BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 83  ¦  Oktober – Dezember 2007


Heimat mehr als Ersatz!

Geschichte in alle Tätigkeit einbringen! Jeder Mensch hat nur eine Heimat, in die er hineingeboren ist. Als Knabe erblickte ich das Licht der Welt in Breslau, Niederschlesien. Durch endlose Oderwälder, Wiesen, Felder, Dörfer und Städte fließt die Oder, da, wo die Oderschiffer bei ihrer Tätigkeit nie ermüdeten. Gern sah ich als Knabe diesen Männern bei der Arbeit zu. Als mein Vater eines Tages zu mir sagte: „Krall dich an die Heimat fest!“ Wie er dazu gekommen ist, weiß ich nicht mehr…

Nur die anschauliche Forderung ist mir bis zum heutigen Tage im Gedächtnis geblieben. Mein Vater, Vater von fünf Kindern (später zwölf), verdiente damals leidlich. Es war wohl das, was man einen „Proletarier“, besitzlosen Lohnarbeiter, der nur seine Kinder hat, zu nennen pflegte.

Und die Proletarier sollten doch wohl die „heimatlosen“ Gesellen sein ?!

Dieser aber, mein Vater, ist — so meine ich — in die Volksgeschichte eingegangen, weil er auf seinem Prellstein hockend — einem bewahrten glücklichen Kinde die Erkenntnis zutrug, daß die Heimat das Element jedes sinnerfüllten Lebens ist und daß in sie sich „festzukrallen“ — und sei es im Geiste — die zeitgerechte, überzeitliche und damit die immerwährende Forderung bleibt: Die Kraft dazu stammt aus dem naturnahen Leben meiner Jugend.

Hans-Joachim Reimann
Rudersdorf

Ein Heimgekehrter 1917

schreibt an einen opfermüden Freund einen Brief, der folgenden Inhalt hat:

Mein Besuch bei Dir kam Dir und Deiner lieben Frau, wie ich merkte, etwas ungelegen. Aber was kann ich dafür, daß ich meinen Arm in der Binde tragen mußte und Blutflecken noch zu sehen waren und alles nach Jodoform roch, und ich selbst mit blassem, eingefallenem Gesicht vor Euch stand?

Du warst ungehalten, als Du beim Morgenkaffee Dein Brötchen dick mit Butter bestrichen verzehrtest, darüber, daß die Brötchen nur nachmittags und nicht morgens frisch zu haben wären; Du hast mich nicht verstanden, als ich sagte, das weiß man anders zu würdigen, wenn man den Hunger mit rohen Rüben stillen mußte und eine Kommißbrotschnitte mit Schmalz bestrichen wie ein Festbraten schmeckt.

Deine Frau klagte, daß sie aus Sparsamkeit die Dienstboten entlassen habe und jetzt alle Arbeit allein tun müsse. Und doch haben die Dienstboten jetzt gerade einen Verdienst nötig. Und klagen über die Arbeit?

Drei Bilder will ich Dir nun zeichnen: In Ostpreußen in einer kleinen Stadt das eine: Ein schönes Landhaus ist zusammengeschossen; die eine Ecke des Hauses steht doch; man sieht im Zimmer noch den schönen Kachelofen; wie traulich mag es in dem Haus gewesen sein! Und auf der Treppe dieses Hauses? Da liegt eine junge, schöne Frau ermordet, geschändet; der Mann ist im Kriege gefallen.

Das andere Bild: Im Straßenbahnwagen eine Frau; sie erzählt: Meine beiden Jungen sind gefallen, der ein im Westen, der ander im Osten; mein Mann ist schon lange tot; ich werde mich recht einsam fühlen. Keine Klage!

Das dritte Bild: Ein junger Soldat ist mein Bettnachbar; ein Rückenmarkdurchschuß hat seine beiden Beine gelähmt; er war Artist, und nun ist er brotlos! Was macht er? Er singt: „Wenn der Frühling kommt, blüht der Flieder“. — Ich frage: Solchen Opfern gegenüber willst Du Deine kleinen Unbequemlichkeiten nicht tragen?

Deine nichtigen Unbehaglichkeiten sind Dir wichtiger als diese Opfer? Als diese ruhige Kraft zum Tragen? Zum Dulden? So muß man es in diese undankbaren, mißmutigen Herzen hineinrufen: Nehmet doch Vernunft an! Beweiset, daß ihr die Opfer zu würdigen versteht!

Einsender:
Hans-Joachim Reimann
Rudersdorf 1

UDH Nr. 83

Sprung zur Indexseite Sprung zur Seitenübersicht