BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 66  ¦  Oktober – Dezember 2003


Zentrum gegen Vertreibung in Berlin

Brief an den Bundeskanzler

Offenbach, den 23. September 2003

 

Betr.: Zentrum gegen Vertreibung in Berlin

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
einer AP/dpa-Meldung habe ich entnommen, daß Sie sich mit dem Ministerpräsidenten Polens, Herrn Leszek Miller, in Gelsenkirchen getroffen hätten und Sie beide übereingekommen seien, daß es ein „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin nicht geben werde.

Für mich, einem von Polen aus seiner ostpreußischen Heimat Vertriebenen, dessen Vorfahren seit über 600 Jahren dort lebten, ist eine solche Einstellung eines deutschen Bundeskanzlers kaum zu glauben. Ihren Gesprächspartner, Herrn Miller, dagegen, verstehe ich sehr gut. Wer will schon an die Schandtaten seines Volkes erinnert werden, wenn er kein Deutscher ist!

Seit langem muß ich feststellen, daß deutschen „Staatsmännern“ der Mumm fehlt, deutsch zu denken und deutsch zu handeln. Diese für die Nation folgenschwere Unterlassungssünde bemänteln Sie mit dem Hinweis, Deutschland betreffende Fragen der EU zu überlassen, die dann weise entscheiden wird, zugunsten Polens natürlich. Dagegen hätte ich nichts einzuwenden, wenn auf diesem Denkmal zuerst in polnischer, dann in deutscher Sprache stehen würde:
Dem Gedenken an die 12,5 Millionen von Polen vertriebenen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat und die bei dieser völkerrechtswidrigen Handlung zu Tode gekommenen Deutschen, teils durch Strapazen, öfter aber unter polnischen Knuten.“

Ich spinne? Keineswegs! Nur Wissen, über das Sie als deutscher Bundeskanzler nicht zu verfügen scheinen, aber besitzen müßten, wenn Sie in eine friedliche Zukunft gerichtete Politik anstreben, denn ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit — und ohne Gerechtigkeit kein Friede. Eine Binsenweisheit, die sich in der Geschichte aber tausendfach bewahrheitet hat.

Am 10. Dezember 1927 las ich in unserer „Mohrunger Kreiszeitung“, was Polens Marschall und Staatsmann Josef Pilsudski zum deutschen Reichsaußenminister Gustav Stresemann, ein wahrhaft deutscher Außenminister, gesagt hat, als erneut eine Welle der Besorgnis vor einem polnischen Überfall auf Ostpreußen umherging: „Sehen Sie, Herr Minister, das habe ich schon als Kind gewußt. Da sind wir Kinder oft von unserer litauischen Heimat aus über die damals russisch-deutsche Grenze gefahren…., über die Grenze, die nicht nur zwei Länder, sondern zwei Welten schied: So ganz anders erschien uns das benachbarte Ostpreußen, in dem alles deutsch war, selbst die Masuren, die damals noch mehr als heute ihren slawischen Dialekt sprachen. Nein, Ostpreußen ist ein unzweifelhaft deutsches Land. Das ist von Kindheit an meine Meinung, die nicht erst der Bestätigung durch eine Volksabstimmung bedurfte. Und daß dies meine Meinung ist, können Sie ruhig Ihren Ostpreußen in einer öffentlichen Versammlung in Königsberg zur Beruhigung mitteilen.“

Zu jener Zeit, und das sollten Sie auch wissen, mußten wir Ostpreußen, wenn wir z.B. nach Berlin reisen wollten, durch den sogenannten „Polnischen Korridor“ (deutsche Provinzen Posen und Westpreußen, die 1918 ohne Volksbefragung Polen zuerkannt wurden) fahren. In Dirschau kam eine polnische Lokomotive vor den deutschen Zug und die Abteile wurden verschlossen. In Konitz erhielten wir wieder eine deutsche Lokomotive und die Abteile wurden entriegelt. Auf der Rückfahrt dieselbe Prozedur.

