BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 87  ¦  Oktober – Dezember 2008


leise treten …

Ein falsch verstandener Weg zur (Völker-)Verständigung

In diesen Tagen und Wochen zum Jahresende gleiten unsere Gedanken einem inneren Zwang folgend in friedliche Bahnen. Leider „steht die Welt nicht still“. Wir können in uns kehren — die Welt, Welt sein lassen, womöglich noch Augen und Ohren verschließen — die Realität macht vor unserer Hoffnung nicht halt. Wenn wir aus unserer inneren Einkehr erwachen, ist kein einziges Problem verschwunden.

Für ein friedliches Miteinander zwischen den Menschen und Völkern ist Voraussetzung die klare Erkenntnis der jeweiligen Standpunkte, Auffassungen usw. Charaktereigenschaften des Menschen und auch die den Völkern zugeschriebenen zu erkennen und auf dem Weg zur Verständigung jeweils im Hinterkopf wach zu halten, gehört zum Selbsterhaltungstrieb. Über den Selbsterhaltungstrieb hinaus ist Selbstachtung ein Pfund, welches nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. Wenn solches auf beiden Seiten der „Streit-Partner“ eingehalten, wird ist eine friedliche Problem-Lösung für einen längeren Zeitraum greifbar nahe.

Leider ist diese Erkenntnis bei so manchen Akteuren im Lager der Heimatvertriebenen nicht vorhanden. Insbesondere bei Einzelnen aus der Generation, der nicht mehr viel Zeit bleibt, in ihrem Leben Regelungen zu erreichen, macht sich „Torschlußpanik“ breit. Ein Vorschlag von Professor Alexander v. Waldow, dem Präsidenten des Eigentümer-Bund – Ost e.V. EBO und Mitinitiator der „Preußischen Treuhand", muß leider unter diese Sichtweise eingeordnet werden.

Aus seinem Vortrag in Hannover am 28.06.2008 bei „Heimatverdrängtes Landvolk“: … 3. Zentropa, ein autonomes EU-Land.

Ich könnte es mir einfach machen und diese Rede von Prof. Dipl.-Ing. Alexander v. Waldow unter dem Begriff „Utopia“ ablegen.

An dieser gesamten Thematik hängt jedoch das Blut von zweieinhalb Millionen bestialisch ermordeter deutscher Frauen, Kinder und Greise. Es ist die Heimat von zwölf Millionen deutscher Vertriebener, und zudem ist dies Land auch mit den übrigen sechzig Millionen Deutschen durch vielfältige familiäre Bindungen und Schicksale verbunden.

Ich bin im Rheinland (Preußen) geboren. Meine Mutter wurde in dem Teil Schlesiens geboren, welches nach dem Ersten Weltkrieg von Polen annektiert wurde und sie verlassen mußte. Mein Vater ist in Ostpreußen geboren. Meine Eltern hatten keinen Grundbesitz in ihrer Heimat. — Und trotzdem — es ist das Land meiner Vorfahren, also auch mein Land. Ich verbitte mir, daß ein adeliger Vertreter mit Grundbesitz sich das Recht herausnimmt, Vorschläge zu unterbreiten, die meine Wurzeln, wenn seine Vorschläge Realität würden, abschlagen werden. Der Vorschlag „Zentropa“ ist gegenüberdem Zweiten Deutschen Reich Hoch- und Landesverrat!

Wie mir, so geht es im Rheinland tausenden Preußen, deren Eltern aus den Ostprovinzen in die Westprovinzen vor und nach dem Ersten Weltkrieg zogen und Wohnung sowie Arbeit fanden. Die Verbundenheit mit der Heimat wurde in zahlreichen Ost- und Westpreußen-Vereinen, besonders im Ruhrgebiet, aufrechterhalten. Über diese kulturelle Verbundenheit hinaus wurden Angehörige und Verwandte in der Heimat mit Geld- und Sachspenden unterstützt. In dieser Zeit gab es Deutsche und auch Preußen, die, nachdem sie ihre Geburtsheimat verlassen hatten, nur ihre Zukunft sahen und die Bande zur Heimat wenig oder gar nicht pflegten. Diese Einstellungen finden sich bei den Deutschen, welche nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, genau so.

