BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Die „Liechtenstein - Connection“

von Erwin Arlt

oder die Entschleunigung von Ethik und Moral

Bisher hatten wir von wohlfeilem Verhalten eines Managers gehört, der sich sogar mit den Gewerkschaften zusammentut, soziales Verhalten zeigt und mit den Betriebsräten einen Mindestlohn aushandelt von € 9,80, geradezu ein Musterexemplar eines „Bosses“, natürlich mit Bundesverdienstkreuz.

Von wem ich spreche, fragen Sie, verehrte Leser, na von Postchef Klaus Zumwinkel, dem Diplomkaufmann mit dem Studium an der Elite-Uni Wharton / USA, der auch bei Mc. Kinsey aus- und eingeht. Ein Arbeitgeber, wie er im Buche steht, auch in dem der Gewerkschaften.

Ein paar Daten, um die Größenordnung darzustellen:

60,5 Milliarden € Umsatz, rund 500.000 Mitarbeiter weltweit, 420 Flugzeuge und 76.200 Kraftfahrzeuge.

Sein Wahlspruch: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Es muß ja außerordentlich gut gewesen sein, denn Zumwinkel ist inzwischen Multimillionär. Letztes Gehalt des feinen Chefs im Jahr 2007: Gerade mal schlappe 3 Mill. €, zusätzlich zu dem schmalen Salär von 340.000 € aus Aufsichtsratmandaten. In Urlaub geht der mildtätige Boss nach Italien. Dort besitzt er eine Burg aus dem Mittelalter, die mit Abermillionen auf den Stand seiner Zeit gebracht wurde, sie liegt in Tenno über Riva, mit dem Blick auf den Gardasee.

Daß er zum günstigen Zeitpunkt (Insiderwissen) für 4,7 Millionen € Postaktien verscherbelte und damit 1 Million € Gewinn machte, ist nur eine Randnotiz. Als es kürzlich sehr schlecht für ihn aussah und die Post zwischen sechs und sieben Milliarden € in den USA vergeigte, ist nicht er zurückgetreten, sondern feuerte seinen getreuen Finanzchef Edgar Ernst.

Und zum Schluß dieser Zahlenspiele: Bei Zumwinkels Rücktritt bei der Post braucht er nicht das Sozialamt aufzusuchen und auch nicht Hartz IV zu beantragen, sondern er fällt ganz weich zu seinen Millionen in den Ruhestand mit einem Monatssalär von nur 90.000 €!
— Noch Fragen? —

Warum aber nun „Liechtenstein-Connection“?

Weil es eine große Gruppe von Spekulanten in Deutschland gibt, so etwa 150 an der Zahl oder auch mehr, die natürlich jetzt alle mit dem Staatsanwalt Bekanntschaft machen werden. Diese Amigos haben also bei Liechtensteiner Banken eine „Stiftung für mildtätige Zwecke“ gegründet, Geld gewaschen und auf andere Konten wieder umgebucht, sicher sog. „Nummernkonten“; so ging alles an der Steuer vorbei. Gelobt sei doch die Privatisierung und der Verkauf von deutschem Tafelsilber; besser könnte es doch gar nicht laufen!

An dieser vorläufigen Spitze des Eisberges wird die Verkommenheit dieser „Gesellschaft“ deutlich, die den Staat (deutsch war er ja ohnehin schon lange nicht mehr!) usurpiert und als Selbstbedienungsladen ansieht und dies mit der Miene des Biedermannes mit sozialer Ader! Vorläufig deshalb, weil wir mindestens in den letzten 30 Jahren immer von neuem, von Höhepunkt zu Höhepunkt geeilt sind und wie man sieht, es ging immer noch dreister.

Deshalb eben die Entschleunigung von Ethik und Moral von Anstand, guten Sitten und Gebräuchen.

Bis 1968 ging alles noch einigermaßen gut, und preußische Ehrbegriffe waren noch in unserem Volk vorhanden. Aber nicht nur das „Volk“ ging den Bach runter, nein — und damit „alles was Recht ist“ oder mindestens war!

Die „weiße-Kragen-Mentalität“ der heutigen Bosse hat durch laufend größere Skandale so Schaden gelitten, daß der einfache Mensch einen Manager als solchen schon als Kriminellen einstuft, auch dann, wenn er es nicht ist, denn er kann sich nicht mehr vorstellen, daß man eine solche Position ohne kriminelle Energie überhaupt erreicht. Und das Geschwätz der Politiker jeder Couleur, „das seien doch nur Einzelfälle“ kann man schon nicht mehr hören, denn es ist „offenkundig“, daß es keine Einzelfälle sind, sondern allmählich „gang und gäbe“ wird, wie der Sachse zu sagen pflegt.

