BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 86  ¦  Juli – September 2008


Friedrich Kurreck
Offenbach, den 30. Juni 2008

Sehr geehrte Frau Schwarz,
Ihr Schreiben vom 27. Juni 2008, mit dem Sie mir mitteilten, daß mein Schreiben vom 7. Juni 2008 im Büro des Bundestagspräsidenten eingegangen ist und zur Kenntnis genommen wurde (auch von Ihrem Chef, an den es gerichtet war?), habe ich erhalten.

Sie meinen, meine diffusen Meinungsäußerungen und undifferenzierten Unterstellungen würden Ihnen keine Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung bieten, aber trotzdem wollten Sie nicht alles unkommentiert stehen lassen. Sachlich auseinandersetzen kann ich mich, sehr geehrte Frau Schwarz, nur mit Deutschen, die nicht Opfer der Umerziehung geworden sind und, nun als »Politisch Korrekte«, zu wissen glauben, was richtig ist, ihre Ansicht zum Dogma der Rechtgläubigen erheben und andere Meinungen als unkorrekt ausschließen, damit die freie Diskussion einschränken und Tabus errichten, wo ihre Argumente schwach sind.

Daher erlauben Sie sich auch, mich, einen Zeitzeugen, der Ihr Urgroßvater sein könnte, zu belehren, daß es „keinen Zweifel an der historischen Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und seine Folgen gibt“.

Ach, Sie ahnungsloser Engel, wer hat Ihnen denn diesen, doch nur von Geistesgestörten stammen könnenden Blödsinn ins Ohr geflüstert? Schon mal etwas von der »Geheimen Geschichte« gehört, die die wahren Ursachen der Ereignisse birgt? Anscheinend nicht! Daher empfehle ich Ihnen dringend, sich in Ihrem eigenen Interesse mit dieser zu befassen, damit Sie sich künftig bei Zeitzeugen nicht mehr lächerlich machen. Nur ein hilfreicher Rat eines Opas, der die Weimarer Republik und das Dritte Reich erlebt hat, und jetzt auch noch wahrnehmen muß, wie unser deutsches Land von geschichtsunkundigen Nachkriegspolitikern, denen Sie im Präsidialbüro des Deutschen Bundestages dienen, systematisch in den Untergang geführt wird!

Ist Ihnen, sehr geehrte Frau Schwarz, Harry. E. Barnes ein Begriff? Er ist ein Kollege des ZDF-Hof-Historikers Guido Knopp, der mit seinen Dokumentarfilmen, tibetanischen Gebetsmühlen gleich, der deutschen Jugend die Schuld ihres Volkes am Kriegsausbruch 1939 eintrichtert. Dieser »Amerikaner« stellte schon 1951 fest: »Ich kenne kein anderes Beispiel in der Geschichte dafür, daß ein Volk diese nahezu wahnsinnige Sucht zeigt, die dunklen Schatten der Schuld auf sich zu nehmen an einem politischen Verbrechen, das es nicht begangen hat, es sei denn, jenes Verbrechen, sich selbst die Schuld am Zweiten Weltkrieg aufzubürden.«

Um sechzig Jahre nach den Ereignissen in Deutscher Geschichte up to date zu sein, empfehle ich Ihnen nur das Buch, „Englands Krieg gegen Deutschland“, zu lesen. Autor ist ein britischer (!) Historiker, der Schotte Peter H. Nicoll. Wenige Bücher über die „Ursachen, Methoden und Folgen des Zweiten Weltkrieges“ sind so zeitlos, gründlich belegt und der historischen Wahrheit so nahe, wie seins. Obwohl er zwei Söhne als Flieger gegen Deutschland verlor, hat sein fanatischer Gerechtigkeitssinn erkannt, wer zu diesem »unnötigen Krieg« getrieben hat, und deswegen die Hauptschuld für die tragischen Entwicklungen mit 50.993 Millionen Toten, an die 35 Millionen Verwundeten und 4,3 Millionen Vermißten (die man getrost den Toten hinzurechnen kann) im Gefolge, trägt:

Weiter faseln Sie von der »Ausrottung der polnischen Intelligenz und Versklavung der polnischen Bevölkerung« durch uns und weisen, in bezug auf die Vertreibung der Deutschen infolge des von Deutschland begonnenen Krieges, auf den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung hin. Das beweist mir, daß die uns von den Siegern verordnete Umerziehung bei Ihnen, einer mit der »Gnade der späten Geburt« Beglückten, auf fruchtbaren Boden gefallen ist, und daß Sie zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden nicht mehr fähig sind.

