BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 86  ¦  Juli – September 2008


Wie wird man heute Held?

von Friedrich Kurreck

Vor gut 100 Jahren — am 28. April 1908 — wurde im mährischen Zwittau jener Mann geboren, dem Hollywood-Regisseur Steven Spielberg 1993 mit „Schindlers Liste“ ein filmisches Denkmal setzte. Anläßlich des Jubiläums wird noch bis Ende August im Frankfurter Museum eine Ausstellung unter dem Titel „Vater Courage“ gezeigt — in Anlehnung an Berthold Brechts „Mutter Courage“. Auch ein demokratischer Staat, in dem „Gleichheit“ in der Werte-Pyramide ganz oben steht, braucht sie offenbar: die großen Helden, die Vorbilder, die nicht nur Mittelmäßigen. Anderes kann ein Ausstellungstitel, in dem ein Mann gleichsam zum Inbegriff der Zivilcourage stilisiert wird, wohl kaum meinen. Das grenzt schon an die Heldenverehrung des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, einer Verehrung, die durch die Neuverfilmung „Walküre“ mit Scientology-Vorturner Tom Cruise in der Hauptrolle vermutlich einen weiteren Schub erhalten wird (Kinostart voraussichtlich Februar 2009). Allerdings gibt es dazu schon bitterböse Anmerkungen. Der amerikanisch-jüdische Firmkritiker Roger Friedmann, der für „Fox News“ aus Hollywood berichtet, sieht eine geschäftliche und moralische Pleite drohen: Ein Streifen über „heroische Nazis, die von Hitler ermordet werden“ — das sei eine der schlechtesten Filmideen aller Zeiten. Auf der Leinwand lauter Männer über 30, die keine Girlies ins Kino locken werden, keinerlei jüdisches Publikum zu erwarten hat, und am Allerschlimmsten: kein Happy-End mit Sieg der Helden.

Simples Prinzip — heute überholt?

Die Schindler-Ausstellung will unter anderem die Frage beantworten, weshalb die deutsche Gesellschaft sich so lange geweigert hat, den Fabrikantensohn als „einen ihrer Großen anzuerkennen und zu ehren“. Eine wirklich interessante Frage, versucht sie doch, den ehernen Regeln der bundesrepublikanischen Helden- und Schurken-Katalogisierung auf den Grund zu gehen. Und das ist gar nicht so einfach. Generationen von jungen Staatsbürgern wurde eingebleut: Wer Mitglied in der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen, gar der SS war, kann kein guter Mensch gewesen sein. Ein simples Prinzip, das sich schon vor Jahrzehnten bewährt hat, zum Beispiel bei den — unter tätiger Mithilfe des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit initiierten — Kampagnen gegen Lübke, Kiesinger, Oberländer, Filbinger und Co. Ob sich einer persönlich etwas zu schulden hat kommen lassen, war uninteressant. Die Mitgliedschaft im falschen Verein macht den Schurken aus. Selbst Lichtgestalten wie Walter Jens und Günter Grass, die nach dem Krieg jede patriotische Regung denunziert und immer als erste mit dem Finger auf andere gezeigt haben, standen plötzlich unter Beschuß, als bekannt wurde: Auch sie waren dabei.

Denn war jemand einst in seiner Jugendzeit Hitlerjunge oder auch nur Pimpf Hitlers gewesen, dann hatte er es schwer, in unserer zweiten Republik auf deutschem Boden, der Bundesrepublik Deutschland, nach deren Grundgesetz alle Bürger gleich sind, Fuß zu fassen und zu bestehen. Deshalb machten ja auch viele, was ihre politische Vergangenheit betraf, falsche Angaben in ihren Fragebögen. So war es damals, in den ersten Tagen unserer Umerziehung zu nicht mehr deutsch denkenden Demokraten, ja zum Hassen all dessen, was deutsch ist, so wie es die Polen heute noch praktizieren. Dagegen haben unsere Gutmenschen kein Problem mit jenen Deutschen, die in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) fünfundvierzig Jahre lang ihr Volk drangsalierten. War zum Beispiel ein Ossi in seiner Jugend, wie zum Beispiel Frau Merkel (als FDJ-Sekratärin), einst Mitglied in der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) der DDR, einem auch diktatorisch gesteuerten deutschen (Teil-)Staat, gewesen, dann drücken unsere Gutmenschen beide Augen, einschließlich ihrer Hühneraugen, zu, und regen sich nicht auf, wenn eine dieser strammen Aktivistinnen von „drüben“, also nicht nur eine Mitläuferin dieser zweiten Diktatur auf deutschem Boden, dem blutrotgetränkten und von grausamen Stalinisten gesteuerten Mitteldeutschland, auf den bundesdeutschen Kanzlerthron gehievt wird.

