BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 86  ¦  Juli – September 2008


Erlebnisbericht von Waldemar Stehr OStR.i.R.

Die Julienhütte wie auch die anderen Oberschlesischen Hüttenwerke fielen den Polen unbeschädigt in die Hände. Juni 1947 bekam ich im Stahlwerk (Gießgrube) der Julienhütte Arbeit (60 Stundenwoche). In der Regel waren von den 7 Siemens-Martin-Öfen stets 4 in Betrieb. Ab und zu implodierte ein Ofen, weil vom Schrottplatz Granaten angeliefert wurden, die man nicht entschärfte. Eine eingearbeitete Maurerfirma (etwa 200 Leute) behob jeweils den Schaden in 8 Stunden (Nachtarbeiter).

Eines Tages im Februar 1948 fielen gleich drei Öfen aus. Nur der Ofen 4 war noch in Betrieb. Als ich gegen 22 Uhr die Nachtschicht antrat, war schon ein Filmteam auf der Ofen-Bühne. Der Regisseur ließ den zerstörten Ofenkrater filmen und sprach: „Heute ist der 5. Juni 1945; die Deutschen haben uns Polen so gehaßt, daß sie nur verbrannte Erde hinterließen.“ Plötzlich fluchte er, weil in dem einen Ofen noch Glut zu sehen war. Wir wurden aufgefordert mit Schläuchen Wasser in den Krater zu spritzen. Der Regisseur schimpfte wieder, weil jetzt Wasserdampf im Krater stand. Nun mußten wir Wellbleche in den Krater schmeißen. Nachdem der Dampf weg war, wurde weiter gefilmt. Er sprach vom Aufbau des Hüttenwerks durch polnische Pioniere.

Er berichtete weiter: „Wir haben 25 neue Hängekatzen“. Aber nur die Nr. 25 (die bestens erhaltene) ließ er immer wieder hin und herfahren. Ich meinte zu ihm, daß es doch auffalle, wenn nur die Nr. 25 fährt; daraufhin ließ er einen Sack über die 25 stülpen und drehte weiter. Der Regisseur log weiter; er berichtete, daß wir (die polnischen Pioniere) den Ofen aufgebaut haben, dabei hat dieser schon in der NS-Zeit Stahl geliefert. Abschließend mußten wir Mangan in den Ofen schaufeln und wurden wieder mal als fleißige polnische Arbeiter gelobt. Die Mauerfirma, die sonst den Ofen in acht Stunden aufbaute, brauchte für den Aufbau des Ofens, in dem die Wellbleche lagen, drei Tage.


UDH Nr. 86

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