BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.73 (2. Quartal 2005)

Auszug


Globalisierungs-Euphorie

Die Ja-Sager zum globalen Freihandel beeindrucken nicht nur durch ihre grausame Logik. Solide Statistiken belegen, der Wohlstand der offenen Entwicklungsländer und deren Lebenserwartung sind gestiegen. Weil Kriege dem Freihandel schaden, hat es in den letzten Jahrzehnten auch kaum große Kriege gegeben. Doch über die Auswüchse dieses Wandels, über deren „Preis“ und schon überhaupt nicht, wohin das alles führt, wird nicht gesprochen.

Wenn wir die Globalisierung wie auch jede Entwicklung als eine Gleichung mit vielen Variablen betrachten, so stoßen wir vor allem auf die globale Begrenztheit von mehreren Faktoren, z.B.:

Die (offizielle) Grundidee der Globalisierung, „Wohlstand für alle“, führt zu mehr Industrie, ja, zu einer ökologischen Katastrophe.

Die UNO, weitgehend von USA befehligt, fördert durch Hilfsaktionen im Namen der „Menschlichkeit“ das ungebremste Bevölkerungswachstum, gibt den „demographischen Aggressionen“ (z.B. der Albaner in Europa) einen freien Lauf und setzt damit die natürlichen Regulativen aus. Was aber letztendlich „menschlich“ ist (Carlo Schmidt: „Wer Menschlichkeit sagt, will betrügen“), weiß nur der liebe Gott.

Vor allem das Parasitäre aus dem alten „guten“ Kapitalismus ist die treibende Kraft der Globalisierung. Hier der Wucher des Börsenkapitals: täglich sausen zwei Billionen $ um den Globus, zu 95% Spekulativkapital. Gewinne steigen schneller als das Wachstum. Die Steigerung der Renditen bis zu 25% ist ein Ausplünderungs-Rekord der Arbeit. Die Managergehälter gegenüber dem Arbeiterlohn stiegen vom 44fachen in der Kennedy-Zeit, bis aufs 326fache zur Jahrtausendwende.

Die globale Gleichmacherei auf unterstem Niveau stellt die Industrienationen in eine schlechtere Position als die der Südländer wegen erhöhter Energiekosten. Voraussetzungen für neue Arm/Reich-Klassenkämpfe sind perfekt.

Doch diesmal wird's schlimmer. „Der (Norbert Blüm) heimatlose, familienfreie, bloßgestellte Mensch soll der Prototyp der neuen flexiblen Weltgesellschaft sein. In der mobil gemachten Welt gibt es so wenig Nation wie Heimat, sondern nur Zugschwalben, die hinter der Konjuktur-Sonne herfliegen und sich dort niederlassen, wo die Futtertröge sind“. Durch Vermischung von Kulturen, Zerstörung der Identitäten, Lebensweisen, organischer Strukturen und durch soziale Zertrümmerung wird der Mensch entmenschlicht. Es droht ein Sturz in die Barbarei…

Diese Diktatur des Kapitals (wie die einst des Proletariats) wirkt totalitär und wird als ein Naturereignis empfunden. Macht- und ratlos dem Trend zu widerstehen, versucht die auf Wohlfahrt getrimmte Politik den Unmut der unteren Schichten durch Umverteilung auf Kosten der aktiven Bürger, des Mittelstands und durch weitere Staatsverschuldung zu besänftigen. Diese „inneren Blutungen“ sind zwar schmerzlos, aber aufzehrend. Die Politik, ohne innere Reserven, hat dann keinen Spielraum, ist machtlos, wird steuerlos von den Ereignissen getrieben.

Atemberaubend ist die Geschwindigkeit der Veränderungen. Goethes Warnung, „Jedes Wachstum der menschlichen Fähigkeiten, das nicht vom Wachstum seiner Güte begleitet ist, wird den Menschen schlechter machen“, stimmt — der Mensch verraut. Und der Rat des Philosophen Speamanns: „Man muß den Prozeß verlangsamen. Richtiger ist in Politik, dem Schlimmsten vorzubeugen, als das Beste zu erstreben“, trifft ins Leere. Ohne einen Paradigmenwechsel überstehen wir die Zukunft nicht. Wie wäre es z.B. mit der Zielsetzung: Raus aus der „Vorhölle der Globalisierung“ — EU, zurück zur EWG? Vorerst?

Franz Harder


UDH Nr. 73

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