BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 78  ¦  Juli – September 2006


Aus dem Nähkästchen:

Im Göttinger Tageblatt vom 22.03.1933 stand nachfolgender Artikel.

„Wir wollen Deutschlands Lehrling sein!“

Freiwilliger Arbeitsdienst nach deutschem Muster in den USA

Neuyork, 15. März. Präsident Roosevelt hat 500 Millionen Dollar Steuern aus dem neuen Biergesetz für die Beschäftigung von 300 000 jugendlichen Arbeitslosen in Arbeitslagern bereitgestellt und damit in einer Promptheit, die die amerikanische Öffentlichkeit erschütterte, eine Forderung erfüllt, die erst vor wenigen Tagen ein Exponent der amerikanischen Unterrichtsbehörde, Kenneth Holland, gestellt hat: „Wir wollen Deutschlands Lehrling sein!“

Kenneth Holland, der die furchtbare Gefahr von 400 000 in den USA herumvagabundierenden jugendlichen Arbeitslosen für die Moral einer ganzen Generation erkannt hat, weilte vor wenigen Wochen zu Studienzwecken in Deutschland, wo er besonders in Schleswig-Holstein die Freiwilligen Arbeitsdienstlager besichtigte. Er nahm einen Eindruck nach Amerika mit sich, den wohl die kategorische Forderung des Lernens am deutschen Vorbild am schlagendsten erhellt. Kenneth Holland, der übrigens einer der Leiter des Weltstudenten-Vereins ist, wurde von Washington berufen, um vor einem Kongreßausschuß Bericht über seine Beobachtungen zu erstatten. Hier sprach er sich in enthusiastischen Worten über diese energische Selbsthilfe Deutschlands zur Rettung seiner Jugend vor der moralischen Vernichtung aus. Er wies darauf hin, wie düster es in Deutschland aussah, in einem Land, das seiner Kolonien beraubt war und also kein Sicherheitsventil mehr für die überschüssige Bevölkerung hat. Und ein Land ohne Arbeitsmöglichkeit für eineinhalb Millionen Jugendlicher, ein armes Land, so führte er aus, ein von allen Seiten gedemütigtes und getretenes Land wußte sich zu helfen. Es schuf die Freiwilligen Arbeitsdienstlager, die für die gefährdete Jugend eine Brücke in eine gesunde Zeit darstellten, wie sie besser nicht gedacht werden könne und die dazu körperliche Entbehrungen dieser heimgesuchten Generation, verursacht durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre, in einer gesunden und guten Weise ausgleiche und aufhebe.


Liebe Freunde,
wer von Ihnen meinen Artikel „US-Imperium vor dem Zerfall?“ ← in Ausgabe 77 unserer Zeitung (Seite 7–8) gelesen hat, kennt meine kritische Einstellung zu politischen Entscheidungen in diesen Jahren. Auch die heutigen nationalen Kräfte sollten sich von der Glorifizierung frei machen. Für einen um das Wohl seines Volkes bemühten Deutschen müssen alle Handlungen der politisch Verantwortlichen, ob diese aus heutiger Sicht in die Vergangenheit schauen oder in Gegenwart und Zukunft, nüchtern auf das Ziel eines freien deutschen Volkes gerichtet sein. Es mag für manchen nicht schlüssig erscheinen, einerseits die politischen Handlungen der Führungseliten anzuprangern und andererseits Beschlüsse derselben Handelnden bereitwillig mitzutragen.

Ich bin diesen Beschlüssen, ob dem Dienst bei der Heimatflak, dem Arbeitsdienst oder dem Wehrdienst, ohne wenn und aber gefolgt. Politisch Handelnde sind nicht das Volk — sie stehen nur für eine bestimmte Zeit in der Regierungsverantwortung. Und in Kriegszeiten dient man nicht diesen „politisch Handelnden“ sondern seinem Volk, in das man gemäß Abstammung hineingeboren worden ist. In diesen Notzeiten ist die Bereitschaft, mitzuhelfen, erste „Bürgerpflicht“. Die Zeit für Abrechnungen kommt nach Ende der Notlage.

Darum kann ich aus heutiger Sicht meine Teilnahme am Arbeitsdienst noch positiver bewerten, als zu der Zeit als wir mit Schaufeln und Spaten in Schleswig-Holstein oder in der ungarischen Puszta Gräben für die Entwässerung des Landes ausgehoben haben. Es war für diejenigen von uns, die wir unsere Lehrlingsausbildung in Büros erhielten, nicht leicht. Die Blasen an den Händen taten verflucht weh. Gestorben daran ist keiner von uns. Für mich war es die Erkenntnis, daß man auch mit körperlicher Arbeit etwas leisten kann.

Wir waren als Jugend damals nicht gefährdet von Arbeitslosigkeit, nicht von Rauschgift oder mußten auf den Straßen leben, wie heutzutage es Tausenden geht.

Warum können die heutzutage politisch Handelnden nicht den Mut aufbringen, den damals Präsident Roosevelt aufbrachte, und unserer Jugend mit dem Arbeitsdienst einen Start in ein gesundes Leben bieten? — Frei von Rauschgift, frei von Kriminalität hin zu verantwortlichem Denken und Handeln für unsere Gemeinschaft. Nur kleine Geister pflegen Vorurteile!

Horst Zaborowski


UDH Nr. 78

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