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BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.64 (2. Quartal 2003)

Auszug


Gedanken aus der Provinz zum Irak-Konflikt:

Den USA droht der Anfang vom Ende der Weltmacht

Angst treibt die Menschen um, die Angst vor dem Krieg, aber auch vor einer neuen Weltordnung, einseitig dominiert durch die Amerikaner. Die Regierung Bush hat ihren Anteil dazu beigetragen, diese Sorgen zu schüren. Ob es um den Internationalen Strafgerichtshof, den Klimaschutz oder nun eben den Irak geht, stets haben die USA ihren Weg verfolgt, ohne wenigstens die Kooperation mit ihren westlichen Partnern zu suchen.

„Amerika allein zu Haus“ könnte man titeln, denn seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die USA die einzige verbliebene Supermacht. Doch diese unumstrittene Machtposition birgt nicht nur für potentielle Gegner Washingtons Gefahren, sondern vor allem für die USA selbst. Denn wie jede Weltmacht vor ihr, von den Römern angefangen, wird auch diese schleichend erodieren, wenn die Konflikte an der Peripherie überhand nehmen.

Noch handelt es sich nur um den Irak, aber weitere Krisenregionen könnten dieses Problem rasch an Dringlichkeit übertreffen: Nordkorea droht offen mit Atomwaffen, zwischen Indien und Pakistan herrscht nur mühsam ein Waffenstillstand, der Kaukasus kommt nicht zur Ruhe.

Strategische Interessen hat eine Weltmacht, zumal in Zeiten der Globalisierung und der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, im Zweifel überall. Ein Blick auf die vergangenen Weltreiche, von den Römern über die Spanier bis zu den Briten, lehrt aber vor allem eins: Auch das stärkste Imperium ist auf Dauer nicht in der Lage, mehrere militärische Konflikte an den Rändern seines Herrschaftsbereiches gleichzeitig auszufechten. Die Versorgungswege sind zu lang, der Unterhalt großer kämpfender Einheiten überfordert langfristig auch die stabilsten Volkswirtschaften. Der Kampf um die Sicherung vermeintlich unverzichtbarer Ressourcen — einst das Gold, heute vielleicht das Öl — kostet mehr als er schließlich einbringt. Weltreiche werden die Opfer ihres eigenen Erfolges.

Leider hat man zur Zeit nicht den Eindruck, daß das Weiße Haus seine Lehren aus Aufstieg und Fall früherer Imperien ziehen würde. Wie sonst ließe sich erklären, daß offensichtlich in Teilen der US-Regierung die Hoffnung besteht, nach einem gewonnenen Krieg gegen den Irak einfach die politische Landkarte im Nahen Osten neu zeichnen zu können. Die USA würden damit nur Fehler wiederholen, die einst die ehemaligen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich begingen. Der Unfriede in dieser Weltregion ist nicht zuletzt darin begründet.

Um die USA von genau diesem für sie selbst unheilvollen Weg abzuhalten, wäre es erforderlich, daß Europa als starker Partner zur Verfügung stünde. Noch immer verbindet die beiden Seiten des Atlantik mehr, als daß sie trennt. Weltpolitische und wirtschaftliche Verantwortung läßt sich so besser tragen. Deshalb muß Europa lernen, mit einer Stimme zu reden und zu handeln. Amerika braucht dieses Europa. Sonst erleben wir in diesen Tagen nicht den Beginn der amerikanischen Weltherrschaft, sondern den Anfang vom Ende einer weiteren Weltmacht.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, 24. Februar 2003, Seite 4
Sibylle Quenett


UDH Nr. 64

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