BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unternehmen Patentenraub 1945

Die Geschichte des größten Technologieraubs aller Zeiten

von Friedrich Georg

Am 9. Dezember 1946 wird dem amerikanischen Publikum in der Zeitschrift Life ein Artikel präsentiert, in dem es heißt, daß noch vor dem Ende der Kampfhandlungen in Europa einige der besten Wissenschaftler Deutschlands ihr Land verlassen haben und froh seien, in den USA für die Armee tätig zu werden. In zahlreichen Fotos werden deutsche Größen mit ihren Errungenschaften abgebildet. So u. a. Raketenforscher Wernher von Braun vor einem Teil seiner Rakete V-2, Flugzeugkonstrukteur Dr. Alexander von Lippisch neben einem Windkanalentwurf für einen Überschalljäger, dem Delta-Kampfflugzeug der USA, die Convair F-102 „Delta Dagger“ oder Theodor Knacke, ehemaliges Mitglied des Graf Zeppelin-Instituts, mit einem von ihm entwickelten Bänderfallschirm für Hochgeschwindigkeiten, um nur drei Beispiele zu nennen. Am Ende des Artikels steht in dicken Lettern: „They like the U.S. and want to stay“ (Sie mögen die Vereinigten Staaten und wollen bleiben).

Hinter diesem harmlos klingenden Artikel verbirgt sich das Unternehmen „Paperclip“, dem „Transfer lebenden Wissens, dem größten Diebstahl geistigen Eigentums aller Zeiten“. Der militärische Sieg der Alliierten über Deutschland 1945 hatte zur Folge, daß vor allem die USA auf Weisung von US-Präsident Truman Hunderttausende deutsche Patente, Erfindungen und Gebrauchsmuster beschlagnahmten. Bis heute wird verschwiegen, daß es der USA nur durch den Raub deutschen Wissens und durch jahrelange Zwangsarbeit deutscher Wissenschaftler und Techniker in den USA möglich war, die Wirtschaft und Rüstung des Landes auf neue Grundlagen zu stellen und an die Spitze der Entwicklung zu gelangen. Neuartige Technologien ziviler und militärischer Art lösten so die veraltenden Industrien ab und verhinderten den Absturz in eine neue Depression.

Der Autor schildert, daß die Ausbeutung der deutschen Wirtschaft von höchsten amerikanischen Gremien aus Industrie und Wissenschaft schon einige Jahre vor Kriegsende generalstabsmäßig geplant worden waren. Denn man hatte erkannt, daß die Deutschen den Westmächten in der Grundlagenforschung und in der Entwicklung neuer Ideen auf fast allen Gebieten der modernen Wissenschaften und Technikbereiche um Jahre voraus waren. Neuerungen wie Farbfernsehen und Transistortechnik, Raumfahrt und Raketen, Überschallflug oder Computertechnologie gehen alle auf deutsche Erfindungen und Entdeckungen zurück. So kamen im Frühjahr 1945 Tausende von US-Spezialisten ins Reich und „durchkämmt die deutschen Betriebe nach neuen Maschinen, Verfahren und technische Erfindungen“. Das aus Deutschland mitgenommene technologische Wissen erwies sich als so neuartig, daß seine praktische Umsetzung vor allem kommerziellen Anwendern Probleme bereitete. So wurde ein deutsch-englisches Fachwörterbuch mit rund 40.000 Ausdrücken wissenschaftlicher und technischer Art geschaffen, für die es keine englische Entsprechungen gab. Hier betraten die Sieger vollkommenes Neuland; sie gelangten zu technologischen Einsichten, die sie zu dieser Zeit nicht besaßen.

Um dem Leser auch nur einen kleinen Einblick darüber zu verschaffen, um welche Bandbreite an den hunderttausenden geklauten Erfindungen es sich handelte, seien nur einige angeführt:

Herstellung von synthtetischem Treibstoff, Gummi oder Schmieröl-Windkanäle, in denen Geschwindigkeiten über 8000 km/h erreicht wurden — Infrarotzielgeräte — elektrische Kondensatoren — Farbfotografie — eine unüberschaubare Anzahl von Präzisionsgeräten und tausend andere Enddeckungen auf chemischem, physikalischem, technologischem und elektronischem Gebiet, auf denen die Deutschen allen anderen Staaten um fünf bis zehn Jahre in der Entwicklung voraus waren.

Bei Kriegsende besaßen die Deutschen 138 Typen von Lenkraketen in verschiedenen Stadien der Produktion und Entwicklung. Zur Lenkung und Zündung hatten sie z. B. Radar, Radio, Draht, Funkwellen, Infrarot, Lichtstrahlen oder magnetische Verfahren; zum Antrieb wurden alle Methoden wie Düsenantrieb für Unterschall — oder Überschallgeschwindigkeiten angewandt. Der amerikanische Journalist Walker beschreibt 1946 in einem Artikel American Magazin das Prinzip des Light Beam (Raketenlenkungsverfahren), mit Lichtstrahl zu übersetzen. Mit diesen Lichtstrahlen kann man eine Laserrakete zu ihrem Ziel leiten. Der Autor verweist darauf, daß dieses Prinzip im Golfkrieg von den Amerikanern benutzt wurde. Dies sei ein weiterer Hinweis auf die Existenz von Lasertechnologie im damaligen Deutschland.

Um dem Leser vielleicht einen Hinweis zu geben, wie der American Dream of Life so leicht zu verwirklichen war, verweist der Rezensent auf eine markante Stelle dieses Buches, in er es heißt: „… man wollte dem amerikanischen Publikum und besonders den Geschäftsleuten mitteilen, daß man viel Geld mit den deutschen Erfindungen verdienen könnte. Jeder einfache Industrielle aus einer Kleinstadt in der tiefsten amerikanischen Provinz konnte jetzt diese Technologie für einige Dollar kaufen und reich werden“ — Auf Kosten des geistigen Besitzes deutscher Wissenschaft.

Dr. phil. Holger Breit


Friedrich Georg: „Unternehmen Patentenraub 1945. Die Geheimgeschichte des größten Technologieraubs aller Zeiten“, 362 Seiten, zahlreiche Dokumente, Abbildungen und Fotografien, Personenverzeichnis, Glossar. Grabert-Verlag 2008, Tübingen, ISBN 978-3-87847- 2 41-4, ISSN 0564-4186


UDH Nr. 85

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