Jan 20 2009

Bankenkrise ist Wirtschaftskrieg

Category: Banken,gefunden,WirtschaftHorst Zaborowski @ 17:28

Die weltweit grassierende Bankenkrise wird immer noch als ein eigenständiges Ereignis angesehen. Solange Hintergründe nicht erkannt und benannt werden entsprechen Lösungsvorschläge Rutengängen bei der Suche nach Wasser.

Aus der Neuen Solidarität Nr. 4/2009 im Folgenden einen Auszug eines → Interviews mit dem auch aus vielen Talkshow bekannten Prof. Wilhelm Hankel.

Helga Zepp-LaRouche führte am 14. Januar das folgende Interview mit dem früheren Leiter der Abteilung Geld und Kredit im Bundesfinanzministerium, engem Mitarbeiter Karl Schillers und ehemaligen Chefökonomen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, Prof. Wilhelm Hankel.

Helga Zepp-LaRouche: Es gibt ja im Grunde zwei Fraktionen. Das eine sind die Leute, die sagen, man muß das System irgendwie behalten und eine „bad bank“ schaffen, die dann vom Staat garantiert wird, oder daß der Giftmüll aufgekauft wird; oder es gibt auch Leute, wie den italienischen Finanzminister Tremonti oder den ehemaligen französischen Premierminister Rocard, die praktisch von einer Bankrott-Reorganisation sprechen. Sie hatten ja auch einmal diese „bad bank“ kritisiert.

Hankel: Die „bad bank“ wäre der absolut falsche Weg, weil er ja den Bankrott nicht verhindert, sondern legalisiert. Die „bad bank“-Lösung würde bedeuten, daß der Staat, also wir alle, diese Schrottpapiere mit gutem Geld, mit hart verdientem Einkommen und sauer erworbenen Ersparnissen finanzieren müßten. Das liefe also auf die Auslösung, das bail-out der Täter hinaus. Dann würden diese von Erz-Kapitalisten spekulativ eingefahrenen Verluste voll sozialisiert werden. Nota bene mit Geld, das dann für neue und wertvolle Investitionen, zusätzliche Arbeitsplätze und dringend benötigte Infrastruktur fehlen würde!

Nein, ich denke, man muß den Bankern die Chance geben, ihren eigenen Mist selbst zu bereinigen. Und das ließe sich machen. Von daher mein Gegenvorschlag, diese Krise als das zu begreifen, was sie bislang ja noch ist: als eine mehr oder minder fiktive Krise in den Büchern der Banken. Und ihre Bücher müssen die Banken schon selbst bereinigen. Dabei können ihnen der Staat und der Gesetzgeber helfen, und zwar durch Anpassung der Bilanzierungsregeln an die neuen Probleme.

Das liefe darauf hinaus, daß man die Bankwirtschaft veranlaßt, ihr bankrottes Altgeschäft vom Neugeschäft zu trennen und aus den Bilanzen heraus zu nehmen. Es wäre auf einen Fonds zu übertragen, aber nicht auf einen Staatsfonds, sondern auf einen aus Eigenmitteln der Banken. Und für dieses „Sondervermögen“ gäbe es dann Bilanzierungshilfen. Die Banken müßten die dort deponierten und eingefrorenen Forderungen und Verpflichtungen nicht mehr zu den an den Stichtagen gültigen Tages- oder Veräußerungswerten bilanzieren und entsprechend wertberichtigen. Sie könnten diese derzeit mehr oder minder wertlosen Aktiva zu ihren Anschaffungswerten ausweisen und über einen längeren Zeitraum, der durchaus 10 bis 20 Jahre betragen kann, abschreiben und tilgen. Im Klartext: Sie müßten ihre selbstverschuldeten Verluste auch selber abarbeiten.

Das schiene mir der richtige Weg. Er würde auf Jahre sicherstellen, daß die Bankwelt an ihre Sünden erinnert wird, denn sie müßte ihre Sünden-Schuld selbst begleichen. Gleichzeitig würde die Realwirtschaft durch das von den Alt-Schulden unbelastete Neugeschäft wieder auf Trab gebracht werden können. Aus der fiktiven und buchhalterischen Finanzkrise entstünde keine reale Wirtschafts- und Beschäftigungskrise mit all ihren verheerenden Folgen für Geschäftswelt, Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen.

Überlegungen in diesem Interview kreisen auf dem Hintergrund einer weltweiten Bankenkrise, wenn auch von außergewöhlichem Ausmaß. Eine Betrachtung unter dem Gesichtspunkt eines Wirtschaftskrieges floß in diesem Interview nicht ein. Für eine solche Annahme ergeben sich Anhaltspunkte einer Planung. Dafür sprechen die Größe der Finanzblase, der Zeitpunkt zu dem sie zum Platzen gebracht wurde (Übergang in der Präsidentschaft der USA) und der Ort des Ausbruchs, das eigene Land USA. Nur im Zusammenspiel dieser Kriterien ist die Wucht und Schnelligkeit, mit der die Finanzkrise um die Welt herum explodierte, erklärbar.

Die vom sehr verehrten Prof. Hankel in diesem Interview dargelegte Überlegung „ich denke, man muß den Bankern die Chance geben, ihren eigenen Mist selbst zu bereinigen“ läßt weiterhin den Tätern Spielraum. Es ist der gedankliche Spielraum der sich aus der in der Bundesrepublik Deutschland von den 68ern eingeführten Betrachtung — der Täter ist Opfer — speist.

Diesem Angriff auf die Lebensadern auch der deutschen Volkswirtschaft kann nur mit konsequenten Maßnahmen begegnet werden. Verstaatlichung aller Banken in der Bundesrepublik Deutschland auf Grundlage des Grundgesetzes Art.14. Entschädigung nach GG Art. 14 (3) mit Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland in der Höhe des Börsenwertes der Banken bzw. Unternehmen bei Übernahme. [siehe Artikel Krisenbewältigungsprogramm im Friedenspiegel]

Bei dieser Maßnahme ist Luft aus der Finanzblase heraus. Die Verantwortlichen, ob Bankenvorstände oder Aktionäre und auch die zinsgeilen Anleger tragen die Verluste und nicht die Verkäuferin Frau Müller im Supermarkt.

Schlagwörter: , , ,

One Response to “Bankenkrise ist Wirtschaftskrieg”

  1. Netzmeister says:

    Das zitierte Interview stieß auch in russischen Wirtschaftsmedien auf Wohlwollen: BFM.ru — «Речь идет о красном уровне тревоги»

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment. Login now.