BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 89  ¦  April – Juni 2009


Spruchkammern braucht das Land

Eine Persiflage von Erwin Arlt

Ja, Sie haben richtig gehört: Die nach 1945 in den Westzonen des Deutschen Reiches von den Alliierten errichteten Spruchkammern würden endlich dem Bedürfnis aller Antifaschisten nach Spätentnazifizierung aller damals nicht erfaßten Mitglieder oder Sympathisanten der NSDAP oder ihrer Untergliederungen entsprechend entgegenkommen.

Dabei sei es egal, ob es sich um ein verstorbenes Mitglied oder ein lebendes handelt. Da gibt es durchaus noch ein reichhaltiges und unerschöpfliches Reservoir. Hier ist beispielsweise noch ein nichtverstorbenes Mitglied der NSDAP, 93 Jahre alt, mit der Mitgliedsnummer 12.326.531, das damals 1944 gesehen wurde, wie es mit Heil Hitler grüßte. Dort ist ein Kunstmaler als Ehrenbürger von 1938 in seinem ehemaligen Geburtsort eingetragen. Wieder in einem anderen Ort gibt es doch tatsächlich noch eine Straße, die nach einem 1936 berühmten Arzt benannt ist, der — man höre und staune — beim NSK war, also beim nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps.

Dabei können die Spruchkammern, die überall im Lande zu errichten sind, ruhig großzügig weit zurückgehen bei ihrer Arbeit, denn solche „Nazis“ gab es ja auch schon in der Kolonialzeit und nach dem ersten Weltkrieg. Ein reiches Feld von Fällen tut sich hier auf, die alle den Spruchkammern zugeführt werden sollten. Diese Spruchkammern müssen aus den Haushaltsmitteln des „Kampfes gegen Rechts“ gespeist werden; wenn notwendig, muß dazu ein Nachtragshaushalt aufgestellt werden. Die Zusammensetzung dieser Spruchkammern bestimmen örtliche antifaschistische Kollektive, wie VVN, Rote Flora, DKP oder auch DGB. Diese Kammern haben dann die Aufgabe, dem angezeigten Delinquenten alle Ehrentitel, alle sonstigen Titel, die zwischen 1918 und 1945 erworben wurden, abzuerkennen. Grabsteine und Denkmäler sind von den Bauhöfen zu entfernen. Ehrenbürgerschaften sind zu tilgen, Straßen und Plätze sind umzubenennen, natürlich möglichst mit Namen von verdienten antifaschistischen Kämpfern. Bei lebenden Personen können Mißbilligungen und Geldbußen sowie gemeinnützige Arbeiten bei der Straßenreinigung und bei der Müllabführ von den Spruchkammern verhängt werden. Für den Delinquenten besteht auch die Möglichkeit, durch Geldspenden an antifaschistische Netzwerke seine Schuld zu minimieren. Soweit die bürgerlichen Parteien und Organisationen schon so fortschrittlich arbeiten, können auch sie in eine Spruchkammer als ordentliches Mitglied delegiert werden. Näheres bestimmen die jeweiligen Satzungen der Parteien und Verbände.

Verehrte Leser, Sie trauen ihren Augen und Ohren nicht und meinen im falschen Film gelandet zu sein?

Mitnichten — so absurd ist die hier angedachte Entwicklung durchaus nicht! Hunderte solcher Fälle sind alle so oder ähnlich, zwar noch nicht mit dem Besatzungsrelikt „Spruchkammer“ in den letzten etwa fünf Jahren von den Systemkräften aufgegriffen und abgehandelt worden, immer mit dem Hintergrund, ob es hier nichts zu spätentnazifizieren gäbe. Der neueste Fall:

Die Presse nahm sich dem Fall des „Nazi-Entenmalers von Emmering“ im Landkreis Fürstenfeldbruck in Bayern natürlich sofort an.

Was ist geschehen?

Da gibt es den Franz Gräßel (Gräßel), seines Zeichens gegenständlicher Maler, der als sogenannter Entenmaler bekannt ist. Er wurde am 24. Nov. 1861 in Oberasbach im Schwarzwald geboren, er studierte an der Karlsruher Akademie Kunst und zog im Jahre 1900 nach Emmering. Dort wirkte er bis zu seinem Tode am 4. Mai 1948. Das damals obligatorische Spruchkammerverfahren blieb ihm durch Tod erspart. Ja, er war Mitglied der NSDAP mit der Mitgliedsnummer 1.201.290 und das seit dem 1. August 1932. Auch war er in zahlreichen Gliederungen wie Reichsluftschutzbund und Fördermitglied bei der SS, dem VDA und anderen. Gemalt hat er ganz harmlose Bilder und Motive, wie „Enten am Bach“. In der Gemeinde Emmering ist bis heute eine Straße nach ihrem Ehrenbürger benannt, eben die „Gräßelstraße.“ SPD-Gemeinderat Karl Ring blieb es vorbehalten, sich daran zu stören.

Bilder von Gräßel, so sagt er, sollten vom Gemeinderat nicht gekauft werden, auch wenn sie aus der Versicherungssumme stammen, die für die Neubeschaffung für die im Rathaus gestohlenen Gemälde vorgesehen sind. Vielmehr sollten moderne, zeitgemäße Bilder für den Betrag für das Rathaus angeschafft werden.

Die Gemeinderäte von CSU und Freie Wähler zeigten sich von dem Antrag zwar überrascht, doch sie stimmten natürlich wie die Blockparteien der ehemaligen DDR sofort zu. Wie gesagt, der Maler Gräßel hat keiner Menschenseele etwas zuleide getan, keine „Kriegsverbrechen“ begangen. Sein „Verbrechen“ war nur die Mitgliedschaft in der NSDAP, und die Gräßelstraße wird es sicher über kurz oder lang nicht mehr geben, auch wenn der Maler Gräßel nur „Enten am Bach“ gemalt hatte — es waren ja schließlich „Nazi-Enten am Bach!“

Wenn es nicht so traurig wäre, müßte man hell auflachen. Doch der Haß und die ideologische Verbohrtheit nimmt mit dem länger werdenden Abstand vom Ende des Zweiten Weltkrieges und dem 8. Mai 1945 quadratisch zu, ganz im Gegensatz zur Nichtbewältigung der DDR-SED-Vergangenheit, die von den Politikern verklärt wird oder aber einfach verschwiegen.

Haben denn Gemeinderäte und Regierungen nichts wichtigeres zu tun, als ständig nach „Spät­entnazifizierungs­fällen“ zu suchen, 60 Jahre nach Kriegsende und dies obendrein bei der abgrundtiefen Finanz- und Wirtschaftskrise? — Nein, es ist geradezu symptomatisch für die Politikzustände in „diesem Land“. Der Grad der Umerziehung hat Formen angenommen, die schon der Arbeit eines Psychiaters bedürfen. Insofern können die Alliierten und ehemaligen Besatzungsmächte auf den Erfolg mit ihrer „Reeducation“ durchaus zufrieden sein und ihre Epigonen, die auf dieser Schiene Steuergelder mißbrauchend weiter so fortfahren, können mit ihrer abgrundtiefen einseitigen Vergangenheits­bewältigung und Spätent­nazifizierung solange fortfahren, bis den Menschen in unserem Vaterlande buchstäblich ein Licht aufgeht.

Erst wenn sie im großen Stile merken, wie einseitig sie manipuliert werden, ist das Spiel dieser ewig gestrigen Kräfte beendet. Man kann eben viele Menschen lange belügen, aber nicht alle Menschen für alle Zeiten. Hier kann man nur mit einem alten Kirchenliedvers rufen:


UDH Nr. 89

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