BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 87  ¦  Oktober – Dezember 2008

 

Buchbesprechung

Wehe den Besiegten!

Die Deutschen sind seit jeher in der Völkergemeinschaft nicht besonders beliebt. Sie haben in dieser Hinsicht sozusagen einen Sonderstatus, den man — ganz banal — mit der Stellung eines Klassenersten vergleichen könnte, den seine Klassenkameraden wegen seiner Leistungen hassen und schikanieren. Als Deutschland im 19. Jahrhundert begann, sich zu einem Wirtschaftskonkurrenten zu entwickeln, zog es speziell den Haß der ersten Handelsnation — Groß-Britanniens, auf sich. Andere „Kameraden“ folgten ihr. Der Emporkömmling wurde gehaßt und mit dem ersten Weltkrieg gestraft.

Das Versailler „Friedensdiktat“ dachte nicht an Frieden, sondern nur an die Niederhaltung Deutschlands. Daraus folgte der zweite Weltkrieg. Sein Ende brachte etwas Neues: Die Sieger schufen das „Internationale militärische Tribunal (IMT)“, das sich anmaßte, über die Besiegten zu Gericht zu sitzen. Darüber ist schon viel geschrieben worden. Das Buch von Gerhard Brennecke „Die Nürnberger Geschichtsentstellung“ aber bringt auch etwas Neues: Es stellt den Vorwürfen der Anklage die zahlreichen Dokumente der Verteidigung gegenüber, die vom IMT nicht zur Verhandlung — und damit zur Richtigstellung — zugelassen worden waren. Es handelte sich daher um eine völlig willkürliche Prozeßführung. Es ging nicht um ein gerechtes Urteil, sondern darum, „möglichst viele Angeklagte möglichst schnell zum Tode zu verurteilen.“ Es versteht sich von selbst, daß Kriegsverbrechen der Alliierten vor diesem Tribunal niemals zur Sprache kommen durften.

Brennecke handelt unter diesen Gesichtspunkten die einzelnen Etappen des Krieges ab. Weil der Verteidigung kaum Gelegenheit gegeben wurde, die Vorwürfe an die Angeklagten richtigzustellen, erreichte das IMT sein ungerechtes Ziel. In seinem Buch stellt Brennecke jedoch den Anklagen der Feinde die von den Verteidigern erarbeiteten geschichtlichen Abläufe gegenüber. Da sehen die Ereignisse plötzlich ganz anders aus.

Aber nicht nur das: Wann und wo auch immer achteten die Sieger darauf, daß ihre eigenen Kriegsverbrechen nicht zur Sprache kamen: „Das mutwillige Zerstören von Städten durch Bombenflugzeuge wurde in Nürnberg nicht erörtert, weil es nicht nützlich gewesen wäre“, erklärte der Ankläger Jackson bei Besprechungen in London. — Die höchst vagen Begriffe „Kriegsverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ wurden von den Siegermächten speziell zur Aburteilung der Besiegten geschaffen. Es ist Brenneckes Verdienst, in diesem makabren Unrechtskomplex für Klarheit gesorgt zu haben.

Erdmuthe Idris-Schimmel

Fünfte, neugestaltete Auflage.

Brennecke, Gerhard: Die Nürnberger Geschichtsentstellung. 592 Seiten, 100 Abbildungen. ¤ 19,80 — Grabert-Verlag, Tübingen 2008


UDH Nr. 87

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