BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 79  ¦  Oktober – Dezember 2006


Buchbesprechung:

Erfundene Geschichte: In welcher Zeit leben wir?

Seit Jahrzehnten ist eine Reihe von Gelehrten damit beschäftigt, Fälschungen der Geschichte aufzudecken; einer der ersten war Wilhelm Kammeier. Er stellte fest, daß während der von ihm so benannten „großen Aktion“ zwar Dokumente (in Klöstern) massenhaft hergestellt wurden, daß sich aber praktisch keine „echten“ darunter befinden, wie sich übrigens leicht nachweisen läßt, wenn man genauer hinschaut. Ende des 20. Jahrhunderts behauptete Heribert Illig, daß Karl der Große eine erfundene Figur sei und daß das Jahr 2000 eigentlich erst das Jahr 1700 sei. 300 Jahre sind im zweiten Jahrtausend einfach mit erfundenen Geschichten gefüllt worden. Hauptakteur dieser „Geschichtsschreibung“ war die Kirche.

Wer sich mit dieser Thematik beschäftigt, ohne selbst forschender Gelehrter zu sein, dem kann es leicht schwindlig werden. Uwe Topper hat den Stoff jedoch gut im Griff; das beweisen zahlreiche Bücher, die er seit den 70er Jahren geschrieben hat. Das jüngste heißt schlicht „Kalendersprung“.

Auf der Welt wurden die verschiedensten Kalenderzählungen verwendet; in Europa spielte in erster Linie der julianische (geschaffen von Julius Cäsar), später der gregorianische Kalender eine Rolle: Papst Gregor XIII. reformierte „1582“ unserer Zeitrechnung das Jahr. Er sah sich dazu gezwungen, um das Osterfest wieder auf das traditionelle Datum festzulegen. Wieso?

Im Jahr „1260“ sowie im Jahr „1350“ wurde die Erde jeweils von einer kosmischen Katastrophe heimgesucht, in deren Gefolge die Sonnenwenden wichtigste Orientierungspunkte für das Kalenderjahr — sich ruckartig verschoben. Im julianischen Kalender lag die Wintersonnenwende auf dem 1. Januar, die des Sommers auf dem 1. Juli. Nach Gregors Reform liegt das Wintersolstitium nun auf dem 22. Dezember. Der Frühlingsbeginn (Ostern!) kam auf den 21. März. Dieser Kalender gilt noch heute.

Die Katastrophe alias der „große Ruck“ ist dem kollektiven Gedächtnis praktisch völlig entschwunden. Er hatte aber größte Auswirkungen auf die Geschichtsschreibung. Schriftliche Quellen, Zeitzeugen, Gelehrte mit Gedächtnis gingen zugrunde. Das Ergebnis: Die Geschichte wurde neu erfunden, d.h. verfälscht. Mit den Auswirkungen dieses Faktums beschäftigt sich Topper in seinem Buch. Wir können hierzu nur ein paar Stichworte bringen.

Topper bringt noch viele weitere Beispiele, die beweisen, daß wir uns weder auf die heute gültige Zeitzählung noch auf die uns bekannte „Geschichtsschreibung“ verlassen können. Im Zeitalter von Funk und Fernsehen wird das wohl nicht viele Leute aufregen. Sie leben voll in der Gegenwart. Empfindlicheren Gehirnen schafft es eine gewisse Unsicherheit. Und es wächst die Gewißheit, daß wir noch vieles werden umlernen müssen.

Erdmuthe Idris-Schimmel

Topper, Uwe: Kalendersprung. 390 S. Leinen, zahlreiche Abb. € 19,50, Grabert-Verlag, Tübingen 2006

UDH Nr. 79

Sprung zur Indexseite Sprung zur Seitenübersicht     Sprung zum Briefformular