BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.75 (4. Quartal 2005)

Auszug


Pommernland

Zunächst die Frage: Wo liegt dieses Land? In Ostdeutschland? — Wo liegt Ostdeutschland? — Natürlich in der ehemaligen DDR. Nein — weit gefehlt. Pommernland liegt in Ostdeutschland, und Ostdeutschland ist weder Brandenburg noch Sachsen, weder Thüringen oder Mecklenburg. Ostdeutschland ist das Land östlich der Oder. Pommernland das ist — das Land am Meer — an der Ostsee. Dagegen ist Westpreußen, Posen und Teile von Ostpreußen, von Schlesien und weitere Gebiete von Westdeutschland und Süd- und Norddeutschland, den Deutschen mit und ohne Volksabstimmung von den Polen und den Nachbarstaaten geraubt worden. Völkerrechtlich war die Stimme eines Inders ausschlaggebend, der die Bedeutung nicht erkannte. Es liegt östlich der Oder. Zu Ostdeutschland gehört Schlesien mit allen geraubten Gebieten, auch durch die Tschechoslowakei. Zu Ostdeutschland gehört natürlich auch Hinterpommern, Westpreußen, Posen, Ostpreußen und das Memelland mit der Königin-Luise-Brücke, die heute von den Russen behelfsmäßig zusammengeschustert ist. Das Land am Meer mit dem milden Klima und der reinen Luft war schon vor 4000 Jahren vor der Zeitrechnung (Chr.) bewohnt. Die Ausgrabungen belegen, dass die Menschen einem nordischen Kulturkreis angehörten. In der Bronzezeit (2000–800 vor Chr.) folgten germanische Stämme aus dem Norden. Die Pomoranen mit den Kaschuben übernahmen das Gebiet östlich der Oder. Dagegen bewohnten die Liutizen das Gebiet westlich der Oder bis zur Warnow in Mecklenburg.

Ab dem 12. Jahrhundert trat eine West-Ost Bewegung ein. Die Pommerschen Herzöge riefen deutsche Adlige ins Land, die ihrerseits niedersächsische, westfälische und rheinische Bauern nach sich zogen, da der deutsche Bauer in der Bewirtschaftung des Bodens den Wendischen weit voraus war. So ist die deutsche Besiedlung im ganzen als eine wirtschaftliche und kulturelle Erschließung eines noch unterentwickelten Gebietes anzusehen.

Das Grenzland Pommern kann man auch „Land ohne Frieden“ nennen. Pommern litt Jahrhundert um Jahrhundert unter Teilung und Kampf, unter Besetzung und Bevormundung. Dänen und Russen, Schweden und Preußen, Polen und Deutschordens-Ritter stritten um den Besitz dieses Winkels deutscher Heimat. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts waren es besonders die Dänenkönige, die das pommersche Land stark bedrängten. Insgesamt zählte man 22 Kriegszüge der Dänen in Pommern. 1756–1763 im siebenjährigen Krieg fallen die Russen mehrfach in Pommern ein und belagern dreimal Kolberg.

Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg, deine Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg!

Der alte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. schrieb in sein politisches Testament: Sie sind treu wie Gold, blieben nicht nur der Sprache, sondern auch der Gesinnung nach allezeit gute Deutsche. Die Pommern blieben deutsch, vielen Versuchungen und auch vielen Anfeindungen zum Trotz.

1807 wird Kolberg ebenfalls vergeblich von den Franzosen belagert. Gneisenau und Nettelbeck behaupten sich heldenhaft. Erst 1815 auf dem Wiener Kongress wird endlich Vor- und Hinterpommern frei und ganz mit Preußen vereint. Der alte Fritz sagte 1780: „Ich liebe die Pommern wie meine Brüder, und man kann sie nicht mehr lieben als ich sie liebe; denn sie sind brave Leute, die mir jederzeit in Verteidigung des Vaterlandes sowohl im Felde wie auch zu Hause mit Gut und Blut beigestanden haben. Für die Pommern galt und gilt: Ein Mann ein Wort!“ Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, Einsatzbereitschaft und Treue zeichneten die Pommern aus.

