BGD – Bund für Gesamtdeutschland

Verrat in der Normandie

Obwohl die Geschichtsforschung längst noch nicht alles aufgeklärt hat, was sich während des zweiten Weltkrieges ereignete, schreitet sie doch voran. Auch lang gehütete Tabus werden aufgegriffen. In dem sehr anspruchsvollen Buch „Verrat in der Normandie“ hat Friedrich Georg ein solches Thema, von dem man bislang nur sehr wenig erfahren hat, zu erklären versucht. Der Untertitel „Eisenhowers deutsche Helfer“ sagt, worum es geht.

Im Frühsommer 1944 starteten die Engländer und Amerikaner in Nordfrankreich ihre Landung auf dem Kontinent. Man hatte damit gerechnet, hatte sich darauf eingestellt, und es bestanden durchaus gute Aussichten, diese Invasion erfolgreich abzuwehren. Aber die gut informierten Verteidiger waren „plötzlich wie blind und taub“. Die Abwehr klappte nicht, Nachschub an Material kam zu spät oder „falsch“ oder gar nicht an. Die Verständigung unter den Verteidigern war mangelhaft: Nachrichten kamen zu spät oder waren falsch oder fielen völlig aus. Während sich ein Teil der deutschen Truppen in einem verzweifelten Abwehrkampf aufrieb, wurde ein anderer abgezogen, kam zu spät oder gar nicht zum Kriegsschauplatz. Pannen über Pannen…

Gibt es „überzeugende“ Hinweise auf eine gut organisierte Verschwörung von hochstehenden deutschen Offizieren mit dem Ziel eines alliierten Invasionserfolges? fragt Georg immer wieder. In vielen Fällen lassen sie sich bestätigen, sogar die Namen ihrer Urheber, aber nicht immer gelingt dieser Nachweis. Dennoch steht fest: Hohe Militärs standen seit langem in enger Verbindung mit dem Feind.

Trotz Verrat und Sabotage auf deutscher Seite zog sich die Abwehr der Invasion lange hin, und es gab große Verluste auf beiden Seiten. Hätte Eisenhower nicht so viele deutsche Helfer gehabt, wäre der Krieg wahrscheinlich auf andere Weise zu Ende gegangen …

Georg bemüht sich, die Ereignisse von damals voll aufzuklären; nicht immer gelingt das, und mancher der Verräter bleibt namentlich unbekannt. Einer von ihnen, dessen Namen man kennt und der sich als Helfer der Alliierten besonders hervorgetan hat, erhielt später einen hohen Posten bei der NATO. Da soll noch einmal jemand behaupten, daß Verrat sich nicht lohne! Es bleibt die Frage, weshalb sich die Alliierten plötzlich in das hochriskante Manöver einer Invasion auf den Kontinent stürzten. Die wahrscheinliche Erklärung laut Georg: Die Deutschen waren dabei, hochwirksame neue Waffen zu entwickeln — V–Waffen, Düsenflugzeuge, Magnetminen —, arbeiteten auch schon an einer Atombombe. Diese Entwicklungen, die wahrscheinlich kriegsentscheidend gewesen wären, hätte man sie rechtzeitig zu Ende bringen können, wollten die Alliierten stören, unterbinden. Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, haben sie sie später für sich selber ausgenutzt. Zur Kriegsbeute gehörten seinerzeit auch die deutschen Erfinder dieser Waffen-Hochtechnologie (siehe Seite 36)

Erdmuthe Idris-Schimmel

Georg, Friedrich: Verrat in der Normandie. Eisenhowers deutsche Helfer. 384 Seiten, Lexikonformat, Leinen, 201 Abbildungen, Euro 19,80. ISBN 978-3-87847-237-7. Grabert-Verlag, Postfach 1629, 72006 Tübingen, 2007.


Meine Erlebnisse in der Normandie und weitere Einzelheiten kann ich nur aus der Sicht eines siebzehnjährigen Fallschirmjägers schildern.

Wir wurden nach unserer umfangreichen und harten Ausbildung im Winter 1943/1944 in Südfrankreich in den Wäldern um Clermont-Ferrand im Frühsommer 1944 nach Troyes verlegt. Von Troyes wurden wir nach St.Nazaire an der Atlantikküste verlegt. Auf den Hügeln um den Hafen erhielten wir Waffen und Munition. Wie das bei den einfachen Soldaten so üblich ist, gesagt wurde uns nichts. Die „Scheißhausparolen“ wisperten, wir erwarten eine Invasion. Recht bald mußten wir die Munition wieder abliefern, und in langen Nachtmärschen (wegen der alliierten Flugzeuge) erreichten wir die Gegend um St-Lô. Von hier aus wurden wir unseren Truppenteilen an der Front zugeteilt. Unsere Truppen, Fallschirmjägerdivision, Hitler-Jugend-Division und SS-Division, bildeten einen Angriffskeil, um zur Küste durchzustoßen. Erreicht werden sollte, den Alliierten-Kessel zu spalten. An der Spitze des Angriffskeils kämpfte die Hitler-Jugend-Division. Rechts von ihr kämpfte die SS-Division. Mit unserer Fallschirmjäger-Division kämpften wir an der linken Flanke der Hitler-Jugend-Division.

Warum das folgende geschah, hat uns niemand gesagt. Jedenfalls wurde auf einmal die Entfernung zwischen unseren einzelnen Kameraden immer größer. Dazu kam dann noch der Beschuß mit Brandgranaten, und wir sahen nur noch Rauch und schwarze Feinde. Um Anschluß zu meinen Kameraden zu halten, orientierte ich mich nach links. Irgendwie fand ich Kameraden; mit diesen gingen wir in den Morgenstunden zum Angriff. Der Trupp, dem ich angehörte, wurde von zwei amerikanischen Panzern umfahren. Bis ich das „schnallte“ stand ich allein hinter den beiden Panzern ohne panzerbrechende Waffe. Meine Kameraden gaben das Zeichen zum „sammeln“. Ich nahm mein Herz in die Hand und rannte im Zickzackkurs dem Maschinengewehrfeuer ausweichend auf einen durchfahrenen Erdwall zu. Im Hinfallen hinter die Deckung des Erdwalls erwischte mich ein Explosivgeschoß im Bauch. Es war der 5.8.1944. Meine Kameraden holten mich in Deckung.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 85

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