BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.62 (4. Quartal 2002)

Auszug


Presseerklärung

der jungen Landsmannschaft Ostpreußen e.V. (JLO)
anläßlich des 300. Jahrestages der Begründung preußischer Königsherrschaft
und anläßlich des 130. Jahrestages der Kaiserproklamation Wilhelms I.

Am 18.1.2001 jährte sich zum 300. Male jener Tag, an dem der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. den erstmals von seinem Vater erhobenen Anspruch auf eine gewichtige Stimme im Konzert der europäischen Mächte durch die Selbstverleihung erblicher Königswürde im vormaligen Herzogtum Preußen bekräftigte. Im Unterschied zu vielen anderen Staaten, die einen derartigen Anspruch nahezu ausschließlich auf die Macht- und Prachtentfaltung ihrer Herrscherhäuser gründeten, setzte sich in dem alsbald nur noch mit dem Namen seiner östlichsten Provinz bezeichneten Brandenburg die Entwicklung einer Staatsidee fort, die nicht nur dem Wehrwesen, sondern auch der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtspflege ein unverwechselbares Gepräge gab.

Der im Jahre 1713 durch König Friedrich Wilhelm I. eingeleitete Paradigmenwechsel, in dessen Folge das Wohlergehen seiner Landeskinder nicht mehr von Zufallsentscheidungen des Souveräns abhing, sondern zum Gegenstand verpflichtender Fürsorge des Staates wurde, ließ das Ethos gemeinwohlorentierten Dienens in die Amtsstuben und Kasernen Preußens einziehen. Wehrhaftigkeit mit dem Ziel, Einflüsse der Fremdbestimmung auf die Landespolitik weitestmöglich und dauerhaft zurückzudrängen, zählte ebenso zu den Früchten dieses Ethos wie die reichsweite Vorreiterrolle bei der Einführung der allgemeinen Schulpflicht und beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen.

Geleitet von politisch-pädagogischen Zielvorstellungen, die gleichermaßen im Christentum und im Stoizismus (Gleichmut, Unerschütterlichkeit in Leid und Freud; stoisch, mit Fassung, Gelassenheit/ d.R.) wurzeln, formten die Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große weniger durch Zwangsmaßnahmen als vielmehr durch ihr weit über den Tod hinaus Maßstäbe setzendes persönliches Vorbild einen neuen Menschentypus. Diesen „homo prussicus“ hat von Beginn an ein verantwortungsbewußter Umgang mit den ihm sukzessive gewährten bürgerlichen Freiheiten, d.h. eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit gegen die Scheinverlockungen des individualistisch-materialistischen Irrweges, ausgezeichnet.

Stets hat er sich als Glied einer standes- und bekenntnisübergreifenden „Arbeitsgemeinschaft zur Hebung des Allgemeinwohls“ empfunden und dessen Interessen, wenn erforderlich, jederzeit den Vorrang gegenüber den eigenen eingeräumt. In diesem besonderen Gemeinschaftsverständnis seiner Landeskinder wurzelte die noch lange nach Friedrichs des Großen Tod erhalten gebliebene Fähigkeit des preußischen Staates, notwendige Anpassungen seines inneren Gefüges an die Herausforderungen neuer Epochen auf unblutige Weise und ohne substantielle Preisgabe der ihn tragenden Idee zu vollziehen. Die wohl tiefgreifendste dieser „Revolutionen von oben“ stellte die Selbstpreisgabe wichtiger Souveränitätsrechte im Wege des Aufgehens Preußens im Zweiten Deutschen Reich dar. Dieses Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung, das mit der Kaiserproklamation Wilhelm I. am 18.1.1871 seinen Anfang nahm, führte der damalige preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck in Gestalt eines Kompromisses zwischen den Interessen seines Staates und den immer stärker nach Erfüllung drängenden länderübergreifend gehegten Sehnsüchten der Deutschen nach einem geeinten Reich herbei.

Bismarcks Staatsschöpfung war ein föderalistisch aufgebautes Gemeinwesen mit unbestreitbar rechtsstaatlichem Charakter. Dem innerhalb der Grenzen des neu gegründeten Reiches lebenden Teil des deutschen Volkes war es allerdings nicht vergönnt, seinen Anspruch auf ein selbstbestimmtes ökonomisch-politisches und kulturelles Eigenleben dauerhaft mit friedlichen Mitteln wahren zu können. Doch trotz aller scheinlegalen Gebietsabtrennungen und -besetzungen durch die Siegermächte des „Dreissigjährigen Krieges“ in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts existiert das Deutsche Reich einschließlich seines Reichslandes Preußen als derzeit nicht handlungsfähiges Völkerrechtssubjekt unverändert fort. Diesem Umstand hat Rechnung zu tragen, wer immer mit dem Anspruch auf Glaubwürdigkeit in der Absicht tätig wird, die seit bald 56 Jahren anhaltende Waffenruhe in Mitteleuropa in einer völkerrechtskonformen Friedensregelung dauerhaft zu verankern.

Dirk Pott,
Mitgl. des Bundesvorstandes der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen e.V.


Diese gelungene Symbiose von Herrschaft und Demokratie ist der wahre Grund für die Zerschlagung Preußens durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 62

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