Täuschen und taktieren

Keine kritischen Vorbehalte, sondern eine Sonderbriefmarke und Titulierungen wie „Lebenskünstler und Retter der Juden“ (Titel eines Focus-Beitrags) prägen hingegen die Erinnerungen an Oskar Schindler. Da grenzt es fast an Gotteslästerung, daß in so mancher Hommage auch jene Seiten der Schindler-Vita angesprochen werden, die so gar nicht zum Philanthropen-Image passen. Seit 1935 war Schindler als Agent des NS-Regimes tätig, spionierte unter anderem tschechische Grenzanlagen aus. Schon damals liebte er das Risiko, war eine typische Spieler-Natur. „Zu seinem Leben gehören schnelle Autos, schöne Frauen, Partys und Luxusvillen“, berichtete der Kölner Stadtanzeiger. „Schindler hatte zwar schlechte Schulzeugnisse und keine Ausbildung, aber er konnte täuschen und taktieren und andere dazu bringen, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht wollten. Ein leichtsinniger Mann von zwielichtigem Charakter, dem es nur darauf ankomme, mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen; heißt es in einer tschechischen Polizeiakte.“

1938 kamen ihm die Tschechen auf die Schliche, er wurde verhaftet, verhört und zum Tode verurteilt. Der Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich rettete ihm das Leben. Unverzüglich trat er in die NSDAP ein.

Nicht Mitleid, sondern Sparsamkeit

Nach dem deutschen Sieg über Polen kaufte er „in Krakau jüdischen Eigentümern eine Emailwaren-Fabrik zu einem Spottpreis ab. Der Herr Direktor stellte vor allem Juden ein, nicht aus Mitleid, sondern weil sie die billigsten Arbeitskräfte waren“, so Claudia Keller im Kölner Stadtanzeiger. Interessant ist der Tenor solcher Passagen auch deshalb, weil die Autorin des Beitrags als Expertin gilt. Gemeinsam mit einem Journalisten-Kollegen wertete sie 1999 den Inhalt eines Koffers aus, der auf dem Dachboden des Hauses von Schindlers angeblich letzter Geliebter gefunden worden war. Darin befanden sich Briefe, Photos, Lagepläne und „Schindlers Liste“ (es waren mehrere) im Original. Weshalb der Mann, der heute als „Retter“ von über 1000 jüdischen Zwangsarbeitern verehrt wird, nach dem Krieg so jämmerlich scheiterte, wird in dem Beitrag ebenfalls ohne Beschönigung zum Ausdruck gebracht: „Jetzt waren Fähigkeiten gefragt, die nicht seine waren: hartes Arbeiten, Pünktlichkeit, Ordnung, Sparsamkeit.“ Einsam, depressiv, vom Alkoholismus gezeichnet starb Schindler 1974 in Frankfurt am Main.

„Unglaublicher Pöbel“

Es bleibt die simple Erkenntnis, daß auch dieser Mann, wie fast alle Menschen, ein differenziertes Charakterbild hatte, mit guten und weniger guten Eigenschaften. Um die Regeln zu ergründen, nach denen man ins BRD-Pantheon befördert wird, hilft sie allerdings nicht weiter. Das Beispiel Schindler zeigt lediglich: Auch als eingeschriebenes NSDAP-Mitglied, das sich an jüdischer Zwangsarbeit bereichert hat (wofür der deutsche Staat und die deutsche Wirtschaft 55 Jahre später mehr als fünf Milliarden Euro „Bußgeld“ entrichteten), kann man es posthum zum Helden bringen. Zu einem bewunderungswürdigen Idol, einem Teufelskerl, genau wie jener deutsche Offizier, der 1939 aus Polen an seine Lieben daheim schrieb: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun.“ Es war Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Und die Moral von der Geschicht: Schau genauer hinter die Masken derer, die man dir heute als Helden anbietet und als Vorbilder hinstellt. Du wirst dein wahres Wunder erleben.


UDH Nr. 86

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