BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 78  ¦  Juli – September 2006


220 Jahre Kyffhäuserbund — 110 Jahre Kyffhäuserdenkmal

Zwei Jubiläen sind in diesem Jahr zu begehen. Die Überschrift bekundet es bereits. Doch nun zur Sache!

Die Anfänge des Kyffhäuserbundes liegen im Todesjahr Friedrichs II., des Großen. In Wangerin/Pommern schlossen sich am 8.6.1786 vierzig ehemalige Soldaten des friderizianischen Füsilierregimentes von Brünning zu einer militärischen Schützenbruderschaft zusammen. Zwei Monate vor seinem Tode hatte der preußische König die Erlaubnis zu diesem Zusammenschluß erteilt. Ja, er verlieh ihnen auch eine Fahne des ehemaligen Regimentes und gab ihnen die Erlaubnis, diese mit dem königlichen Wappen zu führen. Zwei Jahre zuvor waren zwölf ehemalige Füsiliere des Infanterieregimentes 36 des Generalmajors von Brünning aus Wangerin nach Brandenburg/Havel marschiert. Sie waren beim Chef des Regiments vorstellig geworden und baten, an allerhöchster Stelle die Erlaubnis zu erwirken, in ihrer Heimatstadt eine Schützenbruderschaft gründen zu dürfen. Dieser Zusammenschluß der genannten ehemaligen Soldaten gilt als die Geburtsstunde des heutigen Kyffhäuserbundes. Ihre damals erarbeiteten Grundsätze und Statuten gelten sinngemäß auch heute. Sie wollten eine gute Ordnung unter sich errichten, kameradschaftlich gegeneinander sein, die aus dem Krieg heimkehrenden Verwundeten und Verkrüppelten betreuen. Witwen und Waisen litten wie viele ausgediente Soldaten große Not. Das Sozialwesen war nicht so entwickelt wie heute. Oft war nicht einmal das Geld für ein ordentliches Begräbnis vorhanden. Um diese sozialen Fragen, Pflege der Kameradschaft und soldatischen Tugenden kümmerte sich nun diese soldatische Vereinigung. Weiter fanden regelmäßig Schießübungen statt. Diese Tradition hat sich auch bis heute als wesentlicher Bestandteil des Kyffhäuserbundes erhalten. Auf Grund der guten Entwicklung kündigte König Friedrich Wilhelm II. 1788 ein Geschenk von 800 Reichstalern an. Er stellte aber strenge Bedingungen. Diese wollte er befolgt sehen. So wurden hohe Moral und Vorbildwirkung verlangt. Die Bruderschaften änderten ihre Statuten entsprechend. Das angekündigte Geschenk traf erst 98 Jahre später ein. Kaiser Wilhelm I. verwirklichte das Versprechen anläßlich ihrer 100-Jahrfeier. Durch die Napoleonischen Kriege 1806 bis 1815 wurde die Entwicklung des Kriegsvereinswesen gefördert. Die Wehrpflicht wurde 1840 in Preußen eingeführt. Der Verein wurde zu einer beachtlichen Gruppe. Mitglied konnte zunächst nur ein ehemaliger Frontsoldat werden.

Die anderen Kriegsvereine, die neben der genannten Vereinigung entstanden, hielten es ähnlich. Soziale Unterstützung der Veteranen und ihrer Angehörigen war eines der Ziele. Ideeller Zweck war, dem Kampf an der Front einen Sinn zu geben und die soldatischen Werte auch im Frieden zu pflegen. 1842 erfolgte die amtliche Anerkennung durch den König von Preußen durch die Kabinettsordre über die Rechte der Kriegsvereine. Sie regelt u.a. die Beissetzung verstorbener Kameraden, z.B. Trauergarden und drei Salven über dem Grab als Ehrengruß. Auch in anderen deutschen Ländern wurden Kriegervereine aktiv. Die Kriege von 1864, 1866, 1870/71 brachten Bewegung in die Kriegsvereine. Nach 1871 nahm man auch junge Deutsche auf, die ihren Dienst beim Militär auch in Friedenszeiten in Ehren abgeleistet hatten. Durch den Sieg von 1870/71 über Frankreich konnte das 2. Deutsche Reich entstehen. Kaiser Wilhelm I. gab die Anregung, die deutschen Kriegervereine zu einigen und damit ihre Arbeit, vor allem die soziale, zu bündeln. Es schlossen sich jedoch nur vierzig Vereine zusammen.

Erst durch Prof. Dr. Alfred Westphal, den ersten Schriftführer des Deutschen Kriegerbundes, wurde es möglich, den Zusammenschluß zu erreichen. Er erkannte, daß ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame Idee das Trennende überwinden konnte. Es war der Bau des Kyffhäuser-Denkmals auf den Kyffhäuserberg in Thüringen. War er doch ein Wallfahrtsort vieler deutscher Patrioten, die ein starkes Deutsches Reich unter einem Kaiser herbeisehnten. Sie dachten an die Sage vom Kaiser Friedrich I. Rotbart, der im Kyffhäuserberg schlief, um zur gegebenen Stunde das Deutsche Reich zu erneuern. Nun war der Traum Wirklichkeit geworden! Am 9.3.1888 starb Kaiser Wilhelm I.. Dr. Westphal schlug nun vor, das Denkmal zu Ehren des verstorbenen Kaisers zu errichten. Nach Annahme seines Antrages erfolgte 1892 die feierliche Grundsteinlegung und nach vier Jahren Bauzeit die Einweihung des Denkmals. Es wurde mit dem Buntsandstein des Kyffhäusergebirges errichtet. Ausschließlich durch Spenden wurde die Errichtung des Denkmals finanziert. Kaiser Wilhelm II. und Bismarck hatten das Ehrenprotektorat des Bundes inne. Im Laufe der Zeit entstanden auch viele soziale Einrichtungen (Heime). Dieser Bau vereinigte die Kriegerverbände unter dem Namen „Kyffhäuserbund der Kriegerlandesverbände“.

Nach dem 1. Weltkrieg nannte er sich Deutscher Reichskriegerbund Kyffäuser.

Hartmut Schirmer

Quellenangabe: Kyffäuser, Jahrgang 1990, Nr. 4, September


UDH Nr. 78

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