Lassen Sie sich von einem Zeitzeugen, der an der deutsch-polnischen Grenze, im Raum Deutsch Eylau (Westpreußen), jenseits des »Polnischen Korridors«, aufgewachsen ist, sagen, daß Polen seit seiner Wiederauferstehung als Staat, im Jahre 1918, wofür deutsches Blut geflossen ist, sich, ungeachtet des in einem Danktelegramm geleisteten Schwurs der ewigen Treue, dauernder Grenzverletzungen schuldig gemacht hat, und, »historisch bewiesen«, den Krieg mit Deutschland suchte. Beweise für Polens Schuld am Krieg gefällig?

Der Deutsche Lutz Mauve, dessen Vater einen großen Waldbesitz in der Nähe von Kielce in Polen besaß, wurde auf Grund des Versailler Diktats 1918 zwangsläufig polnischer Staatsangehöriger. Als solcher war er im Jahre 1939 „Fähnrich-Feldwebel“, also Offiziersanwärter, in der polnischen Armee. Im Juni oder Juli des Jahres 1939 fand eine von ihm besuchte Versammlung polnischer Offiziere, Reserveoffiziere und Offiziersanwärter in der Gegend zwischen Krakau und Kattowitz statt. Dort hielt der polnische Marschall Rydz-Smigly eine Ansprache in folgendem Geiste:

Wenn Sie schon den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bemühen, dann sollten Sie auch zur Kenntnis nehmen, was der ukrainische Sachkenner in Minderheitenfragen, Dr. Stephan Horak, in seinem Buch „Poland and her national minorities 1918–1939“, von den Polen, zu deren Ausrottung wir nach Ihrer Auffassung am 1. September 1939 angetreten sein sollten, über das Ergehen der mit dem Diktat von Versailles den Polen ausgelieferten Deutschen, also in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, zu berichten weiß: »Alle Vereinbarungen und Versprechen des guten Willens mißachtend, die auf die Proteste der Vertreter der deutschen Gruppe in Polen hin häufig wiederholt wurden, setzte Polen seine Politik der Verletzung bis zu den letzten Tagen seines Bestehens als unabhängige Nation fort. Für den Historiker ist das Fehlen guten Willens von seiten des jungen polnischen Staates offensichtlich. — Vielleicht würden sich die deutsch-polnischen Beziehungen anders entwickelt haben, wenn Polen nicht gewünscht hätte, durch den Gebrauch von Gewalt eine Entwicklung von mehr als hundert Jahren (präziser ausgedrückt: von mehr als acht Jahrhunderten) umzukehren. — Die Ereignisse von 1919 bis 1939 scheinen die Ansicht zu stützen, daß die Polen eine goldene Möglichkeit, ihre Duldsamkeit und politischen Scharfsinn zu beweisen, versäumten. — Mit der Ausrottung der deutschen nationalen Gruppe in Polen beschäftigt, verfehlte Polen in Betracht zu ziehen, daß sein westlicher Nachbar, Deutschland, nicht gezwungen werden konnte, alles zu vergessen, was drüben geschah.«