Auch sollten Sie wissen, daß, obwohl Polen in Versailles auch viele Rechte und weite Gebiete zuerkannt wurden, die nicht im Rahmen berechtigter Ansprüche lagen, und es nicht einmal gewillt war, die ihm auferlegten Minderheitenschutzbestimmungen ausreichend zu achten. Am 15.6.1932, also 12 Jahre vor Ihrer Geburt, fand im britischen Oberhaus eine ausführliche Aussprache über die polnische Minderheitenpolitik statt. Dabei wurde unter anderem folgendes hervorgehoben: „Die Frage der deutschen Bevölkerung ist eine sehr dringende Angelegenheit. Aus dem Korridor und Posen sind bereits nicht weniger als 1 Million Deutsche abgewandert, weil sie die Verhältnisse dort unerträglich finden. Die Abhängigkeit jeder Person von der Gunst der örtlichen Behörden für die Erlangung einer öffentlichen Konzession wird benutzt, um große Teile der Bevölkerung loszuwerden. 45% der deutschen Kinder in Thorn und Posen sind ihrer Schulen beraubt und in polnische Schulen getrieben worden… In der Gesamtzahl der Schulen ist ein Rückgang von 50% eingetreten. Es besteht eine direkte Verletzung des Artikels im Vertrag mit Polen, der bestimmt: „Polen wird dafür sorgen, daß in den Volksschulen der Unterricht den Kindern in ihrer eigenen Sprache erteilt wird.“

Lord Cecil hatte als Delegierter der britischen Regierung die Anwendung des Terrors in der polnischen Minderheitenpolitik als „das Gewissen der Menschheit erschütternd“ bezeichnet. Der Vertreter der britischen Regierung im Oberhaus sagte dann abschließend u.a.: „Nur mit großem Widerstreben kritisiert man einen befreundeten Staat. Wie die Beratungen im Völkerbundrat gezeigt haben, wird aber nichts gewonnen, wenn man den Bruch von Verträgen ignoriert, falls diese Vertragsbrüche abgestellt werden können. Wir dürfen nicht vergessen, daß Polen ganz besondere Ursache hat, diese Verträge zu achten, denn die ihm zuerkannten Annexionen wurden ihm nur unter der Bedingung gestattet, daß es in diesen Gebieten Autonomie gewährt.“

Nach der britischen Garantieerklärung für Polen am 31. März 1939 nahmen die polnischen Ausschreitungen gegen Deutsche und Einfälle in Deutsches Reichsgebiet besorgniserregende Formen an. Am 3. August 1939 schreibt der flämische Schriftsteller Ward Hermanns, der Polen in jenen Tagen bereiste: „Die Polen haben das letzte Gefühl für Maß und Größe verloren. Jeder Ausländer, der in Polen die neuen Landkarten betrachtet, worauf ein großer Teil Deutschlands bis in die Nähe von Berlin, weiter Böhmen, Mähren, die Slowakei und ein riesiger Teil Rußlands in der überaus reichen Phantasie der Polen schon annektiert sind, muß denken, daß Polen eine riesige Irrenanstalt geworden ist.“

Der in den USA lebende Sachkenner der polnischen Minderheitenpolitik, Dr. Stephan Horak, dessen Landsleute in den von Polen annektierten Gebieten der Ukraine denselben polnischen Minderheitenterror haben ertragen müssen, in seinem Buch „Poland and her national minorities 1918-1939“: „Alle Vereinbarungen und Versprechen des guten Willens mißachtend, die auf die Proteste der deutschen (Volks-) Gruppe in Polen hin häufig wiederholt wurden, setzte Polen seine Politik der Verletzung bis zu den letzten Tagen seines Bestehens als unabhängige Nation fort. Für den Historiker ist das Fehlen guten Willens von seiten des jungen polnischen Staates offensichtlich. — Vielleicht würden sich die deutsch-polnischen Beziehungen anders entwickelt haben, wenn Polen nicht gewünscht hätte, durch den Gebrauch von Gewalt eine Entwicklung von mehr als hundert Jahren umzukehren. — Die Ereignisse von 1918 bis 1939 scheinen die Ansicht zu stützen, daß die Polen eine goldene Möglichkeit, ihre Duldsamkeit und politischen Scharfsinn zu beweisen, (gewollt) versäumten. — Mit der Ausrottung der deutschen nationalen (Volks-)Gruppe in Polen beschäftigt, verfehlte Polen in Betracht zu ziehen, daß sein westlicher Nachbar, Deutschland, nicht gezwungen werden konnte, alles zu vergessen, was „drüben“ geschah.“

