BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 94/95  ¦  September – Dezember 2010


Raubtierkapitalismus auf dem Vormarsch

von Erwin Arlt

Es ist ohne Zweifel so, daß die globalisierten Finanzspekulanten in Europa und der Welt auf äußerst brutale Weise und beweglich, ohne Rücksicht auf Währungen, Staaten und Völker, ihre schmutzigen Geschäfte abwickeln und Milliarden kassieren.

So ist auch die EU, vor allem aber der Euro vor dem Abgrund, er wird über kurz oder lang unter die Räder kommen. Bundespräsident Horst Köhler, ein Fachmann und Mitarchitekt der EWU, mußte doch gewarnt sein, wenn diese EWU meint, ohne Stabilitätspakt, also ohne eine Obergrenze für die Staatsverschuldung, noch ohne Verbot der staatlichen Haftung bei Haushaltsdefiziten und Schuldendienst anderer, auszukommen. („No-Bailout-Klausel in den EU-Verträgen“).

Mit diesem Bruch der Stabilitätsklausel steht und fällt der Euro. Horst Köhler hätte das „Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz“ WFStG, niemals unterzeichnen dürfen. Dadurch wird die EU vollends zu einer „Transferunion“, zu einer „Haftungsgenossenschaft“. Die Starken müssen für die Sünden der Anderen blechen!

Mehr noch, es ist auch ein Bankensicherungs- und Sanierungsgesetz, das nun die üblen Geschäfte, die die Banken mit Griechenland gemacht haben, durch eine Sanierung ihrer Verluste über die Griechenlandhilfe wieder wettmachen können.

Die Bundeskanzlerin wiederum fabuliert über Schutzschilde und globale Regeln für die Finanzmärkte als „Aufgabe des 21. Jahrhunderts.“ Als ob wir so viel Zeit hätten, um daraus eine Jahrhundertaufgabe zu machen.

Die wichtigsten Fässer ohne Boden sind Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Großbritannien. Und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Frau Merkel nach Erfüllung aller Milliarden- und vielleicht Billionenwünsche der bankrotten Staaten, selbst diesen Weg gehen muß. Dabei wird ihr niemand zu Seite springen und Hilfe anbieten, nicht einmal ihre so heiß geliebten Freunde!

Nun hat die EZB, die Europäische Zentralbank, keinesfalls nach Stabilitätskriterien gehandelt und fiskalpolitisch den Rechtsbruch geahndet, sondern im Gegenteil die Gelddruckmaschinen angeworfen, um die Rechtsbrecher zu schützen und zu stützen! Über kurz oder lang werden durch diese verantwortungslose Politik EU und EWU nicht mehr regierbar sein.

Vielmehr ruft man jetzt nach einem EU-Bundesstaat mit alleiniger Zuständigkeit. Man betitelt die Maßnahmen nach Finanzausgleich als „Wirtschaftsregierung“, die auf einen kalten Staatsstreich hinauslaufen! Diese geplanten diktatorischen Maßnahmen will nur die BRDRegierung und die sie tragenden Systemparteien, nicht aber die Regierungen der anderen EU–Länder, sicher aus gutem Grund.

All' das, so sagt Angela Merkel, sei „alternativlos“. Wieder so ein neues Modewort. Man will damit dem Volk weismachen, daß es keine anderen Möglichkeiten gibt.

Doch es gibt immer Alternativen, man hat sie nur absichtlich noch nicht in Angriff genommen.

Und wie hört es sich eigentlich beim sog. „Vater des Euro“, dem früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel an? Er hatte ja groß getönt, daß der Euro mindestens so hart wie die DM sei, und er hält heute noch flammende Appelle für den Euro! In Wahrheit hat man uns ohne Volksabstimmung die DM diktatorisch genommen. Nicht nur die stabilste Währung, sondern man hat uns wieder von einem bedeutenden Stück Identität als Deutsche „befreit“!

Selbst die obersten Verfassungsrichter verweigerten dem deutschen Volk schon damals vor zwölf Jahren den Schutz für unsere Währung und unsere Grundrechte.

Von der EU und ihrem Zentralkomitee sowie den EU-Kommissaren können wir keinerlei Schutz erwarten. Vom BVG sollten wir es eigentlich erwarten dürfen!

Wenn es also so weitergeht, sind die EU und der Euro eher unser Untergang!

Wir müssen feststellen, daß die EU-Staaten, aber auch viele andere im Dienste der Finanzwirtschaft stehen, also de facto über die Regierungen hinweg befehlen.

