BGD — Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 98  ¦  September – Dezember 2011


Görlitzer Stadtgeschichte

von Wolfgang Liebehenschel

Im STALAG VIIIA in Görlitz-Moys, das von Oktober 1939 bis 1945 ein großes, festes Kriegs­gefangenen­lager gewesen war, gab es für alle polnischen Kriegsgefangenen seit 1939 zwei deutsche Wehrmachtsdolmetscher, die gut polnisch sprachen, den Unteroffizier Emil Julius Liebehenschel, geb. am 28. März 1899 in Wielichowo, Kreis Schmiegel, und den Kunstmaler und Unteroffizier Gerhard Noth, Görlitz-Biesnitz. Schon am 7. Juli 1939 waren polnische Gefangene am südlichen Ende der Seidenberger Straße (Endstation der Straßenbahnlinie 3) angekommen und in Zelten untergebracht worden, zunächst in einem Durchgangslager, das nun, im Oktober winterfest gemacht wurde. Beide Dolmetscher waren Görlitzer. Alle polnischen Kriegsgefangenen kannten sie. Die polnischen Briefe der Lagerinsassen aus ihrer und in ihre Heimat gingen aus Gründen der Befehle der deutschen Heeresleitung — also aus militärischen Gründen — und der Anordnung und Überwachung von Sicherheitsmaßnahmen in den besetzten polnischen Gebieten, „Generalgouvernement;“ genannt, durch ihre Hände. Daneben konnten sich die polnischen Gefangenen auch an den polnisch sprechenden deutschen katholischen Pfarrer, Dr. Franz Scholz, St. Bonifatius Görlitz, anläßlich regelmäßiger Lager-Gottesdienste wenden. 1940 waren rund 15000 Polen im Lager, die durch andere Nationalitäten des jetzt noch weitergreifenden Krieges (z.B. Hitlers Krieg mit der UdSSR) auf ca. 40000 Gefangene anstiegen. Letztendlich standen dort 1940/41 58 Baracken. 20 Baracken wurden für „die Russen“ besonders abgegrenzt.

Da Liebehenschel aus seiner im Jahre 1919 an Polen gefallenen Heimat, der Provinz Posen, bzw. aus dem Dominium Lubnica mit den Vorwerken Trzinica und Mokrze stammte, die polnische Bevölkerung gut kannte — er war bis zu seinem 22. Lebensjahr quasi ihr Mitbürger — sah er in den kriegsgefangenen polnischen Soldaten nicht die Feinde, sondern internierte Kriegsgegner, die er befehlsgemäß zu kontrollieren hatte. Ich will damit ausdrücken, daß er keinen Haß gegen die polnischen Soldaten hegte. Insofern hielt er sich stets an die Vorschriften der Genfer Konvention, wie es auch der Wehrmachtsangehörige, Leutnant Carl Albert Brüll, Rechtsanwalt in Görlitz und französischer Dolmetscher im STALAG VIIIA, nach seiner Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft mehrfach erklärt hat.

In der Post-Baracke der deutschen Wehrmacht in Moys saßen Dutzende von deutschen Dolmetschern für die kriegsgefangenen Soldaten anderer Nationalitäten, wie also auch der Unteroffizier Gerhard Noth, der für Belgier und Franzosen zuständige Leutnant Carl Albert Maria Brüll, der Unteroffizier Günter(?) (Nicht für die Russen), die Schreibsekretärin Hildegard Eger (Blondine aus Berlin und Hausbesitzerin der Löbauer Straße 19). Alles Bürger, die in Görlitz wohnhaft waren. Befehlshaber war zeitweilig um 1943/44 Hauptmann Kallenbach. Zahlmeister war ein Oberst Gerhard Fleischer, wohnhaft Struvestraße/Ecke An der Frauenkirche. Drei andere dolmetschende deutsche Lagerkameraden von Noth und Liebehenschel waren der Feldwebel Kolodzie, Besitzer der Gaststätte „Zur Flotte“ Löbauer Straße/Ecke Krölstraße und der Feldwebel Brüske, der Görlitzer Gastwirt „Zur Eisenbahn“ sowie ein Feldwebel Brünn von der Melanchthonstraße (1. Mietshaus Ecke Lutherstraße Nordseite).

Diese kleinbürgerliche, einheimische „Soldaten-Familie“ bildete gewissermaßen einen Cordon um die Kriegsgefangenen, einen „gewissen Schutz“ gegen auswärtige deutsche Wachkommandos — wobei aber „die Russen“ einer anderen, schärferen, außergörlitzer Wachkompanie unterstanden. Die wurden härter behandelt und durften nur eine Karte pro Monat nach Hause schreiben. Es muß eine höhere Anweisung der Wehrmacht gewesen sein, „den Russen“ weniger zu essen zu geben, als den übrigen Gefangenen. Unteroffizier Emil Liebehenschel erzählte oft, „die Russen“ bekämen eine sehr geringe Ration“ oder „die sind dankbar für die Reste aus den leergegessenen Konservendosen der französischen Kriegsgefangenen, die über den Zaun flögen und gierig ausgeleckt wurden“. Dabei kam es bei den sowjetischen Gefangenen zu Verteilungskämpfen, die einige male tödlich endeten, bevor die deutsche Besatzung von den Wachtürmen herunter eingreifen konnte. Die sowjetischen Soldaten wickelten einen verdächtigen Kameraden in eine Schlafdecke, wie in eine Hängematte, und schlugen diese in schneller Rotation solange auf den Boden, bis der Eingewickelte zerschmettert war.

