BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 78  ¦  Juli – September 2006


Leserbriefe

Deutsche Schicksale

Leserbrief von: Siegfried Vetter
Bezug: Zeitung 76

Ich kann die Stellungnahme des Lord Cecil im Heft 76, Seite 24, zur polnischen Vorkriegsschulpolitik als Betroffener (Jahrgang 1931, Einschulung 1938) vollinhaltlich bestätigen.

Ich erinnere mich als Volksdeutscher aus Lodz (Litzmannstadt im Wartheland) an die großen Schwierigkeiten, die mein Vater hatte, mich an einer deutschsprachigen Grundschule unterzubringen, an der Deutsch und Polnisch gelehrt wurden. Ein beträchtlicher Teil des „Schulgeldes“ mußte privat aufgebracht werden, und mein Schulweg wurde bedeutend weiter, als er zur einer rein polnischen Schule gewesen wäre.

Aus all diesen Gründen war ich froh, als im September 1939 mit dem Einmarsch der deutschen Truppen der Polnischunterricht entfiel. Allerdings ahnte damals niemand, daß das der Anfang vom Ende der deutschen Aufbauarbeit von 150 Jahren war und in Flucht und Vertreibung endete. Der deutsche Bevölkerungsanteil in Litzmannstadt betrug ca. 30%. Obwohl unzerstört, hat sich die Stadt von diesen und den jüdischen Verlusten nicht wieder richtig erholt. Die Polen waren plötzlich alleine. Später wurde eine Zusammenarbeit u.a. mit dem VEB Textima versucht. Nach der Wende und dem EU-Beitritt Polens stieg die Zahl der Arbeitslosen enorm. Die Märkte der ehemaligen Sowjetunion waren weggebrochen.

Ich glaube nicht, daß Vicki Leandros noch nach Lodsch fahren möchte. Es liegt an der Strecke Breslau — Oels bzw. über Warschau, und grenzt an Schlesien an. So kam es, daß 1945 sich die Flüchtlingsströme in Breslau trafen und in einem Chaos in Dresden endeten. Diese Unmenge von Toten kann nie mehr richtig festgestellt werden. So haben Wartheländer und Schlesier ein gemeinsames Schicksal zu tragen.

Fest steht, daß die Vertreibung der deutschen Menschen aus ihren Heimatgebieten nach beiden Weltkriegen ein Verbrechen war.

Wenn man die Töne des polnischen Staatspräsidenten und sogar eines Lech Walenza hört, kommen auch mir als einem gutwilligen Menschen erhebliche Zweifel, daß sich das polnische Volk und insbesondere die politische Führung geändert haben sollten.


Gleiwitzer Sender

Abschrift des Schreibens von Dipl. Volkswirt Willi Kohler, Oberst a.D.

Lieber Peter Carolos

Sie haben mich in ihrem Brief vom 22.8.91 gebeten, zu helfen, das Geschehen um den Gleiwitzer Sender vor Beginn des Polenkrieges aufzuklären. Durch frühere Gespräche während unserer gemeinsamen Tätigkeit im (der Redaktion bekannt) wußten Sie, daß ich am 29./31.8. und dann am 1.9.1939 bei Gleiwitz als Zugführer einer Nachrichten-Abteilung aus Bayern eingesetzt war.

Ich erinnere mich an die Reichstags-Rede Hitlers, die wir am Radio mithörten und die uns annehmen ließ, daß wir an einem Schwerpunkt des bevorstehenden Krieges eingesetzt wurden. Der Sender Gleiwitz war in unserer Sichtweite. Das Schlußzitat der Rede „Ab heute früh wird zurückgeschossen“ habe ich bis heute noch in den Ohren.

Meine Einheit rückte aus dem Gleiwitzer Bereich erst am Nachmittag des 1.9.1939 in Richtung Kriegsschauplatz „Polen“ ab.

Von einem Überfall konnten wir nichts sehen und hören. Es gab dort keine Kämpfe. An Einzelheiten kann ich mich nach über 50 Jahren nicht mehr erinnern. Unser Einsatz endete im Raum Nisko.

Für die Richtigkeit der Abschrift:
5. April 2006, Peter Carolos


UDH Nr. 78

Sprung zur Indexseite Sprung zur Seitenübersicht     Sprung zum Briefformular