BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 91  ¦  Oktober – Dezember 2009


Ein Märchen für besinnliche Stunden

von Hannelore Usche (09.02.1934 — 01.09.2009)

Die Sage vom Volk der Zipfelmützen

Es war einmal…

Es war einmal ein Land im Herzen Europas. Die Menschen, die dort lebten, waren zeitlebens damit beschäftigt, zu arbeiten, Steuern zu zahlen und für's Alter vorzusorgen.

Sie beherzigten das Motto ihrer Vorväter ›Man lebt, um zu arbeiten‹ und schüttelten den Kopf über die gegenteilige Ansicht vieler ihrer südlichen Nachbarn, die ihnen einflüstern wollten ›Man arbeitet, um zu leben‹.

Weltweit bekannt wurden diese Menschen aus Michel­land durch ihre Zipfelmützen, die man über Augen und Ohren ziehen konnte, um Unan­genehmes möglichst nicht zu sehen und hören. Das nutzten die Politiker von Michel­land aus und verteilten das Geld und Vermögen dieses Völkchens in alle Welt, ohne daß jemand davon hörte oder es sonstwie zur Kenntnis nahm.

Da die Menschen nur für angenehme Nachrichten die Zipfelmütze lüfteten, wurde ihnen versprochen, die Rentenkassen seien voll, es gäbe bald überall im Land nur noch blühende Land­schaften, der Euro mache alles preiswerter und einfacher und EU in Brüssel würde den Wohlstand künftig noch sicherer machen.

Doch eines Tages wollten die Michel die Früchte ihrer nimmer­müden Arbeit sehen und schoben die Zipfelmütze hoch.

Sehr zu ihrem Erschrecken waren die Renten­kassen ratzeputz leer, die früheren DM-Löhne halbiert, die Euro-Preise aber genau so hoch wie zuvor in DM, ihre Arbeitgeber in andere Länder entschwunden, die Werke geschlossen und an vielen Läden hing das Schild ›Zu vermieten‹.

Um sich herum sahen die erschrockenen Michel nur noch schwarze Löcher neben Riesenbergen von aufgetürmten Schulden und überall fremdartige Leute, so daß sie ihre Heimat gar nicht wieder­erkannten.

Daraufhin erhoben sich erste Stimmen des Protestes gegen die gutgläubig immer wieder gewählten Parteien, und vereinzelt wurde der Ruf laut ›Wir sind das Volk!‹

Das versetzte die Politiker in höchste Alarmstufe, und sie holten über viele Jahre so viele Nichtmichel ins Land wie nur möglich, um sich ein anderes Volk zu schaffen.

Damit diese Nichtmichel dann aber auch ihre Gönner­parteien wählen konnten, wurde ein neues Staatsbürgergesetz erlassen und eine millionen­teure Kampagne gestartet, um die Nicht­michel zu überreden, die Staats­bürger­schaft ihres Gastlandes anzunehmen.

Verständlicherweise sollten die Nichtmichel nun aber auch die gleichen Rechte haben und so leben wie die Michel.

Also wurden die Michel wieder zur Kasse gebeten: Das sichere Fangnetz der Michel, für das sie Jahrzehnte gearbeitet hatten, wurde per Gesetz mit größeren Löchern versehen, so daß man leichter durch­fallen kann.

Danach mußten sie alles veräußern, was sie angespart hatten, und anschließend wurden ihre Kinder und Familien­angehörige vom Staat belangt. Waren auch die ausgeplündert, gab's für alle die gleiche ›Grund­versorgung‹, für die betroffenen Michel genau so viel oder wenig wir für die zuge­wanderten Nicht­michel, die nie oder wenig in die Sozial­kassen eingezahlt hatten.

So wurde nach Meinung der Politiker der Grundsatz ›Gleiche Rechte für alle‹ vorbildlich verwirklicht.

Als sich das Murren im Volk der Michel über diese Entwicklung aber zu einem Brodeln verstärkte, beschlossen die Politiker, nun Nägel mit Köpfen zu machen:

Regierung und Opposition, die in Sachen Einwanderung bisher theater­reife Schau­kämpfe geführt hatten, um ihre stille Überein­stimmung zu vernebeln, einigten sich flugs über ein neues Zuwanderungs­erweiterungs­gesetz.

Das hatte zum Ziel, daß künftig noch mehr Nicht­michel einwandern und die Parteien sich endlich ein Wahlvolk nach ihren Wünschen schaffen können, das sich nicht mehr mit so antiquierten Begriffen wie ›Volk‹ oder ›Nation‹ gegen die weisen Regierungs­beschlüsse auflehnen würde.

Als die Regierenden glaubten, sie hätten dieses Ziel wohl endlich erreicht, beschlossen sie folgerichtig, den National­feiertag, den die Michel immer am 3. Oktober eines Jahres feierten, einfach abzu­schaffen, weil die ja nun keine Nation mehr seien.

Da aber durchfuhr ein fürchter­licher Schreck die Regierenden: Viele der Michel rissen sich die Zipfelmütze vom Kopf und warfen diese voller Protest den Regierenden vor die Füße.

Eilends ließen die Regierenden von ihrem Plan ab und beraten nun, wie man verhindern könne, daß das gesamte Volk diesem Beispiel folgt.


Sie glauben, werte Leserinnen und Leser dieses Märchens, solch ein Michelland gäbe es gar nicht? — Dann haben Sie Ihre Zipfelmütze noch nicht hochgeschoben!


UDH Nr. 91

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