Sep 09 2008

Die Macht der Spekulation brechen

Category: Finanzwirtschaft,WirtschaftHorst Zaborowski @ 09:48

Einige Leser werden sagen, richtig müßte es heißen „Die Macht der Spekulanten“ brechen. Nein — Spekulation ist Ursprung und Ursache zugleich. Spekulation ist vergleichbar mit Rauschgift. Eine Bekämpfung dieser Seuche beginnt beim Anbau der Pflanzen, aus denen das Rauschgift gewonnen wird. Die Verfolgung derjenigen, die das Rauschgift vertreiben, ist eine Reaktion und somit der zweite Schritt ein Hinterherlaufen. Spekulation kann nicht mit Gesetzen verhindert werden. Es sind auch keine Armeen erforderlich. Im einzelnen Menschen kann das Gehirn über dem Gefühl die Oberhand gewinnen und schon besteht eine gute Chance, die Macht der Spekulation zu brechen. Neben dem Gefühl sind Eigenschaften, zum Beispiel Gutgläubigkeit (leider viel zu häufig bei deutschen Menschen anzutreffen), insbesondere die Zeitungsgläubigkeit mit der Erweiterung auf die Mediengläubigkeit, ein schmeichelnder Gegner des Verstandes (Gehirns). Wird trotzdem vom Gehirn des Menschen erkannt, daß spekulative Werte ohne wirkliche Substanz sind, ist schon der zweite Schritt, die Macht der Spekulation zu brechen, erreicht.

Aus der Theorie in die Praxis. Bei vielen Menschen ist bekannt, daß der US-Dollar keine Deckung hat. Im alltäglichen Leben nehmen Menschen davon kaum Notiz. Sie glauben weiterhin, und die Realität bestärkt sie in ihrem Glauben weil ja auch alle Anderen glauben, für den US-Dollar bei jeder Gelegenheit einen gerechten Gegenwert in Form von Waren und Dienstleistungen zu erhalten. Diese Realität reduziert sich auf eine geringste Hoffnung in dem Moment, wo der Zweifel an einen gerechten Gegenwert für den US-Dollar bei vielen Menschen aufkeimt und diese danach handeln. Die Kraft, Spekulation zu brechen, liegt im einzelnen Menschen, wird jedoch erst wirksam bei einer großen Zahl. Mit der großen Zahl entsteht das Normative des Faktischen. Diese daraus resultierende Kraft wird dann auch nicht mehr durch militärische Überlegenheit aufzuhalten sein. Staatsbanken, die heute gezwungen sind, US-Dollarbestände in einer gewissen Größenordnung in ihren Depots zu halten, werden die ersten sein, die beim geringsten Anzeichen eines einsetzenden Denkprozesses bei vielen Menschen versuchen, die US-Dollars loszuwerden.

Die Macht der Spekulation beschränkt sich nicht nur auf den erweiterten Geldverkehr. In vielen Lebensbereichen ist Spekulation mit ihren einschmeichelnden Vorstellungen eines besonderen Vorteils vorhanden. Spekulative Handlungen sind Ursache für viele Streitigkeiten zwischen Menschen und Staaten. Wobei es klar zu unterscheiden gilt zwischen Bemühungen, sich einen normalen oder – anders ausgedrückt – einen gerechten Vorteil zu verschaffen. Bei dieser Art des gesellschaftlichen und finanziellen Umgangs miteinander liegen die Fakten, sprich Karten, offen auf dem Tisch. Ein Beispiel: Sie kaufen beim Händler auf dem Wochenmarkt ein Pfund Obst. Wenn der Händler spekuliert, aus welchen Gründen auch immer, und Ihnen ein Stück minderwertiges, der Auszeichnung nicht entsprechendes Stück unten in die Tüte legt, sind die Karten gezinkt. Dieses Beispiel läßt sich beliebig auf alle Lebensbereiche übertragen.

Eine Spekulation, das Glücksspiel, bietet beide Varianten. Die Teilnahme am staatlichen Lotto ist eine Spekulation, bei der die Karten offen auf dem Tisch liegen. Die Auslosung kann von jedermann mitverfolgt werden. Der Verteilungsschlüssel für die Summen und der Vorteil des Staates sind bekannt. Glückspiel ohne staatliche Kontrolle ist Spekulation pur. Das höchste Gut zwischenmenschlicher Beziehungen ist das Vertrauen. Bereits der Säugling vertraut. Enttäuschtes Vertrauen kann Kinder ihr ganzes Leben bis ins hohe Alter verfolgen. Um die Spekulation in die Schmuddelecke verbannen zu können muß der Mensch neben seinen Verstand verstehen lernen, sein Gefühl Vertrauen richtig dosiert ans Gehirn weiterzuleiten.


UDH86

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