Dez 06 2008

Offener Brief an die Bundeskanzlerin

Category: Deutsches Reich,Politik,WirtschaftNetzmeister @ 16:26

Friedrich Kurreck
Offenbach, den 20. Sept. 2008

An die
Bundeskanzlerin
Frau Dr. Angela Merkel
Willy-Brand-Straße 1
10557 Berlin

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

auch wenn Sie als „vermeintlich mächtigste Frau der Welt“, zu der Sie das US-Magazin „Forbes“ kürte, es nicht für nötig halten, auf Schreiben von besorgten Bürgern einzugehen, erlaube ich mir als mündiger Bürger dennoch, erneut an Sie zu schreiben, dieses Mal über die durch Ihr Anlegen mit den Weltmächten Rußland und China zunehmende Verdüsterung der konjunkturellen Lage in Deutschland.

Wenn Sie auf Pressekonferenzen beispielsweise den russischen Präsidenten Medwedjew maßregeln und ihm gar Konsequenzen androhen, was an das Aufbegehren einer Ameise gegen eine Elefantenherde erinnert, dann scheint Ihr gestrenger Blick zu sagen, daß Sie nun wirklich anderes zu tun haben, als in die Niederungen der deutschen Innenpolitik (Wirtschaftspolitik) hinunterzusteigen. Ob es uns gut oder schlecht geht, erscheint ihnen offenbar als zweitrangige Frage.

Derweil droht in Deutschland eine Rezession. Der Geschäftsklima-Index des Ifoinstitutes, ein Stimmungsbarometer, das Aufschluß über die weitere wirtschaftliche Entwicklung gibt, fiel im August zum dritten Mal in Folge auf nur noch 94,8 Punkte, was den niedrigsten Stand seit August 2005 markiert. Ifo-Chef Werner Sinn bemerkte, die deutsche Wirtschaft gerate damit zunehmend in „konjunkturell schwieriges Wasser“. Zudem ermittelte das Marktforschungsinstitut „GfK“ eine massiv verschlechterte Stimmung der Verbraucher, was auf wachsende Kaufzurückhaltung schließen läßt. Dabei schrumpfte bereits das deutsche Wachstum im zweiten Quartal 2008 gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent.

Finanziell bestens versorgte Politiker führen Klage darüber, daß die Deutschen geizig seien. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit dieser Kaste. Immer mehr Menschen in unserem Land schränken ihren Konsum nicht ein weil sie knauserig geworden sind, sondern weil sie von ihrem Arbeitslohn nicht mehr leben können. Nach einer Studie des WSI-Instituts der Hans Böckler-Stiftung ist der Anteil der Geringverdiener an Erwerbstätigen in den letzten Jahren stark gestiegen. Arbeiteten 1995 bundesweit noch etwa 15 Prozent der Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor, waren es 2006 bereits 22 Prozent. Dabei lag die Quote in den alten Ländern bei rund 19 Prozent, in den neuen Ländern sogar bei unvorstellbaren 41 Prozent.

Wer am unteren Ende der Preisskala arbeitet, ist auf staatliche Zuschüsse zur Aufstockung seines geringen Verdienstes angewiesen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erhielten Anfang 2005 knapp 747.000 Menschen solche Zuschüsse, Ende 2006 waren es bereits 1,2 Millionen. Die WSI-Studie zeigt, daß die Einkommensschere in Deutschland immer weiter auseinandergeht. Den mehr werdenden „arbeitenden Armen“ steht eine ebenfalls — wenn auch geringer — wachsende Schicht der Spitzenverdiener gegenüber, während die für die Volkswirtschaft bedeutsame Mittelschicht zusammenschrumpft.

In Deutschland sind die Steuern auf Löhne und Gehälter und die Beiträge zu den Sozialversicherungen mit zusammen 42,8 Prozent der Bruttoverdienste am höchsten unter allen vergleichbaren Staaten. Irland hingegen, das sich mit den hauptsächlich von Deutschland aufgebrachten EU-Subventionen sanieren konnte, liegt mit einer Abgabenlast von nur 13,9 Prozent im Vergleich der Staaten an 20. Stelle. Wen wundert es bei solchen Zuständen noch, daß Spitzenkräfte, deren Ausbildung die deutschen Steuerzahler finanziert haben, scharenweise ins Ausland abwandern!!! Das zu verhindern, wäre Ihre dringlichste Aufgabe, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin.

Ihr Versprechen beim Amtsantritt, den Menschen mehr Netto vom Brutto zu lassen, hat sich ins Gegenteil verkehrt. Inzwischen wissen wir aber auch, daß Sie die beiden Begriffe nicht auseinanderhalten können.

Kein Wunder, daß die Politik Ihrer Regierung – hohe Belastung der Deutschen, Milliardengeschenke ans Ausland u.a. – die Binnenkonjunktur einbrechen läßt. Jetzt aber beginnt sich auch der deutsche Export, auf den immer Verlaß war, abzuschwächen, worauf der „Deutsche Industrie- und Handelskammertag“ (DIHK) aufmerksam machte. In dieser Situation grenzt es an Wahnsinn, daß Sie gegen Rußland in Stellung gehen, das nicht nur für unsere Energieversorgung immer wichtiger wird, sondern sich auch zu dem für die deutsche Exportwirtschaft am stärksten wachsenden Absatzmarkt entwickelt hat.

Sind Sie und Ihre Minister denn nicht in der Lage, den Ernst der Stunde wahrzunehmen?

Sie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sollten sich in Zukunft mehr um das kümmern, was im Lande vor sich geht. Für die Außenpolitik ist Ihr Außenminister zuständig. Wozu haben wir ihn denn? Mein Vorschlag: Überlassen Sie ihm die Außenpolitik, begeben Sie sich schnellstens in die Niederungen der Innenpolitik und machen Sie dort wahr, was Sie bei Amtsantritt geschworen haben, den Wohlstand Ihres Volkes zu mehren und Schaden von ihm zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Friedrich Kurreck


erschienen in Unsere Deutsche Heimat, Ausgabe Nr. 87, S. 20-22


UDH87

Schlagwörter: , , , , ,

Comments are closed.