Jul 20 2008

Gelöbnis am Reichstag — Rede Altbundeskanzler Helmut Schmidt

Category: Deutsches Reich,Geschichte,PolitikHorst Zaborowski @ 21:53

In den Abendstunden des 20. Juli 2008 fand vor dem Reichstag ein feierliches Gelöbnis statt. Sechs Rekruten legten stellvertretend für ihre Kameraden den Eid ab. Es bleiben Fragen offen. Wie so oft stimmen Symbolik und Reden nicht überein, ja sie sind teilweise in sich selbst wiedersprüchlich.

Verteidigungsminister Jung wies in seiner Rede darauf hin, daß diese Soldaten sich verpflichten, die Bundesrepublik Deutschland und das Deutsche Volk zu verteidigen. Seit wann denn das Deutsche Volk, wo doch in allen Reden bei anderen Gelegenheiten quer durch die gesamte Politprominenz vom Abgeordneten, über die jeweiligen Minister und Bundeskanzlerin bis zum Bundespräsidenten die Worte Deutsches Volk geflissentlich vermieden werden. Wir hören, wenn es hoch kommt, von Mitbürgern — also noch nicht einmal von Staatsbürgern.

Erschütternd ist, daß ein honoriger Politiker wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt sich überhaupt bereit erklärt hat, anläßlich des Gelöbnisses an diesem Tage zu sprechen. Soldaten schwören das Deutsche Volk zu verteidigen in einem Zusammenhang im Gedenken an Offiziere, die ihren Eid brachen.

Wie Altbundeskanzler Schmidt in seiner Rede ausführte wurde dieser Eid gebrochen im Bewußtsein, daß die militärische Niederlage abzuwenden nicht mehr gegeben war. Es wurde also bewußt, um des „Seelenfriedens“ willen einiger Offiziere, der Tod von tausenden Soldaten in Kauf genommen. Nach den Ausführungen von Altbundeskanzler Schmidt verloren in diesen Monaten mehr Soldaten ihr Leben als in den Jahren des ganzen Krieges.

Daß Sie, Herr Altbundeskanzler, als Offizier an der Verurteilung der Attentäter teilnehmen mußten, kann Ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden. Mit Ihrer Teilnahme an diesem Gelöbnis unter dem Hinweis auf das Attentat am 20. Juli 1944 haben Sie meine in diesen Tagen und Wochen gefallenen Kameraden verraten.

Noch verwerflicher ist, daß Sie die Kriegshandlungen der BRD-Regierung in Afghanistan als mit dem Grundgesetz im Einklang bezeichnen. Ihre Reputation setzten sie letztendlich auf Spiel mit dem Satz „Dieser Staat wird Euch nicht mißbrauchen.“ — Obwohl Grundgesetz in Art. 26 das Verbot eines Angriffskrieges ausspricht sterben deutsche Soldaten in Afghanistan, tausende Kilometer entfernt vom Boden der Bundesrepublik Deutschland, ohne jegliche Landverbindung.

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