Allein die in den letzten zehn Jahren aufgetretenen Fälle oder soll ich sagen, gerade die in den letzten zehn Jahren aufgetretenen Fälle sind schon Legion.

Korruption und Schmiergeldskandale allerorten, die früher hochangesehene Firma Siemens, bis mindestens 1975 eine „Institution“, die Maßstäbe setzte, zu der die Leute aufsahen, die bei den Handwerks- und Industrie- und Handelskammern entscheidend mitbestimmten. Menschen, die bei Siemens arbeiteten, waren eine herausgehobene Klasse. Heute ist es fast schon ein Schimpfwort, mindestens aber verdächtigt macht man sich, wenn man dieser Kaste angehört.

Also — Industriebosse, Banker, Aufsichtsratvorsitzende, Spitzenmanager — zu etwa 80% korrupt !? Was macht der sog. „kleine Mann“? Er nimmt sich diese Meßlatte zum Vorbild in seinem Bereich, und schon titelte auch die Bildzeitung, „Wer arbeitet, ist blöd“, wenn es sich auch hier nicht um Korruption handelt, sondern um die Frage Arbeitsethik. Aber mit dieser BRD geht es sowas von bergab, wie es sicher viele nicht wahrhaben wollen. Quer durch das Strafgesetzbuch wird täglich berichtet: Diebstahl, Raub, Einbruch, schwere Körperverletzung, Mord, Korruption, Vorteilsnahme und vieles mehr. Nichts ist mehr heilig — ach was, ist ja ein altmodischer Begriff und „mega-out“.

Das Volk will man ohnehin nicht mehr haben, nur noch ein „mixed people“ wie in den USA. Denn „Multi-Kulti“ ist angesagt, solang bis kein Einheimischer mehr da ist, denn Herkunftsdeutscher mit preußischer Arbeitsauffassung und Bildung, streng und gerecht, ist ja auch dermaßen „neonazistisch“ — einfach diskriminierend! Ich könnte, verehrter Leser, so fortfahren; es wird einem auch nur zu leicht gemacht.

Aber wäre es da nicht an der Zeit, sich dem preußischen Staatsethos wieder mehr anzunähern? Mal nachzufragen, wie hat König Friedrich Wilhelm I. 1713-1740 den modernen Verwaltungsstaat aufgebaut? Auch damals waren Untugenden und Faulheit zu überwinden. Die Staatsverbesserung war sein ständiges Postulat. Durch dauernde Erziehung zum Edleren hin, das war sicher sehr mühsam, schaffte er es im Laufe des 18. Jahrhunderts mit neuen Grundsätzen, in sieben Jahrzehnten Geradlinigkeit und Verläßlichkeit in den Alltag zu bringen. Die äußerste Sparsamkeit ließ auch die Schuldenlast bis 1806 tragbar erscheinen. Auch eine gewisse Rechtsstaatlichkeit war schon zu erkennen. Willkür der Behörden rügte der König unaufhörlich. Auch das 19. Jahrhundert begann mithin für Preußen mit reformerischer Gesinnung. Bis 1862 blieb man diesem Arbeitsethos treu. Man sprach ja dann von der „Schinkel-Zeit“, der „Siemens-Zeit“, die dann das ganze Deutsche Reich voranbrachten. Selbst unter Bismarck, nach 1871 also, war man sich der wegweisenden Kräfte durchaus bewußt.

Das, verehrte Leserinnen und Leser, war ein kleiner Ausflug in die preußische Geschichte. Nun steigen wir wieder in die Niederungen des Jahres 2008 hinab, und da möchten wir jedem Minister und jedem Abgeordneten ein Handbuch über Preußen in die Hand drücken, damit er lernt, verantwortlich und gewissenhaft gegenüber dem Volk und seinem Nationaleinkommen zu handeln. Alle System- und Lizenzparteien haben gemeinsam diesen moralischen Niedergang auf allen Gebieten der BRD zu verantworten. 40 Jahre 68er Revolution und Marsch durch die Institutionen sind übergenug! Wir wollen den Aufbruch und nicht Eurotopia und Globalkapitalismus! Wählen wir alle diese Versager ab, machen wir ohne Furcht diese Leute öffentlich! Ja, stellen wir sie an den Pranger! Jeder einzelne von uns und noch mehr, wir alle miteinander, wir Deutschgebliebenen, können so viel bewirken, auch wenn es mühsam ist, wir müssen nur wollen, und wir müssen einig sein bei unseren Bestrebungen:

Einig, einig, einig!

4.5.2008

UDH Nr. 85

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