Pommern ist nicht nur ein Land im deutschen Reich. Pommern ist etwas ganz besonderes. Bereits im Jahr 1825 hatte Pommern die größte Segelschiffsflotte Preußens. Im selben Jahr wird das erste Dampfschiff in Stettin gebaut. Pommern ist das Land der großen Korn- und Kartoffelkammer. Ich denke an den Hof des Großvaters im Hinterpommerschen Kreise Rummelsburg. Dort wurden Korn, Raps und Kartoffeln angebaut; dort wurde Vieh aller Art gezüchtet und ein kleiner Wald gehegt. Wer da auf dem Hof beheimatet war, besaß alles, was er zum Leben brauchte: Brot, das selbst gebacken wurde, Milch und Butter, Käse und Eier, Fleisch und Wurst, Fische und Krebse aus einem zum Hof gehörenden Weiher, Öl und Erdfrüchte wie Kartoffeln und Rüben. Sogar der Schnaps — ein hochprozentiger dazu — wurde im eigenen Hause gebrannt. Die Welt um den auf einer kleinen Anhöhe gelegenen Besitz hätte versinken können — der Großvater hätte überlebt.

Auf noch nicht einmal neun Prozent aller Ackerflächen Deutschlands in den Grenzen von 1937 wurde der halbe Ertrag der gesamten ostdeutschen Landwirtschaft gewonnen: 47% an Getreide, 54% an Kartoffeln, 50% an Fleisch und über 70% an reinen Fetten. Das war allerdings nur durch einen geradezu sprichwörtlichen Fleiß möglich. Sie lebten durchaus nicht nur von Ackerbau und Viehzucht. Im Jahr 1939 gab es in Pommern, neben dem Standbein der Landwirtschaft, über 35000 Industriebetriebe.

Pommern hat eine 500 km lange Küste. Hinterpommern hat einen einmalig schönen weißen Badestrand. Pommern war das Bäder- und Ferienland an der Ostsee. Pommern war das Ferienland, das die naturhungrigen Großstädter aus Berlin, Sachsen und Schlesien Jahr für Jahr aufsuchten. Im Jahre 1939 wurden 8,4 Mio. Übernachtungen gezählt. Die medizinische Wirkung eines Aufenthaltes an der pommerschen Küste beruhte auf dem milden Seeklima, dem Salzgehalt des Meerwassers und der Luft, der starken ultravioletten Strahlung, der hohen Sonnenscheindauer, der staub- und keimfreien Luft. Ein besonderes Kleinod stellt der Ort Leba dar, der im 14. Jahrhundert durch den Danziger Komtur des Deutschen Ordens gegründet wurde. Das Städtchen liegt am gleichnamigen Leba-Fluss, der bei Groß Boschpol von Westpreußen nach Pommern strömt, S37 dann durch den ausladenden Lebasee fließt, um von dort in die Ostsee zu münden. Die Leba ist der östlichste pommersche Küstenfluss und entspringt in 165 m über NN im Langensee bei Miechuczyn im Endmoränengebiet von Karthaus. Leba gilt als Badeort, der im und vor dem Krieg von Großstädtern wie Stettinern aber auch von Berlinern als Urlaubsort gerne besucht wurde. Herausragend ist die einmalig schöne Dünenlandschaft mit ihrem besonders feinen und ganz weißen Sand — vergleichbar in etwa mit der Kurischen Nehrung in Ostpreußen, nur daß der Sand dort nicht so weiß ist wie in Leba. Der 75,30 qkm große Lebasee lädt auch heute noch zum Verweilen ein. Wegen der großen Wanderdünen, die den Ausfluss des Lebasees im Laufe der Zeit immer weiter nach Osten verschob, musste auch das Städtchen Leba verlegt werden. Die größte Wanderdüne ist die weit bekannte Londskedüne.

Pommern war Grenzland. Leider kam es immer wieder vor, dass die deutschen Randgebiete laufend von polnischen Horden überfallen wurden. Die Polen brandschatzten, mordeten, raubten und plünderten, und zwar in allen deutschen Gauen. Das deutsche Reich mit seinem Hunderttausend-Mann-Heer, war nicht in der Lage, dieses Unwesen an seinen Grenzen zu bekämpfen. Infolgedessen hat man in Pommern Notgeld gedruckt.

Die bitterste Stunde für die Pommern, aber auch für die übrigen ostdeutschen Länder, begann ab Mai 1945 als unsere Soldaten nicht mehr in der Lage waren, durch die gewaltige Übermacht der Feinde das deutsche Reich zu verteidigen. Das Bild der verlorenen Heimat in der Seele zu behalten, heißt nicht, sich wirklichkeitsfremd an eine Illusion hinzuwerfen. Denn dieses lebendige Bild in der Seele ist eine Kraft, so wie es ein Schmerz und eine Not auch ist.

„Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehen, bringen frohe Kunde Geister ungesehn, reden von dem Lande meiner Heimat mir, hellem Meeresstrande, düstrem Waldrevier.“

Lothar Bollwig


Pommernlied

Siehe Unsere Deutsche Heimat Heft 83


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UDH Nr. 75

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