Am 15. Juni 1932, als es in Berlin noch keinen Hitler gab, sehr geehrte Frau Schwarz, beschäftigte sich doch das Britische Oberhaus mit der Anwendung des Terrors in der polnischen Minderheitenpolitik. Dort wurde u.a. festgestellt, daß 45% der deutschen Kinder in Thorn und Posen ihrer deutschen Schulen beraubt und in polnische Schulen getrieben worden sind, und daß in der Gesamtzahl der deutschen Schulen ein Rückgang von 50% eingetreten ist. Lord Cecil, der als Delegierter der britischen Regierung an dieser Aussprache teilnahm, bezeichnete die Anwendung des Terrors in der polnischen Minderheitenpolitik als das »Gewissen der Menschheit erschütternd« und stellte dann abschließend noch fest: »Wir dürfen nicht vergessen, daß Polen ganz besondere Ursache hat, diese Verträge zu achten; denn die ihm zugestandenen Annexionen wurden ihm nur unter der Bedingung gestattet, daß es diesen Gebieten Autonomie gewährt.«

Lassen Sie, sehr geehrte Frau Schwarz, sich von einem Zeitzeugen auch noch folgendes aufzeigen:

Das polnische Volk in seiner Gesamtheit befand sich seit dem März 1939, nach der britischen Polengarantie, in einer sich ständig steigernden Kriegsstimmung. In zahlreichen Aufsätzen und Leserzuschriften in Zeitungen wurde der Krieg dingend gewünscht, gar von den Kanzeln herbeigefleht. Durch Aktionen wie die Meldung zu einem »Kommando lebender Torpedos« nach mißverstandenem japanischen Vorbild und durch Vorträge polnischer Offiziere, die die Qualitäten polnischer Soldaten in den Himmel hoben und die deutsche Ausrüstung als minderwertig (Panzer aus Pappe) bezeichneten, wurde eine Stimmung erzeugt, die von einem raschen Marsch nach Berlin träumen ließ. Durch solch größenwahnsinniges Gefasel verleitet, ritten dann polnische Kavalleristen mit ihren Säbeln in der Hand Attacken gegen unsere Pappmaché-Panzer und erlebten ihr blaues Wunder.

Es ist also nichts mit ihrem »nachgeplapperten« Märchen von der deutschen Kriegsschuld, sehr geehrte Frau Schwarz, denn auch Prof. Dr. M. Freund hat festgestellt:

Eine belgische Zeitung schickte im Sommer 1939 einen ihrer Journalisten in das Land der nur den Frieden im Blick habenden Polen, um ihren Lesern über die Zustände dort aus erster Hand berichten zu können. Hier der Bericht von Ward Herrmanns:

So ist es dann auch verwunderlich, daß bis Mitte August 1939 bereits 76.535 Volksdeutsche aus Polen ins Reich geflohen sind, und dies wohl nicht, weil Hitler sie dazu gezwungen hätte.

Was Sie, sehr geehrte Frau Schwarz, über die Anzettelung von Kriegen noch lernen müssen, ist, daß nur derjenige an einem Kriege schuldig zu sprechen ist, der seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen. Und das waren 1939 zweifelsohne, von »ausländischen« Historikern präzise nachgewiesen, nun einmal die Polen, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht.

Unglaublich, daß es auch 63 Jahre nach Kriegsende, trotz aufklärender massenhafter Geschichtsliteratur, immer noch Deutsche gibt, die den Märchen der Sieger andächtig lauschen, sich daran ergötzen und sie skrupellos weiterverbreiten, anstatt jene Stimmen zu verinnerlichen und zu publizieren, die Goethe folgend, sich redlich bemühen, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen:

Sollte ich mich, sehr geehrte Frau Schwarz, nicht klar genug ausgedrückt haben, damit auch Sie die Deutsche Geschichte so sehen können, wie sie in der Wirklichkeit gelaufen ist, und Sie sich auch in Zukunft noch als üble Nestbeschmutzerin betätigen sollten, dann bitte ich Sie als letztes, über folgendes Zitat Churchills, gebracht nach Beendigung des Ersten Weltkrieges von der Londoner Tageszeitung „The Times“, im Mai 1919, gründlich nachzudenken, das in seiner Klarheit und Wahrheit für Mißdeutungen keinen Raum bietet, ein Zitat aus berufenem Munde, das selbst Sextaner richtig zu deuten in der Lage sind, und erkennen, wer der wahre Schuldige (auch) an dem Zweiten Weltkrieg, dem »Zweiten Dreißigjährigen Krieg« auf europäischem Boden, ist:

