Jan 20 2009

Rüttgers will Heuschrecken füttern

Category: Banken,Politik,WirtschaftHorst Zaborowski @ 11:53

Am 19. Januar 2009 strahlte PHOENIX in der Sendung Unter den Linden ein Interview mit dem stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden und Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers, aus. Seine volkstümlichen Ausführungen wurden oft mit Beifall aus dem Publikum begleitet. Leider vertritt Dr. Rüttgers die Ansicht, durch Finanzkrise betroffenen Firmen, er bezog sich dabei auf eine bestimmte Firma, mit einem staatlichen Rettungspaket unter die Arme zu greifen.

Seinen Ausführungen konnte entnommen werden, daß diese Firma mit ihren speziellen und verfahrensmäßig geschützten Produkten (Zulieferungsteile für die Automobilherstellung) einen großen Teil weltweit vertreibt. Weil in diese Firma sich acht in der Welt verstreute Heuschrecken eingenistet haben erhält die Firma keine Kredite von den Banken.

An dieser Stelle eine Zwischenbemerkung: Wenn in Medien bei Diskussionen über Besteuerung deutscher Staatsbürger und Wähler angeführt wird, daß Steuern vom unteren Drittel nicht bezahlt werden, wird dieser Verfälschung hier energisch widersprochen. Jeder der in der Bundesrepublik Deutschland einen Schluck Wasser trinkt und eine Scheibe Brot ißt, zahlt Steuern!

Zurück zur Fütterung von Heuschrecken. Von verschiedenen „Sachkennern“ wird die Auffassung vertreten, zur Deckung des Finanzbedarfs von Firmen in der Bundesrepublik Deutschland tragen auch Heuschrecken bei. Verschwiegen wird dabei die Vorgehensweise dieser „Investoren“. Bereits bei der Auswahl ihrer „Opfer-Firmen“ wird darauf geachtet, daß eine gute Substanz vorhanden ist. Hier ist bereits ein Vorwurf an die Banken zu richten, die diesen Firmen keine Kredite gegeben haben. Der größte Teil der agierenden Heuschrecken besitzt ebenfalls nur ein geringes Eigenkapital und leiht sich den Finanzbedarf zu Übernahme der Firmen bei Banken. Diese Belastung wird auf die übernommenen Firmen übertragen. Im Klartext: Diese „Opfer-Firmen“ müssen nun zweifach Gewinn erwirtschaften: einmal um den Betrieb rentabel zu halten und zum anderen die Kredit- und Tilgungskosten für das von den Heuschrecken aufgenommene Kapital. Nur in den seltensten Fällen gelingt dieser Spagat. Die übernommenen Firmen brechen unter dieser Belastung zusammen und werden „abgewickelt“. Filetstücke, Produktionsverfahren, Patente, Immobilien usw. werden verkauft, der Rest wird dem Insolvenzverwalter überlassen. Übrig bleiben Menschen die diesem Betrieb, oft über mehrere Generationen, ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten und nun letztendlich in Hartz-IV landen.

Wenn der Staat Bundesrepublik Deutschland, insbesondere in dieser weltweiten Finanzkrise, seine Funktion erfüllen will, kann er nicht in alten Geleisen weiterfahren. Außergewöhnliche Ereignisse, und die weltweite Finanzkrise ist ein außergewöhnliches Ereignis, bedürfen auch außergewöhnlicher Maßnahmen. Geld in astronomischem Volumen in einen bankrotten Finanzkreislauf zu pumpen und zukünftige Generationen noch höher zu belasten, zählt wirklich nicht zu den außergewöhnlichen Maßnahmen die notwendig sind.

Es gehört schon Mut dazu über seinen eigenen Schatten zu springen. Wer Vorschläge, auch wenn diese von anderen Parteien vorgebracht werden, nur ablehnt weil die eigene Partei nicht darauf gekommen ist, hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Die von Dr. Rüttgers vorgeschlagene Heuschreckenfütterung zählt nicht zu den notwendigen Maßnahmen.

Wir können nur auf die Einsicht in die Notwendigkeit der politisch „Handelnden“ hoffen! Eine konsequente Verstaatlichung der Banken und bedrohter Firmen von nationalem Interesse auf der Grundlage Grundgesetz Art.14 schnell durchführen kann uns noch vor dem Inferno einer Währungsreform retten.

Siehe auch im Friedenspiegel unter Krisenbewältigunsprogramm.

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