BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 67  ¦  Januar – März 2004


Vor 145 Jahren — 27. Januar 1859 — Geburt Kaiser Wilhelms II

Am 27. Januar 1859 wurde der deutsche Kaiser Wilhelm II. in Potsdam geboren. Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., bestieg er am 18. Juni 1888 den deutschen Thron. „Auf den Thron Meiner Väter berufen, habe Ich die Regierung im Augenblick zu dem Könige aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Beispiel Meiner Väter Meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu sein, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein.“ Mit diesen Worten schloß Kaiser Wilhelm II. seinen Aufruf „An mein Volk!“ anläßlich seiner Thronbesteigung. Der Aufstieg des Deutschen Reiches zur ersten Industriemacht Europas, einer friedvollen Entwicklung, ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war unwiderruflich der Schöpfer einer modernen Ära des Staatsaufbaus. Geschichtsschreiber haben Wilhelm II. nicht nur als repräsentativen Herrscher der deutschen Geschichte erkannt, sondern ihm auch den Rang eines genialen Staatsmannes zugebilligt. Nur Historiker der bundes­republikanischen Nachkriegszeit diffamieren Person und Regierungszeit Wilhelm II. in unerträglicher Weise. Doch gilt es gerade hier mit einem gewissen Maß an Verantwortungsgefühl und neutraler Sichtweise, die Meßlatte richtig anzusetzen. Man darf vor allem nicht vergessen, daß seine Einzigartigkeit in der Vielfalt, der Reichtum seiner persönlichen Ausstrahlung und seine Veranlagungen dazu führten, daß er 25 Jahre seiner Regierungszeit ohne Krieg umsichtig meisterte. Der Erste Weltkrieg 1914 wurde nicht vom ihm verschuldet. Für seine ausländischen Beurteiler war und blieb Wilhelm II. schon dank seines Renommees für Wissenschaft und technischen Fortschritt der große Staatsmann par excellence. Hier scheint man unwillkürlich manche der technischen Großtaten seiner Ära direkt mit der Schaffung und Erbauung des Nord-Ostsee-Kanals (Kaiser-Wilhelm-Kanal) in Verbindung zu bringen, für den er sich persönlich als der große Initiator und Katalysator verantwortlich zeigte. Oder auch sein Einwirken bei der Schaffung einer beispiellosen Sozialgesetzgebung.

Wilhelm II. war ein Staatsmann, der die technische Findigkeit mit der Bewahrung guter Traditionen verknüpfte. Doch gerade durch seine sozialpolitischen Bestrebungen, von denen er sich eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit dem Staat erhoffte, geriet der Kaiser in schärfsten Gegensatz zu Reichskanzler Bismarck, dessen Rücktritt er 1890 selbstbewußt veranlaßte. Doch diese unüberlegte Entlassung und seine ungeduldige Erwartung sozialpolitischer Erfolge überschattete Wilhelms im Grunde wohlmeinende Haltung. Nach der von den Linken angestachelten Novemberrevolution 1918 ging Kaiser Wilhelm II. ins Exil in die Niederlande, wo er am 4. Juni 1941 verstarb.

Patric Cremer


UDH Nr. 67

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