BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 84  ¦  Januar – März 2008


Zins, Zinseszins und Prozente — Geißeln der Menschheit

Diese Zusammenhänge werden in den Medien nicht behandelt. Im Grunde genommen ist ein jeder davon betroffen, ob Millionär oder Rentner. Wobei der Rentner nicht nur betroffen ist. Er hat keine Möglichkeit, dieses Netz, das auch über ihn gebreitet ist, zu zerreißen.

Alle Wirtschaftsgüter, alle Immobilien, alle Verträge, im Grunde genommen alles, wobei Geld bewegt wird, ob in bar oder über Banken usw., verteuern sich durch den Zins und insbesondere durch den Zinseszins.

Es hat mehrere Ansätze gegeben, diese Zinsknechtschaft zu überwinden. Auch unsere leider zu früh verstorbene BGD-Landesvorsitzende von Bayern, Brigitte Cornelius, war eine Verfechterin dieser Lehre.

Die Schwierigkeit bei der Durchführung dieser oder gleichlautender Lehren liegt darin begründet, daß sie sich weltweit nicht einführen lassen.

Der Grund, warum der Zins- und Zinseszins zur Geißel wird, liegt in der Maßlosigkeit, der Gier nach immer höheren Zinsen. Es hat einmal den §§ gegen Wucher gegeben. Mir ist nicht bekannt, daß wegen dieses §§ von Staatsanwaltschaften ermittelt worden ist.

Die Vergabe von Krediten kann nicht ohne Gegenleistung (Kosten für die Bearbeitung der Verträge und eine „Leihgebühr“, eben dem Zins) erfolgen.

Diese Überlegungen versuchte ich unserer Brigitte Cornelius so zu vermitteln: Ich besitze eine Bohrmaschine. Mein Nachbar leiht sich diese aus. Selbstverständlich ist es Nachbarschaftshilfe, und dafür wird jeder vernünftige Mensch keine Leihgebühr verlangen. Wenn sich dies herumspricht und der nächste Nachbar sich die gleiche Bohrmaschine ausleiht, bleibt es immer noch Nachbarschaftshilfe. Dies läßt sich jedoch nicht unendlich weiterführen.

Wenn meine Bohrmaschine eines Tages von mir nicht mehr genutzt werden kann, weil diese immer verliehen wurde, ist der Zeitpunkt gekommen, ab dem gerechnet werden muß. Mir steht die Bohrmaschine nicht mehr zur Verfügung. Es entsteht dadurch eine Leistung meinerseits. Des weiteren muß ich Vorsorge treffen, daß ich für den Verschleiß und die evtl. anfallenden Reparaturen eine Entschädigung bekomme. Außerdem: Eine Bohrmaschine hat eine begrenzte Lebensdauer, und ich muß wenigstens soviel an Leihgebühr einnehmen, damit ich mir bei Verlust eine neue Bohrmaschine kaufen kann. Bis hierhin ist dies eine Nullsummenrechnung. In die Leihgebühr muß ich daher bei meiner „Leistung“ für die Verleihung, einen kleinen Gewinn einkalkulieren. Und spätestens ab hier teilen sich die Menschen: Eine Gewinnmarge von einem ordentlichen „Kaufmann“, die in der Vorkriegszeit bei ca. 3 — 5 % Reingewinn lag, über die bis weit in die Nachkriegszeit hinein „Handelnden aller Sparten“ mit einem Reingewinn, der bis zu 10% erwirtschaftet werden konnte, hin zu den „Heuschrecken“ in der Globalwirtschaft mit Gewinnforderungen von mindestens 25%!

Mit dieser Entwicklung der Wertewandlung ging einher die Veränderung an den Spitzen und Besitzverhältnissen in den Firmen. Die Gründergenerationen, Großvater gründete, Vater erweiterte, waren noch von Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern geprägt. Ab der Enkelgeneration wurde die harte Arbeit, die auch von den Inhabern selbst großer Firmen geleistet werden mußte, um zu Erfolg zu kommen, im allgemeinen, Ausnahmen bestätigen die Regel, durch eine falsch verstandene „Lebensqualität“ abgelöst. (Die Firma Sachs ist dafür ein in den Gazetten bekannt gewordenes Beispiel.)

Ab dieser Zeitspanne griffen die „Heuschrecken“ in großen Schwärmen zu. Viele Menschen verloren ihre Arbeit, wurden den „profitgierenden Heuschrecken“ im wahrsten Sinne des Wortes zum Fraß vorgeworfen.

Und wo blieben in der gesamten Nachkriegszeit unsere so verantwortungs­bewußten, um das Wohl des deutschen Volkes bemühten Volksvertreter samt aller Regierungen? Der „Wirtschaft“ wurde „Narrenfreiheit“ zugestanden: eine Lenkung durch den Staat BRD fand nicht statt.

Der in den Jahren 1950 bis 1960 sich abzeichnende Arbeitskräfte-Mangel wurde von der Wirtschaft nicht durch technische Entwicklungen aufgefangen. Nein, es wurde der einfache Weg beschritten. Am Anfang wurden Gastarbeiter aus Spanien angeworben. Es folgten Gastarbeiter aus Italien, Griechenland usw. Als die ersten Bemühungen, die durch große Absatzerfolge notwendigen neuen Arbeitskräfte durch technische Entwicklungen zu ersetzen, Erfolge zeitigten, wurden von den „Nachzüglern dieser Entwicklung“ weiterhin ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland geholt. Und ab dahin vorwiegend Türken.

