BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.67 (1. Quartal 2004)

Auszug


Ostpreußen, du deutsches Land, mein Heimatland!

Von Gerda Saborowski-Baltruschat

Die erste wichtige kartographische Darstellung Ostpreußens schuf der Pfarrer und Kartograph Caspar Hennenberger (1526–1600). Sein Grab befand sich an der Löbenichtschen Kirche in Königsberg. Die höchsten Bodenerhebungen sind die Seesker Berge im Osten bei Goldap mit 309 und die Kernsdorfer Höhen im Westen bei Hohenstein mit 313 Metern Höhe. Andere bedeutende Erhebungen sind der Schloßberg bei Stablack = 216 Meter, die Elbinger Höhen 198 Meter, der Galtgraben im Samland 110 Meter. Höchster Punkt im nördlichen Landesteil an der Memel ist der 73 Meter hohe Kapellenberg in den Willkischker Höhen. Höchste Erhebung in unmittelbarer Küstennähe ist der 73,5 Meter hohe Karlsberg am Südrand von Rauschen. Die eigentliche Steilküste des Samlandes hat die Höhe von 60 Metern.

Neben den wogenden Getreidefeldern, Kartoffel- und Rübenanbau, die das Gebiet überwiegen, der Städte, Güter, Schlösser, Dörfer und Abbauten (außerhalb der Dörfer), Wiesen, gibt es Wald, Wasser und auch Moor, in der Elchniederung, wo sich unsere Elche aufhielten, wohlgemerkt bis 1945.
Der Waldanteil an der Gesamtfläche der Provinz beträgt 701 387 Hektar oder 19 Prozent. Vorherrschend ist Nadelwald mit 543 000 Hektar, darunter 356 000 Hektar Kiefern. Der größte zusammenhängende Waldkomplex Ostpreußens und zugleich der größte Forst ist die mit 970 Quadratkilometern große „Johannisburger Heide“, die von 16 Oberförstereien betreut wurde. Die besten Kiefern sollen auf den Sandbodenstellen Masurens wachsen. Ein vor dem Ersten Weltkrieg angelegter Teil des Hamburger Hafens soll noch heute auf Kiefernstämmen aus der Oberförsterei Pfeilswalde im Kreis Sensburg stehen.
Übrigens gibt es im Hamburger Hafen noch eine sehr auffällige Erinnerung an Ostpreußen: Der — alte — Elbtunnel an den Landungsbrücken ist mit Kacheln aus Cadiner Majolika ausgelegt. Cadinen liegt im Frischen Haff. Dort befindet sich auch das Eigentum der Preußen-Familie des Hauses Hechingen.

Ostpreußen, auch Land der Tausend Seen. — Bei einer genauen kartographischen Bestandsaufnahme in Ost- und Westpreußen in den Jahren 1796–1802 im Auftrag des Preußischen Provinzialministers Freiherr von Schrötter, wobei das Land genau vermessen und das Ergebnis in einem umfangreichen Kartenwerk niedergelegt wurde, hat man u.a. in Ostpreußen 3 300 Seen gezählt. Die meisten davon befinden sich im südlichen Teil Ostpreußens. Der größte See ist der 146 Quadratkilometer große Spirdingsee mit 25 Meter Tiefe. Der tiefste See ist der Löwentinsee bei Lötzen mit 40 Meter Tiefe. Die beiden Haffe haben nur fünf bis sechs Meter Tiefe. Der Reihersee wurde von Menschenhand angelegt. Der 30 Kilometer lange Stausee speichert die Wasserreserve für das Ostpreußische Kraftwerk Friedland im Kreis Bartenstein, das bis 1945 Ostpreußen besonders im nördlichen Teil mit Strom versorgte. Das größte Hochmoor ist das große Moosbruch südlich des Kurischen Haffs mit 15 000 Hektar.

Das Nehrungsdorf Rossitten wurde im 20. Jahrhundert durch zwei Institutionen in aller Welt bekannt: Einmal durch die Vogelwarte, die unter Leitung des „Vogelprofessors“ Johannes Thienemann Weltgeltung genoß, zum anderen durch die Segelflugschule. Die Vogelwarte Rossitten ist heute im Schloß Möggingen bei Radolfzell ansässig; aber auch in Rossitten wird Thienemanns Werk von sowjetischen, jetzt russischen Wissenschaftlern in etwa weitergeführt. Mehr als 500 000 Zugvögel überflogen in jedem Herbst die Kurische Nehrung. — In der Segelflugschule wurden mehrere Weltrekorde erflogen, zuletzt durch die Segelflieger Bödecker und Zander im Winter 1938 ein Dauerflugrekord mit 50,15 Stunden. An der Samlandküste zwischen Palmnicken (Bernsteingewinnung) und Brüsterort stellte übrigens im Herbst 1943 der fränkische Segelflieger Ernst Jachtmann einen neuen Dauerflugrekord für Einsitzer mit 55,51 Stunden auf, der aber infolge des Krieges nicht entsprechend gewertet wurde.

Es gibt Russen, die unser Königsberg rückbenannt haben wollen, aber unsere Neudeutschen, Politiker, Touristen und Kirchenfürsten sprechen oft von Kaliningrad. — Ich kann als Zeuge von 1945 noch sagen, daß selbst die Steine der frevelhaft zerstörten deutschen Bauten deutsch sprechen!

→ Fortsetzung folgt
Die angekündigte Fortsetzung ist nie erschienen; stattdessen gab es ab Nr. 70 die vierteilige Serie
Auf Spurensuche (Reisebericht nach und durch Ostpreußen).


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UDH Nr. 67

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