Jan 21 2011

Bundeswehr im Kreuzfeuer

Category: Militär,Politik,RechtHorst Zaborowski @ 03:11

Die Aufmerk­samkeit der „Fälle“: Gorch Fock – Toter Soldat in Pol-e-Chomri und Feldpost (jeweils in Afghanistan) – sind jeder für sich noch kein Grund an den Qualitäten des Bundes­verteidigungs­ministers zu zweifeln. Bedenklich jedoch ist, daß der Bundes­wehr­beauftragte diese „Fälle“ in die Öffentlichkeit plazierte und nicht zu Guttenbergs Ministerium.

Das Schulschiff Gorch Fock ist eine Elite-Ausbildungs-Einrichtung. Dazu kommt noch, daß in der Marine naturgemäß hohe Anforderungen an die Angehörigen gestellt werden. Wer sich für diese Ausbildung entschließt, auch mit der Aussicht im künftigen Berufs­leben einen Vorsprung vor seinen Mit­bewerbern zu erlangen, kann nicht davon ausgehen, mit Samt­handschuhen angefaßt zu werden. Letztendlich bleibt die Seefahrt ein harter Beruf, denn Meer und Sturm verzeihen keine Fehler.

Zu der gefilzten Feldpost ist nur von Belang, ob die Durch­suchung der Post richterlich abgesichert war. Wenn sich unterhalb dieser Schwelle, ganz gleich aus welchen Gründen, ob von „Horch und Guck“ oder aus „technischer Panne“ dieser Eingriffe in die Privat­sphäre der Soldaten vollzogen haben sollte, ist der Verteidigungs­minister persönlich gefordert. Denn er hat die Fürsorge­pflicht für die ihm anver­trauten Soldaten.

Der durch einen Schuss außerhalb von Kampf­handlungen getötete Soldat lässt viele Möglich­keiten offen. Aus eigenem Erleben weiß ich, daß die „Stimmung“ in der Truppe einen Hinter­grund hat, auf dem sich nicht aufklärbare Dinge abspielen können. So stand ich daneben als beim Waffen­reinigen 1943 in unserer Baracke einem die Aufsicht ausübendem Feldwebel von einem meiner Kameraden die halbe Gesichts­hälfte wegge­schossen wurde. Der Kamerad war ein verschlossener, in sich ruhender Typ. Der, wie wir glaubten, nur so zum Spaß die zu reinigende Pistole mit ausge­strecktem Arm in die Gegend richtete. Der Feldwebel kam in den Raum der Baracke herein und der Kamerad schoss. Wir waren auf dem Weg zur Front. Was aus der Angelegen­heit wurde, ist mir nicht bekannt.

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