Und da wir, trotz der Ausplünderung der Weimarer Republik mit Hilfe des Versailler Diktates, im Dritten Reich wieder Handel zu treiben begannen und damit auf dem Weltmarkt zu einer starken Konkurrenz für England wurden, sahen sich die Kattunbanausen an der Themse erneut gezwungen, wieder einen Krieg gegen Deutschland zu arrangieren. An diesem uns 1939 aufgezwungenen — jawohl, aufgezwungenen — Krieg habe ich, sehr geehrte Frau Schwarz, vom ersten bis fast zum letzten Tag (Ende April 1945) teilgenommen und folglich auch die Weimarer Republik und das ihm folgende Dritte Reich bewußt erlebt, womit ich als einer der noch lebenden Zeitzeugen in der Lage bin, zu beurteilen, was in der ersten Republik auf deutschem Boden alles schief gelaufen ist und was in dem heute verfemten Dritten Reich alles besser war als in der heutigen Bundesrepublik Deutschland, die mancher Bundesbürger abwertend schon als »Bananenrepublik« bezeichnet. Deshalb kann mir auch keine mit der »Gnade der späten Geburt« Beglückte — oder Beglückter etwas vormachen. Trotz aller Diffamierungen bin ich stolz auf mein Vaterland, das Deutschland heißt, und auch darauf, ein Deutscher zu sein.

Daher klage ich um Deutschland, nicht weil es besiegt, zerstückelt und entmachtet ist. Ich klage um Deutschland, weil es sein Wesen preisgibt, weil es verunsichert und verstört, seine Seele verrät. Ich klage um Deutschland, weil es seine Herkunft vergißt, um jenes Deutschland, wo Überlieferungen noch ein dankbar und sorgsam gehütetes Erbe, wo ein Wort noch ein Wort, Recht Recht, Treue Treue, Verrat Verrat und Schande Schande war. Wo man die dunklen Gewalten kannte, aber Kraft und Mut hatte, sie zu bestehen. Wo Korruption fremd und Opportunismus verächtlich waren. Wo Pflicht höher stand als Genuß und Armut oder Reichtum kein Wertmaß war. Wo noch nicht gefragt wurde: »Ist Leistung unanständig?«, sondern Leistung schwerer als Geltung wog und »Mehr sein als scheinen« der Grundsatz einer Elite war. Wo es galt, so zu leben, daß es beispielhaft wirkte. Wo ein Deutscher zu sein, eine Ehre im Abendland und weithin in der Welt war. Wo es nur ein Deutschland gab und kein Herausreden auf ein anderes Deutschland. Wo Heimat und Vaterland nicht verfemte Vokabeln, sondern unantastbare Güter waren. Wo mehr als Parteimitgliedschaft der Charakter wog. Wo »deutsch« zuverlässig, echt, unverfälscht hieß. Wo die Urzelle der Nation, die Familie, ein Sanktum war und die »gute Ehe« nicht spießbürgerlich, sondern vorbildlich hieß. Wo Ehrerbietung vor Eltern und Älteren, vor Wissen und Leistung und gar vor großem Menschentum noch natürlich war. Ich klage um Deutschland, in dem Dichtung und Literatur nicht Politologie, sondern Leuchtfeuer der Seele waren. Wo man nicht Scheu trug, »deutsche« Dichtung zu sagen, weil das dem oder jenem als »reaktionär« oder »restaurativ« mißfiele. Ich klage nicht um fiktives, erträumtes, nie dagewesenes Land, sondern um ein miterlebtes, das — stärker oder schwächer — im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und trotz allem auch im Dritten Reich und danach noch vorhanden war und erst jetzt, Zug um Zug, Jahr um Jahr, entschwindet.


UDH Nr. 86

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