark zum Negativen verändert. Als Beispiel ist der Dorfplatz zu erwähnen, der eine Grünanlage war, mit von den Gänsen stets kurz gehaltenem Rasen, an den Laschmider See grenzend. Heute ist er voll von Baumwuchs eingenommen. Auch diesmal besuchten wir den Treffpunkt (deutscher Wasserturm) der deutschen Minderheit in Lyck. Dort trafen wir die 1. Vorsitzende, Frau Szubsda, an. U.a. erzählte sie uns, daß sie einer deutschen Mutter und einem polnischen Vater entstamme und mit einem Polen verheiratet sei. In den anderen Familien mag es sicher ähnlich sein. Die Einladungen zu einer Zusammenkunft werden in Polnisch geschrieben. Ich sah so eine. Da wirft sich bei mir die Frage auf, wieviel Deutschtum mag in der Gruppe noch vorhanden sein? — Unterstützt werden diese Leutchen von der Kreisgruppe in der BRD als Deutsche.

Auf der Rückkehr suchten wir die evangelische Kirche in Nikolaiken auf. Sie war frisch renoviert, innen und außen, mit deutscher Hilfe. Verbliebene deutsche Frauen betreuen sie. Noch eine Kirche, die den Protestanten erhalten blieb. Aber leider geschieht auch da alles in Polnisch. Schon der Aushangkasten gibt den ersten Eindruck darauf.

Eine Mitteilung aus der PAZ — Das Ostpreußenblatt — Nr. 41 vom 14. Oktober 2006: Das Kreiskrankenhaus Lyck ist verkauft für 1.44 Millionen Zloty (über 366.000 Euro). Eines unserer Vorzeigeobjekte. Ein Dienstleistungs- und Handelszentrum soll dort entstehen, durch das Käuferunternehmen „Graf“ Białystok. Eine Tiefgarage soll ausgebaut werden. Die Front des Hauses soll nicht verändert werden, da die Bismarck-Straße (jetzt Mickiewicza-Straße) ein denkmalgeschützter Bereich ist. Der Käufer hat die Erlaubnis für einen Teilabriß.

Ostpreußen mit seiner 800-jährigen deutschen Geschichte läßt sich in vier Abschnitte gliedern:

Den Deutschen Osten tragen wir in unseren Herzen.
Er gehört völkerrechtlich immer noch zum deutschen Reichsgebiet!

Gerda Saborowski-Baltruschat


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