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Geschichte


Wer waren die Wandalen?

Wer waren die Wandalen? — Was ist Wandalismus?

Die Wandalen gehören zu den Vorfahren der Schlesier. Sie stammten aus Skandinavien und haben jahrhundertelang in den Gebieten zwischen Elbe und Weichsel gelebt. Während der Völkerwanderung zog ein Teil von ihnen bis nach Afrika; ein Teil blieb zu Hause. Von dem wandalischen Stamm der Silinger hat der Zobten seinen alten germanischen Namen: Siling. Unter König Geiserich gründeten die Wandalen in Karthago (Tunis) das einzige selbständige Reich, das die Germanen während der Völkerwanderungszeit zustande brachten. Alle anderen germanischen Könige waren Lehnsleute oder Bundesgenossen der Römer oder verbrachten ihre Zeit auf endlosen Wanderungen. Leider hielt sich das Wandalenreich nicht lange — nur etwa ein Jahrhundert; rund die Hälfte dieser Zeit hatte König Geiserich regiert. Es wurde von Ostrom unter Belisar geschlagen.

Die Ära der Völkerwanderung war alles andere als eine ruhige Zeit. Krieg, Raub, Piratentum, politischer Mord und Verrat, Brandschatzung und Vertragsbruch waren an der Tagesordnung, und die Römer waren fleißig daran beteiligt. Das vom Bischof von Blois, H. Grégoire, 1794 (während der französischen Revolution!) geprägte Schlagwort vom „Wandalismus“ — gemeint war sinnlose Zerstörung — ist also zumindest sehr einseitig, und gerade auf die Wandalen trifft es nicht zu. Zwar stimmt es, daß diese 455 unter Geiserich nach Rom übersetzten und dieses plünderten. Geiserich wollte einen neuen König und Maximus, der ihm nicht paßte, weil er sich des Verrats und der Mordes schuldig gemacht hatte, absetzen. Aber schon vorher hatten Maximus' eigene Leute ihren König umgebracht.

Wieweit die Wandalen Kunstwerke „sinnlos“ zerstört haben, wie Grègoire behauptet, entzieht sich meiner Kenntnis. Vor allem luden sie sie auf ihre Schiffe und nahmen sie mit nach Hause, denn sie wußten, was sie wert waren. Auf jeden Fall aber vermerkten antike Schriftsteller anerkennend, daß sie Rom nicht angezündet haben, wie es ansonsten während der Völkerwanderungszeit bei derartigen Gelegenheiten überall gang und gäbe war. Papst Leo I. dankte nach dem Abzug der Wandalen Gott für diese Verschonung. Vor allem die (katholischen) Kirchen waren verschont worden, obwohl die Wandalen als arianische Christen keine Freunde der Katholiken waren. 1901 schrieb Ludwig Schmidt in seiner Geschichte der Wandalen: „ Die Wandalen trachteten, wie die Goten Alarichs, in der Hauptsache nur nach Kriegsbeute,…dazu kam als wichtiges Moment die Ehrfurcht vor der Größe und Heiligkeit Roms, die allen Germanenfürsten eigen war.“

Daß die Einwohner am Leben geschont wurden, auch Brandstiftungen nicht vorkamen, ist durch die zuverlässigen Quellen auf das bestimmteste bezeugt… Ebensowenig ist von mutwilliger Demolierung einzelner Gebäude und Kunstwerke die Rede, und mit Unrecht ist durch das Wort „Wandalismus“, das hauptsächlich von der Plünderung der ewigen Stadt hergeleitet wird, dem Volke Geiserichs ein Brandmal aufgedrückt worden. Sicher ist, daß andere Kriegsvölker früher und später weit schlimmer gehaust haben; man braucht nur an die Zeiten des 30jährigen Krieges zu denken.

Was also ist nun Wandalismus?

Wir wissen ja, daß die Deutschen gerne bereit sind, sich für alles und jedes schuldig zu fühlen, was man ihnen vorwirft. Sie nehmen es einfach als bare Münze. Durch die Medien — „Wandalismus“ klingt doch nach was! — ist Grégoires gehässige Bemerkung in den letzten Jahrzehnten wieder so richtig in Mode gekommen. Dabei wissen die halb- oder gar nicht gebildeten journalistischen Schwätzer wahrscheinlich gar nicht, wer die Wandalen waren. Schließlich hat es zum Zwecke der Umerziehung in der BRD nach dem Kriege einen mehr als dürftigen Geschichtsunterricht gegeben.

Die Wandalen gehören wirklich zu den Vorfahren der Schlesier.

Mögen auch nur Reste von ihnen die Zeiten überdauert haben, so daß der Großteil der Schlesier von westgermanischen Einwanderern abstammt, so sollten wir doch endlich aufhören, dieses böse Schimpfwort in den Mund oder in die Feder zu nehmen. Die Wandalen haben das nicht verdient.

Außerdem: Warum nennt man die Sache, um die es hier (fälschlich!) geht, nicht beim Namen, nämlich „Zerstörungswut“? Und wenn schon nicht Deutsch gesprochen werden soll — warum nennt man es z.B. nicht „Churchillismus“, wenn ich etwa an Dresden, Hamburg, Würzburg, Köln, Mainz und viele andere Städte denke? Das wäre doch zeitgemäßer…

Leider klingt „Wandalismus“ viel schöner; es klingt so gebildet, ist jedoch nur ein Zeichen gröblicher Unbildung. Aber wenigstens wir Schlesier sollten diesen Ausdruck endlich aus unserem Wortschatz streichen. Das sind wir unseren Vorfahren schuldig.

Erdmuthe Idris-Schimmel



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