Nach all den von Polen begangenen Ungeheuerlichkeiten, einschließlich der provokanten Mißachtung der Minderheitenschutzgesetze, erscheint nach Professor Dr. Gotthold Rhode (Universität Mainz) nun in Polen der Kriegsausbruch vom 1.9.1939 als ein völlig unschuldig erlittener Überfall durch den übermächtigen deutschen Nachbarn, gewissermaßen als Schlag aus heiterem Himmel gegen ein ahnungsloses Land, wobei ganz vergessen wird, daß Polen sich seit dem März 1939 (also nach der britischen Garantieerklärung, dem sogenannten „Blankoscheck“ vom 31.März 1939) in einer ständig gesteigerten Kriegsstimmung befand, daß in zahlreichen Aufsätzen und Leserzuschriften in Zeitungen der Krieg dringend gewünscht wurde, daß durch Aktionen wie die Meldung zu einem Kommando lebender Torpedos nach mißverstandenem japanischem Vorbild und durch Vorträge polnischer Offiziere die Qualitäten polnischer Soldaten in den Himmel gehoben wurden und die deutsche Ausrüstung als minderwertig bezeichnet wurde, eine Stimmung erzeugt wurde, die von einem raschen Marsch nach Berlin träumen ließ, zumal die Briten doch Hilfe versprochen hatten, die sich dann als Seifenblase erwies, und das polnische Volk eine deutsche Besatzung ertragen mußte, und die, die sie ihnen eingebrockt hatten, sich ins sichere Ausland absetzten und von London aus dann ihr Volk zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer aufforderten, wohl wissend, daß es dabei Kopf und Kragen riskierte.

„Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht vermeiden können, selbst wenn es das wollte“, plusterte sich ihr Marschall Rydz-Smigly Mitte Juni 1939 vor polnischen Offizieren, Reserveoffizieren und Offiziersanwärtern auf, wofür er von diesen mit frenetischem Beifall bedacht wurde. Nachdem er den dringend gewünschten Krieg erhalten hatte, kämpfte er nicht an der Spitze seiner Truppen bis zum letzten, sondern brachte sich mit seiner Flucht nach Rumänien in Sicherheit.

Das sind die Fakten, die von niemandem widerlegt werden können. Deshalb ist es mir unverständlich, daß Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sich gegen die Errichtung eines Denkmals für die aus ihrer Heimat vertriebenen Ostdeutschen hartnäckig sträuben. Noch unverständlicher ist mir, daß in Berlin die Errichtung eines Denkmals geplant ist, das an die unter dem NS-Regime verfolgten Schwulen erinnern soll, weil diese Gruppe in der bisherigen Gedenk-„Kultur“ zu wenig beachtet worden wäre.

Die Bundestagsfraktion Ihrer Partei und die der Grünen hat einer Presseerklärung zufolge einen solchen Antrag bereits eingebracht. Erklären Sie mir bitte, Herr Bundeskanzler, diesen Zwiespalt menschlicher Natur!

Sollte der Bundestag die Errichtung eines solchen Denkmals beschließen, dann sollte es aus zwei in Stein gehauenen Herrschaften aus dieser Zielgruppe in eindeutiger Position bestehen. Dann könnte man es auch dem politisch unkorrektesten Deutschen zeigen, daß es eigentlich die Schwulen waren, die während des Zweiten Weltkrieges wirklich den A… hingehalten haben.

Es gibt im Deutschen ein Sprichwort: „Sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist“, aber auch ein Sprichwort: „Wie nach einem verlorenen Krieg ein Volk seine Soldaten und seine Toten und andere Kriegsopfer, hier die Vertriebenen, behandelt, daran erkennt man den Charakter dieser Nation“.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich Ihnen anstatt meines Originalschreibens, die Ablichtung desselben übersende. In meinem Alter fällt mir das Maschineschreiben von Tag zu Tag schwerer. Ich bin Jahrgang 1914 und somit 30 Jahre älter als Sie. Wie Ihr Herr Vater habe auch ich am Zweiten Weltkrieg teilgenommen und trage mit ihm das Schicksal, von Linken und Grünen als „Verbrecher“ beschimpft zu werden. Da kann man nur bitten: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

(Vielen Dank, Herr Kurreck! — Die Redaktion)

Liebe Freunde,
Auf Seite 30 dieser Zeitung [] ist die Beschwerde beim polnischen Justiz­ministerium gegen das Landgericht in Liegnitz/Niederschlesien abgedruckt. In unserer 1. Ausgabe in 2004 wollen wir möglichst viele heimatvertriebene Privat-Eigentümer mit ihren Ansprüchen zu Wort kommen lassen.

Schicken Sie uns bitte Kopie der von Ihnen getätigten Privat-Eigentums-Sicherung zu. Wenn möglich auch ein Bild oder eine Skizze. Wir werden diese Sonderausgabe den Abgeordneten des Europaparlamentes zukommen lassen mit einer Eingabe, in der die freie Verfügbarkeit über deutsches Privat-Eigentum verlangt wird.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 66

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