Es liegen jedoch Welten zwischen dem Handeln eines einzelnen, in keine Organisationen eingebundenen Deutschen und den Menschen, die sich für die Interessen der Deutschen, insbesondere der Heimatvertriebenen, öffentlich einsetzen. Ihre Berechtigung, für Heimatvertriebene zu sprechen, leiten sie von Wahlen in den entsprechenden Gremien ab. Keiner jedoch hat das Recht, für alle Heimatvertriebenen Aussagen von sich zu geben. Nach dem internationalen Völker- und Staatsrecht können Verhandlungen über Gebietsabtretungen nur zwischen den streitenden Staaten erfolgen, keinesfalls über einen der beteiligten Staaten hinweg. Zudem kommt noch die Hürde, daß die Ureinwohner des abzutretenden Gebietes in einer Urwahl dieser Gebietsabtretung jeweils zustimmen müssen.

Beweise dafür finden wir in dem Streit zwischen Spanien und England um Gibraltar. Auch Japan hält seinen Gebietsanspruch auf die Inselgruppe der Kurilen aufrecht. China fordert nach wie vor die Rückkehr von Formosa in sein Staats- und Hoheitsgebiet. Und so werden auf der Welt noch mehrere strittige Gebietsansprüche zwischen Staaten teilweise über hunderte von Jahren aufrechterhalten.

In den Gesprächen von Potsdam setzten die Alliierten des Zweiten Weltkrieges sich über in Jahrhunderten in Europa erstrittene und verhandelte Normen eines Umgangs der Staaten miteinander hinweg. Es begann der Rückfall in das überwunden geglaubte Faustrecht des Mittelalters. So viel Vorsicht war jedoch noch vorhanden, daß die Festlegung der Staatsgrenzen des Deutschen Reiches einem Friedensvertrag vorbehalten wurden. Aus den Gesprächen vom 17. Juli bis 2. August 1945:

Aus diesen Gesprächsaussagen ist ersichtlich, daß in einzelnen Punkten die Haager Landkriegsordnung von 1907 zur Grundlage gelegt worden ist. Der Ausspruch Stalins „von der Friedenskonferenz bestimmt und nicht das Wort „vereinbart“ zeigt das in Potsdam begonnene Atomwaffen-Faustrecht der Neuzeit. Das Zweite Deutsche Reich wurde trotz vordergründiger Aussagen „Grenzen von 1937“ handlungsunfähig gemacht. Bestehende Eliten wurden nach Gesetzen verurteilt, die zum Zeitpunkt der „Tat“ nicht bestanden. Der Rechtsgrundsatz, daß ein jeder nur unter den zum Zeitpunkt seiner Tat bestehenden Gesetzen verurteilt werden kann, wurde per „Faustrecht“ außer Kraft gesetzt. Kriegsgefangenen wurde ihr Status nicht zugebilligt, und sie wurden willkürlich behandelt — über Schikanen bis zum Tode. Beispiele: die Lager in Rheinberg und Remagen und in Sibirien. Der dem Bombenkrieg entkommene Teil der Bevölkerung wurde mit der „Hungerkeule“ wie nach dem ersten Weltkrieg willfährig gemacht. Aus den Ostprovinzen des Zweiten Deutschen Reiches und den deutschen Siedlungsgebieten in Rumänien usw. wurden 18 Millionen Deutsche in das Restreich wie Vieh hineingetrieben.