Es ist also nicht übertrieben, wenn man bei der gegenwärtigen Politik die Politiker als Schafe bezeichnet und die Banken als reißende Wölfe. Da kann der mächtigste Banker der Welt, Herr Ackermann, schönreden, wie er will; Thomas Jefferson hat recht, wenn er deklamiert: „Demokratie ist, wenn drei Wölfe und ein Schaf entscheiden, was es zu essen gibt.“

Durch die Deregulierung entstand gewollt oder nicht, eine Abkoppelung der Wirtschaft und der Finanz- und Bankenwelt. Nun zwingt die Finanzwelt die Politiker, ihr zu dienen.

Was fällt also den abhängigen Politikern dann als erstes ein? Sozialabbau. Dies wiederum führt zu Instabilität der Staaten — siehe Griechenland. Wir sehen, auch Staatsbankrotte können entstehen, bzw. künstlich bei Bedarf geschaffen werden.

Die „PIIGGS“ stehen für's Erste schon fest. Es sind dies Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Großbritannien und Spanien.

Schwindelerregende Zahlen dazu, die sich der berühmte „Kleine Mann“ nicht mehr vorstellen kann, werden nun geballt bekannt!

Die deutschen Banken haben riesige Auslandsforderungen offen stehen, wobei der Betrag bei Griechenland nur ein Klacks ist, denn im Falle eines Falles hilft noch die KFW. Doch die Griechen haben nicht nur bei uns Schulden, sondern Griechenland mußte bis Ende Mai 10,5 Mrd. aufnehmen. 2012 laufen 31 Mrd. aus, 2013 noch 23 Mrd. Vermutlich brauchen die Griechen dieses Jahr allein 75 Mrd. Euro an Unterstützung! In Spanien wiederum stecken 240,3 Mrd. Dollar aus Deutschland, in Irland 110.3 Mrd. in Italien 209,3 Mrd. in der Ukraine 503,5 Mrd. und in Portugal 47,3 Mrd. Dollar. Auch in den USA sind deutsche Banken mit sage und schreibe 584,9 Mrd. Dollar Auslandsforderungen dabei.

Spanien ist also der große Wackelkandidat mit Immobilien. Man spricht daher schon von „Costa del Crash!“

Alle Bundeskanzler und Außenminister haben die EWG, EG, EU stets zur Staatsräson erhoben und gar bei Bedarf erklärt, es bedeute Krieg, wenn wir die von ihnen dargestellten „Alternativlosigkeiten“ nicht ohne „wenn und aber“ annähmen. Wer hätte uns denn bitteschön den Krieg erklären sollen? Das haben uns Kohl und Waigel fein säuberlich verschwiegen!

Aber mit den „deutschen Schafen“ kann man das ja gefahrlos tun. Die Politiker in der BRD aller Couleur, wohl wissend, daß nichts passiert, müssen keinen Widerstand, keine Aufstände befürchten, wie in vielen anderen Ländern.

Schon Lenin hat gesagt: „Wenn die Deutschen eine Revolution machen, so lösen sie zuerst eine Bahnsteigkarte“ (die es ja damals noch gab), weil das Betreten der Bahnsteige früher mit Sperren gesichert war.

Wann endlich lernt das deutsche Volk dazu? Es ist jedenfalls höchste Zeit!

Die erste Bankenrettung durch die Bundesregierung hat Deutschland schon mal — beabsichtigt — geschwächt. Dies reicht aber dem „Finanzbackground“ noch lange nicht.

Also steht ganz klar eine zweite Rettungsaktion ins Haus! Man weiß nur noch nicht, wie man sie den Deutschen verklickern soll! Doch die PIIGGS halten schon im Hintergrund die Hände auf. Aber man kann eine Kuh eben auch nicht ewig nur melken; das übersteht sie nicht.

Der ehemalige Präsident der FED, also der amerikanischen Zentralbank, Greenspan, hatte wohl recht; wenn er sagte: „Den Euro werde es nicht ewig geben.“

Und da er ein politisches Projekt gewisser Kreise ist, können sie ihn nun, wenn es ihnen nicht mehr nützt, zu Grabe tragen. Dann so sagen sie — hat die Politik eben geändert, wie bei der Beendigung des Kommunismus im ehemaligen Ostblock.

Das ganze Euro-Debakel wird dann wieder — wie das immer der Fall war, auch 1929, auf die Völker und die Bürger abgewälzt. Es wird absichtlich zu einer Inflation kommen, die die Völker wieder ausbaden dürfen. Sie verlieren dann ihre Rücklagen, die sie sich mühsam erspart haben. Die Rentner werden zu noch mehr Nullrunden und Minusrunden verdonnert.

Die Wirtschaft bekommt weniger Aufträge und entläßt Personal. Nur die Banker, welche die Währungen und die Staaten in den Abgrund reißen, dürfen gerichtlich ihre Milliarden „Boni“ einklagen!

„Schöne neue Welt“ des Euro, der EWU und der EU!

Unter diesen Umständen forderte Professor Hankel schon die Wiedereinführung unserer guten Deutschen Mark!


UDH Nr. 94/95

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