Seit etwa zwanzig Jahren überschneiden sich die Entwicklungen. Produktion und Wirtschaft werden modernisiert auf Teufel komm raus. Durch Gewinnerwartungen, in unermeßliche Raffgier abgleitend, von den Heuschreckenschwärmen angeheizt, geht die Wirtschaft erneut den leichteren Weg. Einerseits massenweise Entlassungen und andererseits Verlagerung der Produktionsstätten ins Ausland. Die Karawane zieht über Polen, Tschechei, Weißrußland bis letztendlich nach China. Und weiterhin sehen unsere, auf das Wohl des deutschen Volkes Vereidigten hilflos zu. Hilflos ist nicht das richtige Wort; sie betätigen sich als Helfershelfer der Heuschreckenschwärme und verletzen massenweise ihren Amtseid! In ihren Ansprachen zu den Festtagen wurde das deutsche Volk, dem sie geschworen haben „…meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen…“ einfach durch Mitbürgerinnen und Mitbürger ersetzt. Na ja — diesen hatten sie ja keinen Amtseid geschworen.

Ach waren das noch Zeiten, als im Zweiten Deutschen Reich der Reichspräsident gemäß der „Weimarer“ Verfassung, Artikel 43 auf Antrag des Reichstags durch Volksabstimmung abgesetzt werden konnte. — Als Artikel 59 der Reichstag berechtigt war „…den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und die Reichsminister vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich.“ anzuklagen. Können wir uns vorstellen, daß dieser Bundestag-Gesangsverein so viel Mumm hätte?

Leider mußten in die Betrachtungen zu Zins- und Zinseszins mehr Überlegungen einfließen als von mir vorgesehen. Nun zu dem leidigen Thema Prozente! Daß Lohnerhöhungen in Prozenten abgerechnet werden, ermöglicht erst, daß die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinanderklafft.

Die Diskussion über die Ungerechtigkeit des Prozentwesens wurde von mir bereit 1951 mit meinen Arbeitskollegen im Elektro-Stahlwerk geführt. Der Erste Schmelzer, also von der Besatzung, die den Elektroofen beschickte (ein so nettes Wort für knochenharte Arbeit — Erz und Zuschläge wie Kalk, Chrom, Nickel usw. mit der Schippe in den kochenden Stahlbrei werfen, wobei man sich ganz schnell von der Einfüllöffnung entfernen mußte, damit man nicht von der herausschlagenden Flamme erfaßt wurde) der „Erste“ und ich der „Dritte“ Mann. Meine Frage an Jan, er war der Erste, wieviel mehr hast du durch die Prozente Lohnerhöhung jetzt in der Tasche? Mein Stundenlohn war damals 98 Pfennig und Jan hatte 1,23 DM. Antwort Jan, kannste doch selber ausrechnen bei drei Prozent. Klar konnte ich. Bei mir betrug die Lohnerhöhung 3 Pfennige und bei Jan 4 Pfennige. Meine Frage an Jan, was bezahlst du für das Stück Butter? Jan, na klar soviel wie du auch. Meine Frage an Jan, findest du es gerecht, daß ich den gleichen Preis für das Stück Butter bezahlen muß wie du, wo du doch einen Pfennig mehr Lohnerhöhung bekommen hast? Jan: du kannst Fragen stellen, komm mach dich ran, das Erz muß jetzt rein.

Sicherlich, es war nur ein Pfennig Unterschied, der in Prozenten ausgedrückt nicht nennenswert war. Und doch — die Entwicklung ging und geht weiter. Die Prozente, um bei den Löhnen zu bleiben, bewirkten in den vergangenen Jahrzehnten das Auseinanderklaffen der Einkommen bei gleicher Arbeit.

Und auch bei der Betrachtung der unterschiedlichen Berufe und Einkommenstrukturen, das Verhältnis ändert sich nicht. Bei einer Rente von 500 DM, wie diese bei vielen Rentnerrinnen üblich ist und einer Rente von 1000 DM beträgt, sollte eine Rentenerhöhung von 1% mal gezahlt werden, 5 DM. Um bei diesem Beispiel bei der Prozentrechnung zu bleiben somit 100%!

Bei anderen Beispielen, z.B. Angestellten in gehobener Position bei einem angenommenen Einkommen von 5.000 ¤ beträgt eine 5%ige Gehalts-Erhöhung 250 ¤. Ein Angestellter mit einem Gehalt von 4.000 ¤ erhält bei gleichem Tarifabschluß dann 200 ¤. Diese fehlenden 50 ¤ sind bereits eine etwas größere Öffnung der Schere. Diese Beispiele lassen sich beliebig fortführen.

Es erfolgt nicht nur bei den Löhnen und Gehältern diese ungerechtfertigte Öffnung der Schere. Bei jedem Einkauf werden Sie feststellen, daß die Erhöhung jeweils in Prozenten erfolgt. Auch die Sonderangebote werben in %ten.

Diese Momentaufnahmen geben nicht die volle Dramatik wieder. Erst die Hochrechnung über den Zeitraum, in dem diese Prozentrechnung betrieben wird, läßt erahnen, warum heute selbst unter Normaleinkommen, lassen wir die Exoten wie Stars von Film und Sport beiseite, eine volkszerstörende Ungerechtigkeit zur Normalität geworden ist. Zur Umkehr können die Tarifpartner beitragen, wenn Lohn- und Gehaltserhöhungen in EURO ausgehandelt werden.

Horst Zaborowski

UDH Nr. 84

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