BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.63 (1. Quartal 2003)

Auszug


Vorwurf an die heutige Generation

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hörten wir immer wieder: „Warum habt Ihr Euch nicht gegen den Krieg und Hitler gewehrt?“
Ich war im Sommer 1939 noch nicht 19 Jahre alt und hatte in unserem kleinen Dorf in Hinterpommern nicht viel von Politik mitbekommen. Was hätte ich an Widerstand sonst leisten können, ohne durch Sippenhaft die ganze Familie in den Tod zu reißen?

Ein Vorwurf an die heutige Generation:

Was tut Ihr nun in einem Staat mit Meinungsfreiheit? — Nichts!

Müssen wir 80 Millionen in Deutschland durch einige übereifrige hundert Politiker in einen fürchterlich eskalierenden Weltbrand gezogen werden? Warum können wir nicht eine Volksabstimmung für den Frieden machen?

Im Notfall will ich an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe schreiben und fragen, ob wir unsere Solidarität mit den USA einhalten müssen, obgleich sich diese selbst nicht um Verträge kümmern — man denke nur an die Umwelt. Die Wirtschaft geht immer vor Energie-Sparen! Amerika hat einen schlimmen Verlust durch die Attentate erlitten, aber sollen 6.000 Menschenleben den Tod von Millionen (im Kriege) nach sich ziehen? Gewalt ist nicht mit Gewalt zu bekämpfen, besonders nicht gegen solche Fanatiker, die noch Blutrache kennen und außerdem gerne einen Opfertod auf sich nehmen (fürs Paradies). Amerika hat durch seinen Krieg in ein Wespennest gestoßen — aber es trifft die falschen. Wenn der Saudi Osama bin Laden bei den Afghanen in einer fanatischen Sekte aufgenommen wurde, warum soll das dortige Volk darunter leiden? Die USA haben sich durch jahrelange falsche Politik (Unterstützung mit Kriegsmaterialien und Hetzkampagnen gegen Araber für Israel) in die Lage gebracht. Sie werden sich durch den Verstoß gegen das Völkerrecht (Bomben auf Zivilbevölkerung, Krankenhaus, Rot-Kreuz-Depot) noch mehr Haß zuziehen. Da nützen auch Tausende von Hilfspaketen nichts. Zuckerbrot und Peitsche! Was soll so ein armes Land Afghanistan nach dem Krieg, falls jemand überlebt nach Bomben, Hunger, Winterkälte und Massakern, mit verwüstetem Boden voller Minen und Kriegskrüppeln? Ich sehe immer noch den USA-Flieger nach dem ersten Kriegseinsatz im TV, wie er menschenverachtend seine Bombenabwürfe mit einem Sieg auf dem Fußballplatz vergleicht, stolz und ohne Scham! Ich habe als Schwester den Bombenkrieg in Stettin mitgemacht; pflegte verstümmelte und verbrannte Menschen, habe auf der Flucht vor den Russen in den Westen mit unserem Treck aus unserem Dorf (den ich in Grimmen traf) gezielte Tieffliegerangriffe auf Pferde und Wagen mit Zivilisten (Kinder, Frauen, Greise, Behinderte) miterlebt.

Meine Eltern flohen mit fünf Töchtern, einer Schwiegertochter und dreizehn Enkeln. Der Älteste von ihnen wurde unterwegs sechs Jahre alt. Die Kinder träumen heute noch von diesen Schrecken! Zwei Säuglinge haben die lange Fahrt von Deutsch Krone (nahe der polnischen Grenze) bis Kiel-Suchsdorf (der Kanal war gesperrt) nicht überlebt. Zwei Brüder von mir waren schon vorher gefallen (als U-Boot-Leutnant und als Fliegerhauptmann), ebenfalls Vettern, Onkel, — drei Kinder meiner Tante sind im Bombenangriff umgekommen. Zahlreiche Verwandte wurden durch Luftangriffe obdachlos in Stettin, Berlin, Köln und überall. Daß ich und meine Erlebnisgeneration nie wieder Krieg erleben möchten — ein heutiger würde noch grauenhafter und menschenverachtender sein —, ist wohl verständlich und unser Ruf nach Einsicht und Frieden erst recht!

Wir wollen die Welt bewohnbar lassen und mit uns sicher unzählige Mütter mit Kindern und Väter mit kriegstüchtigen Söhnen! Dafür würde ich sogar in Kauf nehmen, die PDS zu wählen, da sie die einzige Partei Deutschlands ist, die für Frieden eintritt. Ich war zeitlebens gegen die Kommunisten, die so viel Elend und Kriecherei ins Land gebracht haben. Aber unsere Regierung zwingt ja direkt friedliebende Menschen zu dieser Wahl!

Bush, der von seinen falschen Regierungsansätzen und Mißerfolgen wie sein Vater durch einen Krieg ablenken will, kann es nicht ertragen, daß sein Ansehen, Großmacht USA, durch so simpel durchgeführte Angriffe gelitten hat (trotz Geheimdienst, Militär, Raketenabwehr!). Aber mit Gewalt erreicht er keine Ehre zurück. Eher durch seine Geheimdienste und Klugheit. Er kann nicht wie ein gereizter Junge zurückschlagen, sondern sollte die Millionen für Waffen lieber einsetzen, um allen Völkern ein menschengerechtes Dasein zu ermöglichen. Es gibt nichts Gutes, es sei man tut es!

Lore Felde


Diesen Leserbrief erhielten wir unter dem 18.10.2001. Er könnte heute geschrieben worden sein, wenn Afghanistan durch Irak und Osama bin Laden durch Saddam Hussein ersetzt würden. Von der Ausrottung der Indianer bis zur „Absetzung“ von Saddam Hussein eine Linie: Macht vor Recht — oder auch Öl vor Blut.

Was geht in den Köpfen derer vor, die dies zu verantworten haben?

Horst Zaborowski


UDH Nr. 63

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