Die vorerwähnte einheimische „Soldaten-Familie“ hat sich gewissermaßen für „ihre“ Gefangenen unabkömmlich, um nicht selbst funktionslos zu werden und an die Front zu kommen. Beispiele dafür gab es genug, denn als im Jahre 1942 wohl schon die Polen reduziert wurden, weil man sie zu „Volksdeutschen“ oder „Hiwis“ erklärte und z.B. in den bayerischen Chiemgau zur Ausbildung als Artilleristen verlegte und in Landwirtschaft und Industrie verteilte, erhielten Gerhard Noth aus Biesnitz, der viel jüngere als Emil L. und Fw. Bruske, ihre Gestellungsbefehle an die Ostfront. Es muß wohl im Spätherbst 1942 gewesen sein, als der sensible Unteroffizier Noth in der Verzweiflung über seinen „Frontbefehl“ sich in voller Kampfuniform und Ausrüstung (Montur) auf dem Bahnsteig 8 vor den einfahrenden Rußland-Fronturlauberzug warf. Still wurde er — was sonst in der Heimat bei „Gefallenen“ eine große „Heldenbeerdigung“ war — auf dem Rauschwalder Friedhof (oder Kunnerwitz?) im Kreis der Angehörigen beigesetzt, denn seine Haltung galt als Desertion, als Feigheit vor dem Feind, als Gegnerschaft zum Hitlerregime. Emil L. nahm daran teil — ich meine, er durfte es nur „in Zivil“. — Ein anderes Beispiel war es, daß Emil L., den die Kameraden wegen seiner humorvoller) Art „Beule“ nannten, im Jahre 1943 mit „seinen“ Polen als „Ausbilder am Geschütz“ nach Stuttgart, Ulm und 1944 zum Herren-Chiemsee/Bayern versetzt wurde. Dort hatte er als kriegserfahrener Artillerist des 1. Weltkrieges vor Verdun die „Volksdeutschen“ auszubilden. Man schoß auf fahrende Holzflöße im See. Ende 1944 war er wieder in Moys. Dort blieb er bis zu seinem „Marschbefehl“ mit einem Teil der Kriegsgefangenen-Akten des STALAG VIIIA am 17. Februar 1945. Diese wurden alsdann auf einem offenen Erntewagen mit zwei Zugochsen, einem deutschen Soldaten und zwei kriegsgefangen Polen nach Weissenfels/Saale abtransportiert, um nicht der 40 km vor Görlitz stehenden Sowjetarmee in die Hände zu fallen. Hierdurch wurde er nicht Zeuge des qualvollen Marsches der Kriegsgefangenen des STALAG VIIIA nach Westen. Noch einmal im März 1945 ins Lager Moys zurückgekehrt, dann in die Tschörner-Front einbezogen, wurde er am 8. Mai 1945 in Tetschen-Bodenbach von den Sowjets gefangengenommen und zu Fuß ins Gefangenenlager Dresden verbracht. Als im I. Weltkrieg das Grauen vor Verdun überlebender Artilleriesoldat hatte er bereits 1941 — im Kreis seiner Restaurantgäste — unter Lebensgefahr immer wieder geäußert, daß durch den Angriff auf die Sowjetunion Deutschland bzw. Hitler den Krieg verloren habe — „Pssst“, hatten ihm die Anwesenden gedeutet, er käme als Soldat vor ein Kriegsgericht, die Äußerungen seien Selbstmord“. Niemand denunzierte ihn, weil alle wußten, er wird recht behalten.

Der Unteroffizier Emil Liebehenschel hätte ernst genommen werden müssen. Es wäre unendliches Leid erspart geblieben. Gerhard Noth und Feldwebel Brüske, die vielen gestorbenen Kriegsgefangenen und Millionen Menschen wären nicht so grauenvoll verendet.

Der gelernte Landwirt, Gutsinspektor a.D., spätere Gastwirt und frühere Unteroffizier Emil Liebehenschel starb am 12.3.1964 an Lungenentzündung und Herzinfarkt auf der Station des Dr. med. Mahn im Görlitzer Krankenhaus, Außenstelle Kahlbaum.

Wolfgang Liebehenschel
14165 Berlin dem 4. März 2004

(Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe.)



Allvater schuf auf dieser Erde
des Lebens Vielfalt, bunt und schön.
Daß jedes nach dem Plane werde,
ließ er gewisse Schranken stehn.

Die Tiere wissen ganz alleine
der Arterhaltung recht zu tun.
Es paart das Pferd sich nicht mit dem Schweine
und nicht der Adler mit dem Huhn.

Nur die Gott schuf nach seinem Bilde,
die wollen, dumm und arrogant,
vermischen Schwarze, Weiße, Wilde,
in grenzenlosem Unverstand.

Zum Rassenmischmasch zu verleiten
ist Völkermord im großen Stil.
Manch stolzes Reich starb so vorzeiten,
wenn es in diesen Wahn verfiel.

Da wären Völker nur noch Herden,
die, körperlich und seelisch krank,
zu Sklaven finstrer Mächte werden,
bis hin zum sicher’n Untergang!

Wenn doch die Rassen nur erkennen,
daß solch ein Chaos sie verdirbt
und sich in Freundschaft wieder trennen,
bevor die ganze Menschheit stirbt!

Renate Schütte

UDH Nr. 98

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