BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 91  ¦  Oktober – Dezember 2009


Wer waren die Wandalen?

Rabauken? Zerstörer? Eindringlinge in ferne Länder, um sich dort einzunisten und viele Untaten zu begehen? Der schöne Stammesname beginnt sich in unserer (un)gebildeten Bundesrepublik als Schimpfwort wieder mehr und mehr einzubürgern. „Wandalen“ — das klingt so wohllautig und vor allem gelehrt; man kommt sich, wenn man „Wandalen“ anklagt, wie ein echter Verteidiger von Zucht und Sitte vor.

Ja, wer waren die Wandalen? In dem gelben Nachrichtenblatt eines Marktflecken in Oberbayern wurden sie neuerdings öfters zitiert, z.B. bei eingeschlagenen Fensterscheiben, verwüsteten Herrentoiletten und dergleichen. Der zuständige Berichterstatter liebt offenbar dieses Schimpfwort. Es klingt so gebildet. Ob er sonst noch irgendetwas Genaueres über die Wandalen weiß? Ich hatte noch keine Gelegenheit, ihn zu fragen.

Der „Münchner Merkur“ erklärte vor einigen Wochen seinen Lesern, wer die Wandalen waren. Ach, ein längst ausgestorbener Volksstamm; viel mehr wußte man dort auch nicht, denn wo und wer wurde nicht erläutert. Aber eben, weil sie längst ausgestorben sind, macht es gar nichts aus, wenn man ihren Namen für Beschimpfungen gebraucht.

Die Wandalen gehörten wie viele andere zu den germanischen Volksstämmen, die während der Völkerwanderungszeit aus dem europäischen Norden / Skandinavien nach Süden zogen, um sich dort niederzulassen. Klimaverschlechterung, wohl auch Überbevölkerung dürften die Ursache gewesen sein. Sicher ist, daß sie in Mittelschlesien, im Umkreis des Zobten, zunächst eine Bleibe fanden. Aber ein Teil zog weiter. Ein Teil der landsuchenden Wandalen ließ sich im heutigen Österreich nieder. Ein anderer Teil wandte sich nach Westen, setzte von Spanien aus nach Nordafrika über, erkämpfte sich — unter Führung ihres Königs Geiserich — ein Stück Land in der Nähe von Karthago und gründete dort das einzige aus der Völkerwanderung stammende Königreich eines germanischen Volkes. Geiserich herrschte etwa ein halbes Jahrhundert. Seine Nachfahren schafften danach nochmals die gleiche Zeit; dann brach das germanische Königreich wieder zusammen.

Natürlich hat dieses Volk auf seiner Wanderung — und zum Erhalt seines Reiches — viel gekämpft, aber das taten andere germanische Stämme, die in dieser Zeit der Völkerwanderung unterwegs waren, auch. Doch nur die Wandalen hatten es geschafft, in dieser Zeit ein eigenes Königreich zu errichten. — Das Schimpfwort „Vandalismus“ hat ein französischer Abbé des 18. Jahrhunderts erfunden (Brockhaus). Aber was besagt es schon über dieses Volk, denn während der Völkerwanderung waren viele germanische Stämme unterwegs, und das ging nur selten ohne Kampf ab. Immerhin wird den Germanen nachgesagt, daß sie die Kultur der Römer sehr bewunderten, und von Zerstörung von Städten hat man nur wenig gehört.

Zweifellos gehörte der Stamm der germanischen Wandalen mit zu den Völkern, aus denen die Deutschen entstanden. Im mittleren Schlesien, in der Gegend um den Zobten, hatten sie sich niedergelassen. Wir Schlesier haben allen Grund, uns gegen das Schimpfwort Wandalismus zur Wehr zu setzen.

Im Münchner Merkur (Nr. 74/2009) klärt uns die Schriftstellerin Maren Lorenz über das Problem der Vorfahrenbeschimpfung auf: „Wandalismus ist ein Alltagsbegriff; er hat sich eingebürgert. Die Wandalen sind ein nicht mehr existierender Volksstamm; man muß da nicht so sensibel sein. Da gibt es andere Brennpunkte — denken Sie in Bayern mal an den Ausdruck „Kruzitürken“. — Na also!

Erdmuthe Idris-Schimmel


UDH Nr. 91

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