Unter diesen Bedingungen fanden sich, wie in unserer Geschichte schon geschehen, deutsche Staatsbürger bereit, den Vorstellungen der Atomwaffen-Faustrecht-Erneuerer zu Dienste zu sein. Sie kamen aus den Klöstern hervor, aus dem Ausland, in dem sie gegen das eigene Volk Kriegsdienste leisteten, aus dem Widerstand (in der Zeit des Widerstandes bekleideten sie hohe, gut dekorierte, mit allen Vorzügen ausgestattete Posten. Ihre Handlungen kosteten zusätzlich tausenden Kameraden an der Front das Leben), sie setzten sich unter Vorwänden von der kämpfenden Truppe ab und so weiter und so weiter. Mit diesen „neuen Eliten“ wurden Staaten auf dem Boden des Zweiten Deutschen Reiches trotz aller „Gespräche“ in Potsdam installiert. Dabei wurden die hehren Grundsätze wie Menschenrechte und Demokratie, für die die Alliierten im Zweiten Weltkrieges angeblich in den Kampf gezogen waren — ganz einfach vergessen. Diese von den Alliierten installierten Staaten hatten den Geburtsfehler, keine demokratische Legitimation zu besitzen. Unter ständiger Kontrolle und dem Propaganda-Krieg sowie mit allen zur Verfügung stehenden Medien gelang es den Alliierten, dem Zweiten Deutschen Reich seine gesamte Bevölkerung zu entführen.

Daß den Nachkriegsgenerationen diese geschichtlichen Abläufe nicht bekannt sind oder diese von ihnen nicht wahrgenommen werden wollen, ist eine Sache. Daß jedoch aus der Kriegsgeneration heraus sich berufen fühlende Professoren die vorher geschilderten Zusammenhänge und angerissenen Hintergründe nicht in ihre Handlungen einfließen lassen, fordert Widerstand heraus.

Unser Bund für Gesamtdeutschland wurde am 15.08.1990 in Bonn gegründet. Wir bemühten uns um die Teilnahme an der Bundestagswahl 1990. Trotz zahlreicher Landesverbände und des Umstandes, daß wir in den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die erforderlichen je 2000 Unterstützungsunterschriften gesammelt hatten, wurden wir zur Wahl (unter merkwürdigen Umständen) nicht zugelassen. Unser Landesvorsitzender von Niedersachsen, Herr Groke, begann unmittelbar nach der Zurückweisung des BGD die Privat-Eigentums-Sicherung PES aufzubauen. Wir stellten den heimatvertriebenen Privat-Eigentümern Formulare zur Verfügung, mit denen sie ihre Ansprüche anmelden konnten. Die Kosten für diese Aktionen konnten von jedem aufgebracht werden, denn sie bestanden im wesentlichen in den Porto-Kosten für Einschreiben mit Rückschein und den Kosten für die zur Verfügung gestellten Formulare (Kosten für die Kopien). Angeschrieben wurden: Die Gemeinden, in denen der Grundbesitz lag, der Staat, dem dies Gebiet zur Verwaltung übertragen worden war, das Finanzministerium der Bundesrepublik Deutschland und die deutsche Bundesregierung. Begleitend wurden vom Bund für Gesamtdeutschland die Staatsoberhäupter der USA, Großbritannien und der UdSSR angeschrieben. Weiterhin wurden alle Staatsoberhäupter und alle Regierungschefs der EU-Staaten angeschrieben. Anfragen wurden an die zuständigen Kommissare der EU und den Europäischen Gerichtshof gerichtet. Vom Europäischen Gerichtshof erhielten wir den Bescheid, daß die Haager Landkriegsordnung von 1907 bei einer Urteilsfindung nicht mit herangezogen würde. — Auf Grund dieser Aussage war eine erfolgversprechende Klage nicht in Aussicht. Denn die entscheidende Grundlage für die Ansprüche heimatvertriebener Grundeigentümer in den Ostprovinzen des Zweiten Deutschen Reiches sind die Artikel 3, 35, 43, 45, 48–50, 53 und 56 der Haager Landkriegsordnung von 1907.

