BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Mitteilungsblatt

Ausgabe 1  ¦  Februar 1991


Ich sah die Heimat wieder

Eine Reise ins sowjetisch besetzte Ostpreußen

Dietrich von Lenski-Kattenau

Anfang September 1990 hat sich für mich ein Wunsch erfüllt, auf den ich über 46 Jahre gewartet habe: ein Wiedersehen meiner Heimat Kattenau und Amalienau.

Obwohl ich auf diesen Tag durch Berichte befreundeter Lands­leute genügend vor­bereitet war, die bereits im Jahre 1989 dort einen heimlichen Besuch machen konnten, war das eigene Erleben doch mehr als erschüt­ternd.

Unsere einst so herrliche, liebevolle und abwechs­lungs­reiche Heimat mit den schönen Dörfern und Einzel­höfen existiert nicht mehr. Das Land­schafts­bild hat sich völlig verändert. Man hat dem Land buch­stäblich „die Seele genommen“. Rechts und links der Straße erstrecken sich große Flächen, die im Herbst ver­unkrautet wie Steppen im tiefsten Rußland wirken. Man sieht nur wenige Häuser und Dorfteile, die zum größten Teil unbewohnt und verfallen sind, dazwischen Häuser russischer Herkunft, die artfremd wirken und deren Anblick unser deutsches Auge beleidigt.

Dann plötzlich mitten im Gelände die häßlichen Bauten von Vieh­ställen eines russischen riesigen land­wirtschaft­lichen Groß­betriebes. Diese Ver­änderungen machen vor allem den Landwirt, wie ich es bin, tief traurig. Riesige Flächen, die brach liegen, riesige Felder, die schlecht oder nur not­dürftig bestellt sind. Ich habe den Boden und das Land richtig rufen und schreien gehört nach seinen alten, ehemaligen Bewohnern. Versöhnend für das Auge sind nur die wunder­baren Wege, Chausseen und Alleen, die mit herrlichen Eichen, Linden und Birken eingefaßt sind. Der Blick durch diese Wege in Fahrt­richtung wirkt wie der in einen natürlichen Dom.

In solchen Situationen wird man stille; so auch ich. Ich habe die Hände gefaltet und meine Gedanken gen Himmel gerichtet: „Hier, großer Gott, hast Du ein Paradies versinken lassen!“ So weit, meine lieben Freunde, meine Erlebnisse vor wenigen Wochen. Es war eine Fahrt in die Erinnerung der Vergangenheit, eine Fahrt in die Realität der Gegenwart, aber auch eine Fahrt mit vielen Hoffnungs­wünschen in die Zukunft! Hier ist ein Land, das dringend unsere Hilfe braucht. Hier müssen wir eine Basis schaffen, auf der eine gemein­same Zukunft in einem vereinigten Europa mit den Nachbar­völkern möglich sein sollte.

Für dieses Muß und für dieses Vorhaben benötigen wir Persönlich­keiten, die die Bedeutung der Stunde erkennen und die nunmehr in den kommenden Friedens­verträgen unser Heimat­recht und unsere Besitz­ansprüche geltend machen müssen. Wir dürfen uns nicht ins Abseits drängen lassen, um schließlich als Rand­gruppe der ewig Gestrigen abge­stempelt zu werden. Auch mir hat diese meine Reise erneut bestätigt, wie wertvoll dieses Land, ehemals die Korn­kammer Deutsch­lands, heute in tiefster Not, immer noch ist, und daß wir es niemals aufgeben dürfen.

Wir müssen die Politiker ständig auf unsere Ansprüche und die Lösung dieser dringenden Aufgaben hinweisen. Eine über 700jährige deutsche Kultur­arbeit kann man heute in der Geschichte nicht einfach weg­leugnen.

Dietrich von Lenski-Kattenau

Fortsetzung folgt

Ostpreußen

von Reinhold Schlothauer

Wenn der Frühling erste Blüten zeigt,
flieht mein Geist in altvertraute Weiten.
Jedes Jahr, in diesen Aufbruchzeiten,
wenn geduckte Sträucher grün bezweigt,

zieht es mich ins Land kristallner Seen,
wo die Wälder in den Himmel schweigen,
und die Elfen ihren goldnen Reigen
auf den Wiesen tanzen, ungesehn.

Jene Welt ist nicht für mich verloren.
Meine Wurzeln ruhn dort fest im Sand.
Blatt vom Baum geweht in fremdes Land
und im Lenze ewig neu geboren.


UDH Nr. 1

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