Jedweder Bezug auf nachträglich vereinbarte internationale Abkommen kann nicht helfen, weil zur Regelung einer Situtation, wie bereits erwähnt, nur die Abkommen rechtsgültig herangezogen werden können, die zum Zeitpunkt des Streitfalles zwischen den Staaten vereinbart waren.

Unser BGD erhielt Unterstützung von einem kleinen Teil der Heimatvertriebenen — und diese Unterstützung dankenswerterweise bis auf den heutigen Tag. Entscheidungen fallen in der BRD im deutschen Bundestag. Nachdem unser erster Anlauf, an einer Bundestagswahl 1990 teilzunehmen, gescheitert war, versuchten wir 1994 an der Europa-Wahl teilzunehmen. Wir waren auf einem guten Wege und hatten beinahe drei Viertel der 4000 Unterstützungsunterschriften beisammen. Da wurde uns eine Niederlage zugefügt. Diesmal nicht von (gesteuerten) Mitgliedern des Bundeswahlausschusses, sondern von den Heimatvertriebenen um Professor Alexander v. Waldow. Er gehörte zu dem Kreis teils adeliger Gutsherren, die wenige Wochen vor der Europa-Wahl 1994 eine neue Partei (Aufbruch 94) gründeten. Freunde, die uns bis dato unterstützten, sahen in dem elitären Kreis der neuen Partei eine größere Chance. Ergebnis dieser Zersplitterung war, daß unser BGD die restlichen der 4000 Unterstützungsunterschriften nicht mehr zusammenbekam und die neue Partei weit unter der Hälfte der notwendigen Unterstützungsunterschriften blieb. Ergebnis war, beide Parteien konnten an der Europa-Wahl 1994 nicht teilnehmen. Unser BGD zog daraufhin in der Sitzung des Wahlausschusses in Bonn seine Anmeldung zurück. Die unerfahrenen Vertreter der neuen Partei gaben ein peinliches Bild ab, indem sie bettelten, doch, obwohl sie die Unterstützungsunterschriften nicht beigebracht hatten, an der Wahl teilnehmen zu dürfen.

1994 mit der Gründung einer neuen Partei wie mit der Gründung der Preußischen Treuhand und 2008 mit dem Vorschlag „Zentropa“ entstand und entsteht Schaden. 1994 wurden viele Freunde unseres BGD enttäuscht. Sammeln von Unterstützungsunterschriften bei Bekannten und Freunden fällt vielen schon nicht leicht. Wenn jedoch eine große Zahl Unterstützungsunterschriften gesammelt werden muß, bleibt es nicht aus, auch fremde Menschen und diese sogar auf den Straßen ansprechen zu müssen. Wer sich dieser Mühe in vier Jahren zweimal unterzogen hat, verliert Vertrauen. Vertrauen in die Möglichkeit, daß der BGD jemals an einer Wahl antreten kann und Vertrauen in seine eigene Kraft. Zu alledem kommt noch hinzu, daß unsere Freunde alle in einem hohen Alter sind.

Mit Gründung der Preußischen Treuhand wurde ein großes Rad gedreht. Obwohl wir vom BGD jahrzehntelang heimatvertriebene Privat-Eigentümer unterstützt haben und dabei die Grundlage für den Rechtsanspruch auf ihr Privat-Eigentum in den besetzten Gebieten vorbereiteten, mußten einzelne Personen und auch Organisationen auf diesen Zug aufspringen. Mit dieser vom BGD ehrenamtlich durchgeführten Betreuung wurde in der Partei viel Kraft gebunden. Wir können auf unsere Leistung in den vergangenen 18 Jahren in Ruhe zurückblicken. Es wurde kein heimatvertriebener Privat-Eigentümer zu Kosten bewegt, die seine Lebensumstände beeinträchtigen konnten.

Zu der Utopia Zentropa hier unsere Stellungnahme im Internet unter → Urteil von Straßburg zerstört Hoffnungen.

Horst Zaborowski

UDH Nr. 87

Sprung zur Indexseite Sprung zur Seitenübersicht